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	<title>Himmelende &#187; drogen</title>
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	<description>Everything will be okay in the end. If it’s not okay, it’s not the end.</description>
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		<title>Auf der Nachtseite der Vernunft</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 10:14:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stories]]></category>
		<category><![CDATA[bewusstsein]]></category>
		<category><![CDATA[drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: Der Freund Alle Tugenden und alle Laster haben Phasen des Niedergangs, beschrieben in höflicher Regelmäßigkeit! Montag Und er kam an und war hier. Der Schatten Bewusstsein schlich langsam hinterher, kroch nur zögerlich in seinen Körper. Eine 140 Pfund belebte &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/07/24/auf-der-nachtseite-der-vernunft/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Oder: Der Freund</h2>
<p><em>Alle Tugenden und alle Laster haben Phasen des Niedergangs, beschrieben in höflicher Regelmäßigkeit!</em></p>
<h3>Montag</h3>
<p>Und er kam an und war hier. Der Schatten Bewusstsein schlich langsam hinterher, kroch nur zögerlich in seinen Körper. Eine 140 Pfund belebte Masse saß nun am Tisch: Brot kauend, trocken schluckend. Der Geschmack des Brotes war leer, für ihn war es Brot, keine Frage, das sah er, das fühlte er, er fühlte den Glauben, dass er es sah; ein Biss hinein, Geschmacksknospen im Mund der 140 Pfund belebten Masse reagierten auf die Chemie, Enzyme flossen, Synapsen zuckten und dennoch war der Geschmack des Brotes leer, der Geschmack des Brotes hatte keine Bedeutung, er hätte auch einen Haufen zerschnipseltes Altpapier fressen können, hätte keinen Unterschied gemacht, was im Oberstübchen ankam wäre nichts anderes gewesen. Der Geist zuckte gefangen in einer Hülse aus Sehnen und Muskeln. Aussen eine verblasste Monade mit weit aufgerissene Bullenaugen; ein Tier saß dort am Küchentisch, erschrocken, jedoch in sich fließend, gleichmäßig im Strom.<br />
&#8220;Heute keinen Alkohol mehr, ich schwörs.&#8221;</p>
<p><span id="more-4785"></span></p>
<h3>Davor</h3>
<p>Er hatte nicht mehr daran gedacht seit seiner Rückkehr. Greystroke hatte nicht mehr an das Päckchen weissen Wahnsinns gedacht seit diesem Wochenende, zwei Tage voller zwiespältiger Momente, halbseidener Augenblicke, zwei Tage der Furcht und Abscheu; zwei Tage der Unruhe, innerer Zerwürfnisse. Aber auch zwei Tage leben im bunten Gedankenkartenhaus. Geilheit, Hingabe, Aufgabe. Er war auf der Straße unterwegs gewesen, in flux, zwei Tage auf verrückten Wegen zwischen Shangri-La und Nirgendwo. Er war an einem Ort im Morgen angelangt, an dem man auf die guten Versprechen von gestern wartet. Und es dauerte nach diesem Wochenende ganze zwei Tage, bis er wieder zurückkehrte, sich selbst erreichte und seinen Verstand wieder einfing. Wie ein entkommener Luftballon, der allmählich sein Helium verlor und nun langsam zu Boden sank, nachdem er tagelang für die Kinderhand unerreichbar baumelnd unter der Zimmerdecke hing.</p>
<p>Greystroke atmete ein und erschrak, als es an der Türe klopfte und er sein Bewusstsein hereinbat, es sah fürchterlich abgehalftert aus, mit dicken Tränensäcken unter den Augen, rotentzundenen Lidrändern, aber es hatte nach Hause gefunden; er eine in Leitungswasser gelöste Magnesiumtablette trank, ins Bad ging und sich einen runterholte, bevor er auf seiner Matratze einschlief. Segensreich, ein wenig irritiert über die Vorkommnisse aber zu schlaftrunken für Hysterie. Und seine Augen schwerer wurden, die Welt um ihn herum in blassmüdes Lachen versank und er in die schwarze Leere eines Traums fiel, der in der Erinnerung weder Weisung noch Deutung offenbarte.</p>
<p>Er hatte nicht mehr daran gedacht, an das Päckchen, und nun stand er hier, hielt es gegen das Licht, die afghanischen Bauern, es rieselte, haarfeine Linien, sein Atem zog es in die Stirnhöle, es schmeckte widerlich. Hinten im Gaumen, weit drunten im Rachen. Taubheit kroch aus seiner Kehle empohr und legte sich langsam um sein Gehirn. Was war an diesem Wochenende bloß los gewesen? Das letzte, an das er sich erinnerte, war eine fixe Idee, gesponnen vor ein paar Tagen. Er wusste nicht mehr, wo und wann er sie gedacht oder gesagt hatte, sie kam ihm in diesem Augenblick allerdings so bedeutsam vor, dass er sich angestrengt für fünf Minuten zusammennahm und sich immer wieder daran erinnerte, sich daran zu erinnern: Ein Snickers als nach Schokolade gierender Beifahrer für den Fahrer öffnen zu müssen und nicht essen zu dürfen, noch nicht mal daran denken dürfen zu beissen, ist in etwa so wie die Pussy der Freundin seines besten Freundes zu rasieren und dann nach Hause zu schicken.<br />
&#8220;Na, übertreib mal nicht, Jeronimo.&#8221;<br />
Dann wirkte das Meskalin.</p>
<p>Nichts war geblieben von seinen Vorsätzen, alles Gute war erlöst. Gerade eben noch bewaffnet mit genügend kritischer Ratio, segelten seine Gedanken nun hinaus in ein zerworfenes Land der verklärten Halbundhalbwahrheiten, es fiel ihm zunehmend schwerer sich zu fassen und die Erlebnisse um ihn herum zu einem stimmigen Destillat der Bedeutungen zu verdichten. Allüberall Läuterung. Greystroke war sich dessen zwar nicht bewusst, aber er ging eine unheimliche Allianz mit dem Utopismus ein. Sein Positionssatellit kreiste von nun an auf der anderen Seite seiner Welt, der Nachtseite der Vernunft und das machte eine genaue Lagebestimmung unmöglich.</p>
