Im Test: Nike Lunaracer+

Nun hat es doch etwas länger als die versprochene Woche gedauert, um Nikes Lunaracer+ genauer unter die Lupe zu nehmen. Prinzipiell ähnelt dieses Modell dem bereits vorgestellten Zoom Victory+, mit einer Ausnahme: Hier macht Nike alles richtig.

Damit könnte der Test auch genau so schnell zu Ende sein, wie ein Beitrag auf der Titelseite der Bild-Zeitung: Undifferenziert, kurz und vorbei, bevor die Titten kommen. Also ist eigentlich alles irgendwie das selbe, bloß anders? Nicht ganz. Die Wahrheit steckt im Tchibo und der Teufel im Detail und genau diese kleinen, aber feinen Unterschiede heben den Lunaracer+ auf mein kleines, subjektives Favoritenpodest: Best Laufschuh ever ever!

Lunaracer+ FaktenFarblich kommt der Schuh in einem ähnlichen Kampfneongelb daher, wie bereits der Victory+. Und so wird sich manch Läufer entweder neidisch den Kopf verrenken zwecks Begeisterung oder mit spontaner Magenentleerung reagieren zwecks Ablehnung. Gleich ist auch der Einsatz von Flywire geblieben, Nikes stabilitätsfördernder Nahtkonstruktion, die direkt im Material eingewebt ist und somit Gewicht spart. Damit verbunden ist auch eine engere Passform, die den Fuß sehr fest im Bett hält. Läufer, die es luftiger in ihren Tretern haben wollen, sollten den Schuh eine Nummer größer kaufen. Damit enden allerdings auch schon die Gemeinsamkeiten zum Victory+. Grundlegend neu ist das Sohlendesign. Hier setzt Nike nicht auf herkömmliche Materialen, sondern auf einen speziell entwickelten Schaumstoff aus der Raumfahrt oder der Formel 1 oder was weiß ich woher. Lunarlite wird das Material genannt und das besondere daran: Beim Auftritt soll die Energie nicht vollständig absorbiert, sondern größtenteils verlustfrei wieder zurück gegeben werden, was sich in einem trampolinartigen Effekt bemerkbar macht. Das klappt in der Praxis sogar ganz gut und entpuppt sich nicht als bloßes Marketinggewäsch. Man geht im Lunaracer+ ein wenig wie auf Marshmallows, allerdings versumpft man darin nicht, sondern wird angenehm zurück gefedert. Wie viele gelaufene Kilometer dieser Effekt anhält, wird sich erst noch zeigen müssen. Und was Nike mit dem Schaumstoff anstellt, um diese Eigenschaft zu erreichen bleibt Geheimsache. Kevin Hoffer aus der Nike Innovationsküche nuschelt in diesem Produktvideo zwar etwas von “we turn the road into a bed of feathers” in die Kamera, aber ich sag nur: Fuck you, it’s magic! Darüber hinaus ist dieser Schaumstoff besonders leicht, was dem Schuh zusätzliches Gewicht erspart. Mit 156 Gramm ist er ein absolutes Leichtgewicht, das man am Fuß kaum fühlt. Während des Laufens blickte ich öfters verunsichert an mir herab um zu prüfen, ob ich überhaupt Schuhe trage oder nicht doch barfuß durch die Tundra hoppse.

DruckstelleDie Form des Fersenbereichs ist anders konzipiert als beim Victory+ und verleiht dem Fuß beim Lunaracer+ dort etwas weniger Halt. Das ist allerdings überhaupt nicht störend, eher im Gegenteil. Der Schaft an der Achillessehne ist weicher und schließt weiter unten ab, was zur Folge hat, dass man sich im Vergleich zum Victory+ hier keine blutigen Sehnen holt. Hier scheinen die Designer wenigstens einmal selbst in ihre Schuhe geschlüpft und ein paar Runden um den Block gelaufen zu sein. Toll. Als Innovations-i-Tüpfelchen darf die Unterstützung für Nike+-Sensoren nicht fehlen, von dessen System es demnächst hoffentlich bald eine überarbeitete Version des Sportbands geben wird. Punktabzug gibt es für den in das Material eingearbeiteten Rahmen im Mittel- und Vorderfußbereich, der die Stabilität fördern soll. Genau an dieser Stelle liegt mein kleiner Zeh an und das drückte bei den ersten Läufen etwas unangenehm, aber nicht störend und mittlerweile gar nicht mehr. Ausserdem fiel mir auf, dass das hightechige Oberschuhmaterial die Feuchtigkeit nicht besonders gut abtransportiert. Das hatte zur Folge, dass sich nach zwei längeren Läufen von jeweils 16 Kilometern Schwitzwasser im Schuh ansammelte. Lags an den falschen Socken, am Wetter oder an dem Whiskey, den ich vorm Laufen trank: Es störte nicht, nichtmal olfaktorisch (meine Füße riechen eh immer nach Rosenwasser). Nur die Sohle begann langsam zu quietschen und ja, wäre ich noch mal zehn Kilometer weiter gelaufen, vielleicht hätte ich dann langsam Probleme bekommen. Also, die Schuhe sind bei mir noch nicht Marathon-erprobt.

Pro:

  • Design
  • irre leicht
  • schnell
  • sehr bequem
  • keine blutigen Achillessehnen
  • Material gut abwaschbar

Contra:

  • Design
  • Schweißbildung durch dichtes Oberschuhmaterial
  • innerer Rahmen drückt Anfangs auf kleinen Zeh
  • leuchten nicht im Dunkeln

Fazit:
Ich mag meine Lunaracer+. Ein verdammt schneller und leichter Wettkampfschuh für Mittel- aber auch Langdistanzen, ohne viel Schnickschnack und so unglaublich bequem, dass ich mir weitere Worte spare und euch empfehle, ihn einfach mal anzuprobieren. Wer die Farbe nicht abhaben kann, für den wirds demnächst eine überarbeitete Version in schwarz geben.

Wertung: 5/5 Sternen
★★★★★

So, und weil dieser kleine verlauste Beitrag hier nur knapp am Bildzeitungsniveau vorbeischrammt, folgt nun ein Foto Video mit großen Brüsten. Das habt ihr jetzt davon.

Autor: Sebastian

Eminenter Tastenhengst und obskurer Magnet. "Ich brauche einen Schornsteinfeger, einen Feuerleger und einen Beschwerdebriefbeschwerer. Mondäne Dämonen..." »weiterlesen

5 Kommentare

  1. Pingback: Im Test: Nike Zoom Victory+ | Himmelende

  2. Ich fand deinen Beitrag wirklich informativ und sehr angenehm beziehungsweise lustig zu lesen. Nach diesem Bericht werde ich mir auf jeden Fall den Lunaracer zulegen, da ich seit Langem schon ein Problem mit meinen Laufschuhen habe und mir die Füße nach kurzer Zeit bereits weh tun. Ein Gefühl wie auf Marshmallows zu laufen hört sich da doch weitaus angenehmer an :) Die Tatsache, dass der Schuh nicht im Dunkeln leuchtet werde ich wahrscheinlich auch noch irgendwie überleben. Im Ernst: Allem Anschein nach handelt es sich hier um einen hervorragenden Schuh, welchen meine gepeinigten Füße schon bald zur Belohnung bekommen.

  3. Danke für den toll geschriebenen Test. Leider habe ich mir vor einigen Wochen die Nike Elite als 2tes Paar geholt und die nächste Anschaffung wird erst in einigen Monaten anstehen – aber dann werde ich die Lunaracer auf jeden Fall auch mal antesten.

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