<p>Irgendwann in den letzten Tagen stand er auf einer selten antriebslosen Party, gut positioniert zwischen Schnittchen und dem Kühlschrank mit den Getränken, wo er eigentlich immer auf Parties stand. Er trank, vieles, schnell, durcheinander, aber ihm wurde nicht schlecht, dazu war er viel zu besoffen. Er trank schon wieder viel zu viel. Eigentlich trinkt er ja keinen Alkohol mehr. Aber manchmal muss man trinken, um das Nicht-Trinken nicht überhand nehmen zu lassen. Greystroke beobachtete die Szenerien die sich ergeben, wenn betrunkene Frauen und betrunkene Männer versuchen, vordergründig miteinander verbal zu kommunizieren, obwohl sich unterbewußt bereits alle fragen &#8211; und vielleicht längst schon stillschweigend miteinander vereinbart haben &#8211; wer wann mit wem fickt. Er unterhielt sich mit dem Freund, das Gespräch führte hin zu Drogen, &#8220;I don&#8217;t like drugs but the drugs like me&#8221;, am nächsten Tag wollte der Freund losfahren und diesen Beutel weissen Wahnsinns kaufen. Greystroke hatte keine Ahnung, er hatte keine Erfahrung, aber tausendfache Neugierde im Hirn, lehnte zunächst ab, hinten im Kopf lief jedoch schon eine ganz andere Aufführung. Er sagte für die morgige Unternehmung zu, &#8220;man müsse ja schließlich sehen, wo man bleibt und dass man nicht rittlings vom Gaul fällt, wenn man ihn peitscht&#8221;, aber eigentlich sagte er das gar nicht. Nur die Muskeln seines Unterkiefers bewegten sich, das Zwerchfell kontrahierte und expandierte und die Lunge presste Luft über die Läppchen seiner Stimmbänder, die zu schwingen begannen und dem Atem, der von den Lippen geformt aus dem Körper herausströmte so etwas wie den Eindruck von einem menschlichen Laut verliehen.</p>
<p>Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte Greystroke das nicht gedacht, was er sagte, sein Blick war ganz von der Frau erfüllt, die schon eine ganze Weile allein ein paar Meter von ihm entfernt stand. Durch das weisse Abendkleid zeichneten sich die Schatten ihrer Hüftknochen, ihr Leib schien so weiblich prall durch den Stoff, Greystroke war gebannt, er konnte nicht anders als hinzusehen. Diese Frau erotisierte ihn, ihr Äusseres erfüllte voll und ganz die visuelle Pflicht eines Symbols. Angefacht vom leibhaftig gewordenem Reiz ihrer schönen Seele schrie sein Verstand nach Entgrenzung und er öffnete seinen Geist und wollte sich mit allen Dingen um ihn herum vereinigen. Das Elektronengewitter in seinem Gehirn wollte durch die Schale ausbrechen, und sich in die Materie, die pulsierenden zitternden Protonen und Elektronen, die Quarks und Strings und Anti-Teilchen hinüberretten, mit ihnen zu tanzen beginnen und sie durchdringen. Und in diesem Augenblick, in diesem einen kurzen Moment zerfiel die Ahnung und der gute Glaube daran, welche Kräfte uns im Innersten zusammenhielten, und Greystroke ließ davon ab zu verstehen. Seine Ahnung zerbarst wie eine dicke Scheibe Eis, die man aus dem gefrorenen Wasser eines nahen Teiches herausgebrochen hatte, in deren Struktur, gegen das Licht gehalten sich die Strahlen der Sonne prismenhaft rotgrünblau brachen. Der gute Glaube an die Sinnhaftigkeit aus dem Innersten aller Dinge zersprang wie eben dieses Stück gefrorener Wassermoleküle, die in ihrer Gitterstruktur gerade noch gefangen waren, nun auf den Boden aufschlugen und rohe mechanische Kräfte ihren eingegangenen Verbund, ihr molekulares Aneinanderkauern zerstörten.</p>
<p>Greystroke bewegte sich, ohne es bestimmt zu haben auf die Frau zu, ließ die Gesellschaft zurück, in deren Mitte er gerade noch stand und zuhörte, wie die anderen sich unerhörte Nettigkeiten und Banalitätsblabla an den Kopf warfen. Als er dann vor ihr stand, war er entwaffnet. Sie betrachtete ihn einem warmen, gütigen Blick. Zwei Eiswürfel klimperten in ihrem Cocktailglas. In diesem Augenblick zerfloss Greystroke, er war nicht imstande eine sinnvolle Unterhaltung zu beginnen. In seinem Kopf nur unbearbeitetes, weites Land, eine wortkarge Gedankbrache. Und Greystroke fiel nichts besseres ein, als ihr seine Visitenkarte zu geben, die er mit zwei Fingern aus der Tasche seines Jacketts fingerte. &#8220;William C. Greystroke, Meinungsbildung und Wirklichkeitsprüfung&#8221;, stand darauf. Aber sie fand es absurd und legte die Karte beiläufig zurück in seine Hand. Mit dem Lächeln antiker Marmorfiguren, das alle Geheimnisse und Abgründe dieser Welt in sich bergen und deren innerer Spott, aus ihrer unverrückbaren Bewegungslosigkeit heraus niemals etwas erklären zu müssen, betrachtete sie ihn. Greystroke drehte die Karte um, er war ganz ruhig, als er seinen Kugelschreiber aus dem Revers nahm und ein Wort auf das Stück Papier schrieb, um seine Gedanken in ein Linienkorsett zu zwingen. Ein Wort, das er schon oft benutzt hatte. Es war nämlich ein gutes Wort. Und warum sollte er gute Wörter nicht noch einmal, in anderen Zusammenhängen gebrauchen? Sie werden ja von ihrer nochmaligen Verwendung nicht schlecht, eher aufgrund ihres vermehrten Einsatzes höchstens blass und farblos. Trotzdem verlieren sie nichts von ihrer Richtigkeit, höchstens von ihrer Intensität. Als er fertig war und der Frau die so beschriebene Visitenkarte zeigte, waren sie die beiden einzigen Menschen auf dieser Welt, die von diesem Wort und seiner guten Richtigkeit wussten. An diesem Abend schliefen sie miteinander. Es war beiläufiger, bedeutungsloser Sex.</p>
<p>Am nächsten Morgen verließ Greystroke sehr früh das Appartement. Sie schlief noch, als er sich langsam anzog. Auf ihrem Schreibtisch lag Dostojewskis &#8220;Aufzeichnungen aus einem Kellerloch&#8221;. Dahinter gab das große Panoramafenster den Blick auf die saumselige Stadt frei. Auf einem Stuhl neben dem Schreibtisch lag das weisse Kleid von gestern, dass ihren Körper so wunderbar in Schemen hüllte. &#8220;And what costume shall the poor girl wear?&#8221; Und Greystroke summte ein Loblied, gerichtet an alle zukünftigen Parties. Er öffnete die Wohnungstüre und blickte noch einmal nach ihr. Dort lag sie, hingegossen einer Göttin gleich. Er trat aus der Wohnung und aus ihrem Leben. Als die Türe des Appartements leise hinter ihm zufiel, waren nur ein Abdruck in der Matratze und ein zerwühltes und aufgetürmtes Bettdeckengebirge die einzigen Zeugen ihrer nächtlichen Obsession und verbliebenen Beweise seiner Anwesenheit. Nach dieser Nacht sah Greystroke die Frau nie wieder.</p>
<p>Der Boden auf dem Gang ihres Stockwerks war purpurn. Weichverspieltes Purpur, das ihn an den Füßen kitzelte und umschmeichelte &#8211; er bemerkte, dass er keine Schuhe trug aber das war ihm egal; das ihn zärtlich festhielt und lockte, in ein samtenes purpurnes Grab, dass das dringende Verlangen in ihm weckte, sich hinlegen zu müssen. Es war noch früh am Morgen, als er auf die Straße trat und sich mitten in einer Gruppe Kindergartenkinder wiederfand, die zu einem Ausflug ihren Aufpasserinnen Hand in Hand auf dem Bürgersteig hinterhertrippelten und ihn ungläubig mit großen Augen musterten. Die Stadt erwachte langsam, sie reckte und streckte sich, alles brodelte und bebte, wuselte und war in heller Aufruhr. Und doch lag die Stadt noch jung und verspielt darnieder, wummerte und brummte, kläffte noch schlaftrunken, überall erste Schatten von Bewegungen, ruckartige, geckohafte, von der Nachtkälte halbgelähmte Bewegungen, wie eine eingeschlafene, taube Hand, die noch nicht so recht reagiert und fühlt. Irgendwie kam Greystroke jetzt auf den Trichter, entweder panisch zu werden oder die Zeit loszulassen. Er entschied weder für das eine, noch für das andere, packte den ersten unberührten Morgengedanken, der aus der nächtlichen Katharsis empordämmerte und ging Richtung U-Bahn. Die Worte des Freundes lagen noch in seinen Ohren, einer wachküssenden Bewusstseinsoffenbahrung gleich: &#8220;Diese Stadt kriegt uns noch, sie steckt uns tief in den Knochen. Wir können von Glück reden, wenn wir an einem Stück hier raus kommen.&#8221; Und Greystroke entschied sich, die Stadt so schnell als möglich zu verlassen.</p>
<p>Sein Weg durch die Stadt teilte sich. Der eine glitt weiter an der Häuserschlucht aus Beton entlang, der andere deutete auf einen Eingang. Goldene Bögen taten sich vor ihm auf und der Weg, der sich unter ihren parabelförmigen Neonkonturen hindurchschlängelte, war der Weg zum global kulinarischen Uniformitätsgeschmack. Dieser Weg führte hin zum Elysium des Konsensgenuss: McDonalds. Gedanken an Lebensmittelzusatzstoffe und Geschmacksdesign ratterten durch sein Gehirn, während er durch Redesign-Deutschland Berlin Mitte pilgerte. Hier verloren sich die exakten Formen, eine pogende architektonische Stilvielfalt sprang auf und ab. Der gesittete Charakter mag es als rüpelhaft empfinden; für Greystroke war jedoch einzig die Überzeugung wichtig, in diesem Konstrukt genau die richtige Geschwindigkeit, den richtigen Lebensmodus zu finden, den ihm diese Stadt anbot. Fassaden aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, das zerstörte Kriegs-Berlin, das Berlin der knapp 30-jährigen Trennung, die das soziale Geflecht zerteilte und auf beiden Seiten eine unterschiedliche Architektur entstehen ließ. West- und Ostberliner Wahrheiten. Und dann das Berlin nach der Wiedervereinigung, wo Glasfassaden und Stahlträger überall aus dem Boden wucherten und Redesign-Deutschland in den späten 90ern des letzten Jahrtausends entstand. Und all das ergab zusammen ein faszinierendes Ganzes, diese Welt war zusammengebaut und die lässige, desillusionierende Art, mit der sie erst gar nicht versuchte, diesen Zustand zu verheimlichen machte die Stadt eigentlich erst richtig attraktiv. Man fühlte überall, dass sie nur ein großer, phantastischer Entwurf war. Ein Flickenteppich der Träume der Menschen, dessen grob gestickte Nähte mancherorts unkaschiert hervorquollen.</p>
<h3>Raus</h3>
<p>Greystroke schleppte schwer. Er trug jedes Verbrechen in sich. Er war nur ein weiterer verlauster, höllisch smarter Junge, der wie so viele verzährtelte Vorstadt-Huschen in den Sturzbächen aus Schlamm und Laub, Verrat und Illusion aus der großen Stadt gespühlt wurde; in den Rinnsalen geschliffen, hinausgeschwappt ins Vorstadt-Utopia, in die Zonen und Bereiche, wo suburbaner Lebensstandard und das ewig für Morgen versprochene Glück auf ein erfülltes Leben in Reue und Demut im Abziehbild-Universum die Torkelnden und Irrlichter anzog; die wie vom Kurs abgelenkte Meteoriten in den Kleinstadtgeist einschlugen. Und die Gräben und Löcher in den Vorgärten der Orientierten waren groß und tief. Und die Verwirrung der Orientierten war groß, denn diese smarten Jungs hatten nichts besseres zu tun, als aus ihren Löchern hervorzukriechen und mit Pauken und Trompeten den verzweifelten Ausdruck ihrer Seelen lautstark über die Zäune der Vorgärten zu bellen.<br />
Die Hunde wurden nervös.<br />
Ein Mofa quälte sich blechernd keuchend den Berg hinauf, als ihm der Freund lachend entgegen kam.</p>
<p>&#8220;Hast du des schönen Traums nicht gleich gelacht, Jeronimo?&#8221;<br />
In den frühen Strahlen der Sommersonne schimmerten die langen braunen Strähnen im Gesicht des Freundes rotgolden. Er war nicht sehr groß, eine Statur, die mithin schnell übersehen wird, gut gekleidet, unauffällig und dennoch strahlte er eine besondere Erhabenheit aus. Schweißperlen drückten sich durch die Poren auf Greystrokes Stirn, nicht aus Nervosität oder aus klimatischen Gründen, sondern von den Dingen in seinem Körper, die dort eigentlich nicht hingehörten. Der Freund musterte ihn aufmerksam, griff dann reflexartig in seinen schwarzen Rucksack und holte ein kaltes Bier hervor, während die Passanten des kleinen Vorstädtchens sie betrachteten, als seien sie Aliens.<br />
&#8220;Hier, nimm erst mal ein Alibi-Bier, dann fällst du nicht so auf.&#8221;<br />
&#8220;Sag mal,&#8221; begann Greystroke langsam zu sprechen, während er in seiner Hosentasche nach einem Feuerzeug suchte, &#8220;es gibt doch immer jemanden am Ende einer guten Geschichte der pfeift und sagt, man soll vom Baum runterkommen, nicht auf der Wiese spielen, nicht mit dem Essen spielen, nicht mit den Mädchen spielen und ähnliches. Ja? Und man macht es trotzdem und wird verprügelt, kriegt richtig eins auf die Fresse, weißt du, was ich mein? Und liegt mit blutender Nase dann im Dreck. Das vergisst man nicht.&#8221; Der Freund musterte ihn skeptisch.<br />
&#8220;Was hamse denn dir angetan? Ist dir ein Omnibus über die Latschen gefahren?&#8221;<br />
&#8220;Nichts. Niemand.&#8221;, antwortete Greystroke, der ein blaues big-Feuerzeug aus der Hosentasche zog und eine Zigarette anzündete, während er mit der anderen Hand die Flamme vor dem Wind abschirmte. Ein warmer Frühlingswind, der die süßduftenden Verheissungen eines werdenden Sommers bereits mit sich trug.<br />
&#8220;Nichts.&#8221;, wiederholte er gelassen. &#8220;Hab gestern Nacht mit einer geschlafen. War hübsch, so warm und weich. Hat mich verdammt an sie erinnert. Eigentlich&#8230;&#8221;, Greystroke schnaubte eine Rauchwolke aus der Nase, legte den Kopf in den Nacken und blinzelte in die Sonne. &#8220;Na, eigentlich wollte ich mich nicht mehr an sie erinnern.&#8221;<br />
Zeit heilt nicht alle Wunden. Welch fundamentale Fehlannahme. Zeit ist Lethe, sie lässt vergessen, aber sie heilt nicht. Und so bleiben Wunden und eitrige Krusten und Narben. Sie schmerzen erneut, wenn man sie betastet. Wenn sie jucken und man sie wieder aufkratzt, bis die Finger blutig sind. Er sagte das nicht, aber dem Freund war klar, dass er das dachte. Greystroke zupfte etwas mutlos an fransigen Erinnerungsfetzen, bis er genug davon hatte und sich zur Straße herumdrehte, die sich durch das Mittelstandsidyll den Berg hinabschlängelte und aus der Ortschaft hinausführte.<br />
&#8220;Komm, gehen wir in die Natur. Ich versuch eh schon wieder viel zu lange bei Bewusstsein zu bleiben. Hast du&#8217;s dabei?&#8221;<br />
&#8220;Nein.&#8221; sagte der Freund. &#8220;Aber er hats zuhause gebunkert. Lass uns kurz bei ihm vorbeischauen.&#8221;</p>
<p>Während sie gingen, unterhielten sie sich angeregt und der Freund fuchtelte wild herum.<br />
&#8220;Ach, glaub nicht an den Hype.&#8221; In seiner Gestik war er wie immer. Manche Dinge ändern sich nie. Manche Dinge sollten sich auch ganz einfach nie ändern. Greystroke schmunzelte, während der Freund enthusiastisch weitererzählte. &#8220;Was viel interessanter ist: Wusstest du, dass immer mehr Menschen ihr Handy mit ins Grab nehmen? Ich meine, was erwarten die? Sind die bescheuert?! Haben die Angst was zu verpassen? Himmel, sie sind tot!&#8221; Einen kurzen Augenblick zögerte er, blickte sich um und fuhr sich mit dem Finger über die Lippen.<br />
&#8220;Überlegt dir mal, was für einen bekackten Eindruck wir hinterlassen. Was denken die sich in der Zukunft, die unsere Gräber ausbuddeln? Neben Knochen und Sargnägeln finden die dann Silikon und Titan, künstliche Hüftgelenke, Dreck, radioaktiver Schleim und Mikrochips. Alles Artefakte einer vergessenen Generation, unserer fucking Generation und kein Schwein kann sich mehr an sie erinnern, weil sie all ihre Geschichten und Träume auf diesen Chips speicherten. Und mit denen kann dann niemand mehr was anfangen.&#8221; Sie bogen in die nächste Straße ein, gingen an einer Reihe ordentlicher Einfamilienhäuser vorbei. Frisch gestrichene Zäune, auf ein paar Millimeter perfekt getrimmte Rasen und bunte Glaskugeln, Statuen und kleine Windräder in den Vorgärten. Diese Welt war so echt und so plastikhaft, wie eben eine Welt sein kann, die sich ihrer Glanz von aussen holt und die ihr innewohnenden Werte unter einer Schicht aus Autohochglanzwachs und Kunstrasen begräbt, bepudert und bestäubt mit IKEA-Ideologie. In der Einfahrt eines Hauses, das durch besonders sterile Ordentlichkeit hervorstach, stand eine Ansammlung von Menschen, an die dreissig Personen, vielleicht benachbarte Familien. Athletische Figuren, allesamt in kurzen weißen Hosen und weißen Poloshirts gekleidet, was äußerst sonderbar aussah. Eigentlich hätte die Szenerie ein Zeichen von Leben in dieser sonst unbelebt wirkenden Gegend sein können. Und doch sah es so wenig nach Leben aus, wie eine Seite aus dem Quelle-Katalog.</p>
<p>&#8220;Und was ist das hier? Eine Sekte?&#8221; Greystroke blieb stehen und drehte sich zu dem Freund um, der ein paar Meter hinter ihm stehen geblieben war und laut zu reden begann. Er wusste, was jetzt kommen würde und versuchte den Freund zu beruhigen.<br />
&#8220;Scheiss auf die! Das sind doch eh alles bloß Wichser!&#8221;<br />
&#8220;Nein nein, schau sie dir an. Schau sie dir gut an! Diese diätgedörrten Fashion-Victims, diese&#8230; diese aufgestylten Popidealisten.&#8221; Der Freund redete sich nur richtig in Rage. &#8220;Schau sie dir bloß an, diese hochqualifizierten Egoisten, wie sie alle rumtun, alle so beschissen Eloquent. Was für abgewirtschaftete Daseinszustände. Mann Mann, die sind so erbärmlich, da tun sich mir Abgründe auf. Sie machen alle so auf heilig und scheren sich einen Dreck darum, welche Orgien ihre Kindern feiern.&#8221; Greystroke blickte etwas verlegen über die harschen Worte des Freundes mit einem leicht dümmlichen, unschuldigen Grinsen hinüber zu der Ansammlung. Eine Mimikry peinlicher Berührung, die vornherein um Verzeihung bat. Nur für den Fall, dass jemand die lautstarke Entgleisung mitbekommen hätte. Allerdings hatte das niemand und so verstand wohl auch keiner Greystrokes seltsame Grimasse.</p>
<h3>Lichtung</h3>
<p>Wenig später waren sie da. Der Freund verschwand in einem Haus, das wie jedes andere aussah und es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder herauskam.<br />
&#8220;Ich habs, gehen wir.&#8221; Dabei klopfte er grinsend auf seine Tasche. Sie verließen die Ortschaft und wanderten umher. Über weite Wiesen, vorbei an den groben Erdschollen der Äcker, über denen ein schwerer lehmiger Geruch lag, vorbei an einem See und durch ein Waldstück. Als sie nach ein paar Stunden eine Lichtung fanden, ließen sie sich dort nieder und nahmen das Meskalin. Greystroke lag auf dem Rücken, er beobachtete den Himmel und glaubte die Kälte des Alls zu fühlen, die sich langsam wie Spinnweben auf sein Gesicht legte. Stacheln eines Brombeerstrauches, auf dem er lag stachen durch seine Hose in das Fleisch, aber er blieb ruhig und ignorierte die Stiche, die Bisse der Natur. Stattdessen war er so erfüllt vom Gefühl des Sieges des Erhabenen über das Profane, von der kalten Blautiefe des Alls in diesem bedeutungsschweren Moment.<br />
&#8220;Weißt du was? Ich hab Lust auf ein Glas Whiskey mit Eis.&#8221; Der Freund stand abseits irgendwo in der Nähe. Greystroke konnte ihn nur noch aus dem Augenwinkel sehen. Er richtete sich auf und klopfte den Dreck von seinem Hemd.<br />
&#8220;Ich auch. Fahren wir zu dir.&#8221; Während der Autofahrt bekam Greystroke unheimliche Lust auf Schokolade. Er wusste noch, wie er ein Snickers öffnete, während der Freund fuhr. Dann wurde alles anders.</p>
<p>In dieser Nacht zu Montag, da saßen sie ohne Glanz und Helligkeit, nur im Schein des Kerzenlichts, dessen ätherisch strahlender Flammenkegel wie ein Dämon um den weißglühenden Docht herumtänzelte; der an seiner gleissenden Spitze leckte und ruhigmahnend vom Wachsleuchtturm aus einen blassen Schein, einen Schimmer Licht über die Tischkante in den Raum seufzte. Im Appartementhaus war es ruhig und an der Wand neben einem Poster von Richard Nixon zappelten die Schattenkonturen eines Apfels, einer Kiwi und zweier Orangen nervös auf und ab. Nixon nahm auf dem Bild Anlauf, um eine Bowlingkugel auf ihre Bahn zu schicken. Die müde Dunkelheit des Zimmers lag auf allem, auf dem Papier und den Zeilen des Artikels, an dem er gerade saß; es machte das Arbeiten schwer, das Schreiben, das Denken; wie ein berauscht betrunkenes Kummerraunen gähnte die Dämmrigkeit die kristallene Klarheit eines jeden Gedanken hinweg; ließ ihn in Selbstzweifel zurück. Nur die Orangenkonturen, die Apfelschattenspiele, bowling Dick und der Freund blieben wahr, während der flackernde Feuerkegel immer noch sein schrecklich friedvolles Hoffnungsglimmen in das andere Nichts des Appartements strahlte. Es lag etwas von Ungeduld in dieser Situation, das Aggregat des Kühlschranks sprang an, Luftbläschen in den Röhren der Kühlflüssigkeit zischten.<br />
Und hinter dem Fenster, draussen in der Nacht, bernsteinfarbenes Leuchten über der Stadt, der Widerschein der Straßenlichter, die von graugrimmig drohenden Wolken reflektiert wurden. Eine vom Sturm zerzauste Nacht lag wie eine Glocke über der Stadt, von ihrem höchsten Punkt, tausendfach blassweisses Halogenleuchten, bis hinab zum tiefen, Unheil verkündenden Schwarz am Horizont, hinter der Stadtgrenze. Wie eine Wand stand die Nacht vor der Stadt und der Himmel war verhangen und keine Sterne zu sehen. Denn die Sterne waren heute allesamt auf dem Boden; die Sterne waren heute hier unten, die Fenster und Lampen der Stadt und über allem hing eine Ahnung vom drohenden Untergang.</p>
<p>Sie diskutierten noch lange. Greystroke machte sich Vorwürfe, nicht an seinen Texten weitergearbeitet zu haben, sein Redakteur würde mal wieder toben. Und er erschrak zugleich über den Grad der Angepasstheit und der Hingabe zur Ordnungsliebe, beruhigte sich dann jedoch mit der Überzeugung, dass er in diesem Zustand keinen verantwortungsbewussten Arbeitstag hätte bestreiten können. Er und der Freund kamen zu dem Schluss, dass die Mäntel der Nazis doch irgendwie geil aussahen, da war die Nacht noch kaum herumgebracht, noch kaum ganz sanft umgebracht; und noch in das Morgenglühen hinein zitierten sie Kinski-Dialoge über dem Rand ihrer Whiskey-Gläser, während draussen die Penner der Stadt geheime Formeln über leere Flacons von Estée Lauder flüsterten. Sie befanden sich auf der Nachtseite der Vernunft, zwei ambitionierte Dilletanten, gekrönt mit doppeltem, mit dreifachem Irrsinn und so besoffen vom Glück, was versprachen da schon die Gedanken an ein gestriges Leben?</p>
<p>Am nächsten Morgen war der Freund weg. In dem eingespannten Blatt der Schreibmaschine stand nur ein Satz:<br />
&#8220;Jetzt keine Kapitulation vor den Schrecken der Dunkelheit!&#8221;</p>
<h3>Für und wider</h3>
<p>Was ist der Freund? Es gibt ihn nicht.<br />
Der Freund ist das, was in dir das Gute schätzt, der Wille nach einem tugendhaften Leben aber auch der Drang nach exzessiver Selbstaufgabe und Taumel. Er zeigt sich jedoch nie als Freund; nie werden es die dir vorteilhaft erscheinenden Seiten des Lebens sein, mit denen er dich von seinem Plan überzeugen will. Du kommst nur langsam dahinter, was er vorhat und bis du begreifst, dass du ihm eigentlich danke sagen solltest, siehst du nur noch seinen Rücken und wie er aus der Türe geht. Was vordergründig falsch und verwinkelt erschien, arrangierte er alles mit Bedacht und vorsichtig sortiert, so dass du dich an seinen Arrangements zwar stößt und strauchelst, aber niemals auf die Fresse fliegst. Der wahre Freund ist der, der geht, wenn du begreifst, dass er etwas gutes für dich getan hat.</p>
<p>Bevor Greystroke in dieses Wochenende stolperte, schrieb er ein paar Zeilen. Eine Lyrik, nichts bedeutendes. Und als er damit fertig war dachte er:<br />
&#8220;Gut, dass ich das noch geschrieben habe. Damit kann man wunderbar abschließen.&#8221; Er wäre ehrlich nicht verwundert gewesen, wenn er dieses Wochenende nicht überlebt hätte; wenn seine Hülse irgendwo gestrandet wäre und sich sein Geist daraus verflüchtigt hätte; er in einem einzigen, großen Zug des Ausatmens aus dem Körper herausgeglitten wäre. Aber er kam wieder an, Zeugnis dieser Zeilen. Und in diesen, das bleibt ohne Zweifel, so vieles unbearbeitet, das er erlebte. Es ist also durchaus nicht als eine willkürliche Aneinanderreihung von Symbolen zu verstehen, doch eher als die Darstellung einer mit Unvollkommenheit ummantelten Schilderung. Diese Worte sind lediglich ein grober Schatten seiner selbst, eine unscharf umrissene Kontur des Eigentlichen. Und so weiter.<br />
Uns verbrennt die Nacht.</p>
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		<title>Geschenke der Vergebung</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 10:09:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[It&#8217;s interesting that two drugs that are legal &#8211; alcohol and cigarettes &#8211; two drugs, that do absolutely… NOTHING for you whatsoever. And drugs that grow naturally upon this planet, drugs that open your eyes up to make you realize &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/01/28/geschenke-der-vergebung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>It&#8217;s interesting that two drugs that are legal &#8211; alcohol and cigarettes &#8211; two drugs, that do absolutely… NOTHING for you whatsoever. And drugs that grow naturally upon this planet, drugs that open your eyes up to make you realize how you being FUCKED every day of your life… those drugs are against the law. Wow! Coincidence? I don&#8217;t now.</p></blockquote>
<p>Bill Hicks in &#8220;<a href="http://circusriot.tumblr.com/post/357695344/its-interesting-that-two-drugs-that-are-legal">Gifts of Forgiveness</a>&#8220;, Rant in E-Minor</p>
<p>&#8230; danke Bill. Du warst der Beste.</p>
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		<title>Die unerhörte Gleichzeitgkeit des Seins</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 11:08:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das war&#8217;s. 2009 ist rum (endlich) und 2010 läuft noch nicht ganz flüssig. Derweil beglückt uns Zeit Online mit einem lesenswerten Rückblick auf fünf Symbole der Nullerjahre &#8211; &#8220;Die Requisiten des Jahrzehnts&#8220;, das Coffee-to-go-Prinzip und andere Zeichen der Entgrenzung: iPhone &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/01/06/die-unerhorte-gleichzeitgkeit-des-seins/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das war&#8217;s. 2009 ist rum (endlich) und 2010 läuft noch nicht ganz flüssig. Derweil beglückt uns Zeit Online mit einem lesenswerten Rückblick auf fünf Symbole der Nullerjahre &#8211; &#8220;<a href="http://www.zeit.de/2010/01/Requisiten-des-Jahrzehnts">Die Requisiten des Jahrzehnts</a>&#8220;, das Coffee-to-go-Prinzip und andere Zeichen der Entgrenzung:</p>
<ol>
<li>iPhone (Welt-Fernbedienung)</li>
<li>Ritalin (Konzentrationsförderungshilfe)</li>
<li>Porsche Cayenne (übermotorisierter Streitwagen)</li>
<li>Manufactum (Neue Bürgerlichkeit)</li>
</ol>
<blockquote><p>Das Coffee-to-go-Prinzip bedeutet: Alles ist mit allem vereinbar, alles kann überall geschehen. Das Sinfonieorchester im Ohr (MP3-Player), das Internet in der Hemdtasche (Smartphone), sitzen wir inmitten von Hochhäusern am Sandstrand (City-Beach) oder im tiefsten Winter unter freiem Himmel (Heizpilz) und erledigen in schönster Urlaubsstimmung (Cargo-Pants und Kapuzenpulli) unsere geschäftliche Korrespondenz (Laptop).</p></blockquote>
]]></content:encoded>
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		<title>Die Einsamkeit des Langstreckenläufers</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 09:34:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Run!“ Lauf! &#8211; Das ist unser Imperativ. Nike&#8217;s Werbeabteilung hats geschnallt, druckt den Befehl auf tausend mal tausend T-Shirts und fährt damit Milliardengewinne ein. Geschätzte Leser dieses Blogs, liebe Freunde der leichten Vorabendprogrammunterhaltung, ich lasse jetzt mal ein paar offenherzige &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/06/10/die-einsamkeit-des-langstreckenlaufers/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>„Run!“</h2>
<h3>Lauf! &#8211; Das ist unser Imperativ. Nike&#8217;s Werbeabteilung hats geschnallt, druckt den Befehl auf tausend mal tausend T-Shirts und fährt damit <a href="http://www32.wolframalpha.com/input/?i=nike+earnings">Milliardengewinne</a> ein.</h3>
<p>Geschätzte Leser dieses Blogs, liebe Freunde der leichten Vorabendprogrammunterhaltung, ich lasse jetzt mal ein paar offenherzige Worte vom Stapel zu meinem einzigen wirklichen Hobby: dem Laufen. (Die Himmelende-Groupies unter euch wissen bereits: Ich mag das Wort Joggen nicht besonders. Ehrlich gesagt, ich hasse es richtiggehend. Wenn es nach mir ginge würde das Wort aus dem Duden gestrichen werden. Sofern es denn dort überhaupt drinsteht. Na egal, jedenfalls heißt Joggen bei mir also Laufen. Basta!)</p>
<p>Während meine Beine einsame Runden durch den Münchner Westpark drehen, kreisen meine Gedanken &#8211; sofern sie denn überhaupt um etwas kreisen &#8211; um verschiedene Erkenntnisse, die mir beim Laufen mal eben so ins Gehirn purzeln; die mir in diesen Augenblicken so unglaublich wichtig erscheinen, dass ich sie unbedingt sofort aufschreiben will. Sofort! Wenn ich dann aber zuhause ankomme, sind diese Erkenntnisse meistens nicht mehr so unglaublich, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich auf dem Weg zurück die Hälfte vergessen habe. Was hier also nun steht, ist der Rest von dem ganzen Lauf-Erkenntnisscheiß. Wenn ihr euch darin wiederfindet (in den Erkenntnissen, nicht im Scheiß): schön für euch. Irgendwie haben wir Läufer ja eh alle den selben Riss in der Schüssel, insofern mag der eine oder andere Gedanke dem geneigten Leser nicht unbekannt sein.</p>
<p><strong>1. Das Laufen hat mir das Leben gerettet.</strong><br />
Tja, gleich der erste Gedankenfetzen und schon so ein Hammer-Ding. Das klingt fürchterlich pathetisch, stimmt aber einhundertprozentig. Mag sein, dass mich das Laufen vielleicht eines Tages selbst das Leben kostet (siehe nächster Punkt), weil ich zu schnell laufe und mich der Teufel holt oder zu weit links laufe und ein LKW mich plattwalzt oder zu tuntig laufe und mich so ein missglückter Dobermann-Dogge-Pitbull-Kreuzungsversuch verschluckt. Aber egal, fürs erste hat es mir das Leben gerettet.</p>
<p>Vor ein paar Jahren war ich nämlich fett, genervt, grantig und hochgradig depressiv. Latent unzufrieden mit mir und als ein Resultat daraus auch mit der Welt. Das wurde mit dem Laufen zwar nicht schlagartig besser, also nicht von heute auf morgen oder übermorgen; langsam aber sicher änderte sich jedoch die Chemie in meinem Gehirn. Dopamin, Serotonin, Endorphin, etc. &#8211; der ganze körpereigene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glückshormon">Glückshormon</a>-Drogencocktail schaffte und, toi toi toi, hält bis jetzt einen Pegel allgemeiner euphorischer Befindlichkeit. Als dann auch noch das Hüftgold begann dahinzuschmelzen und mir nach Jahren der Ablehnung endlich das gefiel, was ich im Spiegel sah, hatte ich das erste mal eine zarte Vorstellung von einem Gefühl des bei sich ankommens. Heute muss ich gar nicht mehr viel tun, nur ab und zu mal was Gutes (z.B. Straße kehren, Brösel aus dem Toaster fingern, Einkaufstüten alter Damen tragen, weinenden Kleinkindern zulächeln, auch wenn man Scheissschmerzen hat und einem die Ohren bluten). Und, meine Fresse: Das Universum liebt mich! Wir sind zwei ganz dicke Freunde geworden, ganz spezielle. Das ist manchmal schon so harmonisch, dass es zum Kotzen ist.</p>
<p><strong>2. Das Laufen hätte mich </strong><span style="text-decoration: line-through;"><strong>fast</strong></span><strong> </strong><span style="text-decoration: line-through;"><strong>knapp</strong></span><strong> </strong><span style="text-decoration: line-through;"><strong>bestimmt</strong></span><strong> irgendwann einmal das Leben gekostet.</strong><br />
Auch wenn ich gerade geschrieben habe, dass mir das Laufen fürs erste das Leben gerettet hat: es hätte mir auch schon ein paar mal das Leben gekostet. Einmal übersah ich knapp eine Trambahn, die mich ganz schön hübsch zermatscht hätte, machte aber in buchstäblich letzter Sekunde den entscheidenden Schritt von den Gleisen zurück. Ein andermal lief ich in ein Unwetter, nicht irgendeines, das war ein fucking Armageddon mit Hagel und Blitzen und herabstürzenden Ästen. Aber das sind alles andere Geschichten, aus denen ich stets mit einem blauen Auge davonkam. Oder einem blauen Knie oder etwas anderem blauen.</p>
<p>Ich lernte was es heißt, laufsüchtig zu sein und wie diese Sucht den Körper verzehren kann. Bei mir zeigte sich das in einem rapiden Gewichtsverlust. Der war zunächst nicht beabsichtigt, jedoch wurde der Drang danach, immer mehr Gewicht zu verlieren oder zumindest keines zuzunehmen, bald der wichtigste Grund für mein Hobby. Weniger Körpergewicht heißt weniger Kraftaufwand, da weniger Kilogramm mit rumzuschleppen sind, heißt schneller Laufen, heißt weiter Laufen, heißt bessere Zeiten und so weiter. Ausserdem fühlte es sich gut an, schlank zu sein und schnell; der Körper gespannt und sehnig, agil, kein Gramm Fett zu viel und immer auf dem Sprung. Permanent lag Energie an und ich stand die ganze Zeit unter Strom. Und irgendwann gefiel mir dieses ausgezehrte Gesicht im Spiegel, das nicht mehr nur hungrig nach Liebe aussah. Komisch, die Menschen in der dritten Welt wollen essen, aber können nicht und sind so unterernährt, das sie Blähbäuche bekommen und Skorbut und sie die Zähne verlieren und das Leben, als wäre es nichts. Und die Menschen unter der Sonne der ersten Welt können alles mögliche essen und wissen gar nicht, wohin zuerst, zu Wendys oder Subways oder Kentucky Fried Chicken aber sie verweigern und kasteien sich, bewusst, damit sie dünn und abgemagert und diätgedörrt aussehen, was nach ihren Standards als &#8220;schön&#8221; gilt. Schizophren, aber das ist auch ein <a href="http://12.media.tumblr.com/sdYsolKXXmizsc5ldRnMGlFOo1_500.jpg" rel="lightbox[2255]">anderes Thema</a>.</p>
<p>Als ich mit dem regelmäßigen Laufen anfing, wog ich 74 Kilo. Als meine Ma mir das erste mal sagte: &#8220;Junge, ich weiß zwar nicht, was du machst aber egal was es ist, hör auf damit, du siehst schlecht aus.&#8221;, da wog ich noch 56 Kilo. Das war nicht ganz elf Monate später. Man braucht keinen Body-Mass-Index-Rechner um zu blicken, dass ich knapp an der Grenze zur Unterernährung war. Ich aß in dieser Zeit gezielt wenig, ein Apfel oder ein Joghurt und vielleicht noch eine Handvoll Kürbiskerne am Tag und lief weiterhin meine 50 bis 60 Kilometer in der Woche, immer hart an der Grenze des Stoffwechsel- und Kreislaufkollaps. Das ging auf Dauer nicht gut, ich fühlte mich mehr und mehr ausgebrannt, statt durch das Laufen glücklich zu werden, wurde ich zunehmender depressiv, richtig aggressiv, wenn ich eine Zeit nicht unterbieten oder eine angepeilte Distanz nicht laufen konnte. Die wenig übrig gebliebenen Fettreserven fraß also der Ehrgeiz, dann war Schluss. Übelkeit, Kreislaufbeschwerden, Verdauungsprobleme, Unruhe und Rastlosigkeit, Hitzeanfälle, ich konnte mich nicht mehr richtig konzentrieren und zur Hölle, ich bekam manchmal sogar keinen mehr hoch. Diese Zeit war Raubbau am eigenen Körper, ein permanenter Stresszustand und wenn es einen günstigen Zeitpunkt geben sollte, sich dafür bei ihm zu entschuldigen, so mache ich das hier und jetzt: Entschuldigung, Körper! Das passiert nie wieder.</p>
<p>Dass ich, was meine ehemalige Sucht betrifft hier so offenherzig bin, hat nichts mit Prahlerei oder einem erhöhten Aufmerksamkeitsdefizit zu tun. Ich suche kein Mitleid. Was ich sagen will: Geh laufen, hab Spaß, verlier Gewicht, genieß ein neues Körpergefühl, sei Ehrgeizig und ein verdammter Streber. Aber fang niemals an, wegen dem Laufen zu hungern. Darum geht es nämlich nicht. Und wenn deine Freunde sagen, du siehst wegen der ganzen Lauferei scheisse aus: hör auf sie!</p>
<p><strong>3. Laufen ist Meditation für mich</strong><br />
Sitze ich zehn Stunden für die Schule am Schreibtisch oder stehe in der Arbeit, brauche ich das. Als Ausgleich, um dröger Geistesarbeit körperliche Bewegung entgegen zu setzen, sonst würde mein Kopf platzen.<br />
Da draussen auf der Strecke, da bin ich mit meinen Gedanken alleine; da mache ich meine Probleme nur mit mir aus; da Kämpfe ich nur gegen meine eigene Schwäche, meine eigenen Ängste, meine eigene Wut. Da hast du nur das Sausen des Windes um die Ohren und diese eine unglaublich starke Kraft, die dich festhalten will, die Beine schwer macht und dir das Aufgeben verlockend schönredet. Aber auch diese andere unglaublich starke Kraft, die dich aufrichtet, anfeuert, dich von hinten anschiebt und dich immer noch ein Stück schneller, ein Stück weiter laufen lässt, als du eigentlich dachtest, das du es kannst. Ein Gezerre, ein hin und her bei jedem neuen Schritt.<br />
Da ist nur der Rhythmus des Atmens, ganz gleichmäßig, wie ein Mantra. Ein Grund, warum ich zum Laufen keine Musik höre ist der, dass ich meinen Körper hören will um mich auf ihn zu konzentrieren. Nach einer bestimmten Zeit läuft man wie in Trance, die Gedanken sind kristallklar oder laserscharf, ich weiß nicht, welche Beschreibung besser passt. Manchmal denke ich dann an alles mögliche und manchmal vielleicht nur an ein bestimmtes Wort oder einen Satz, den ich zum Rhythmus meines Schrittes immer wiederhole. Oft bin ich einfach nur glücklich während des Laufens, dann lächle ich, was zugegebener Maßen ziemlich bescheuert aussieht. Aber das ist nicht die Regel. Oft ist es vom ersten bis zum letzten Laufmeter einfach nur eine einzige Qual. Es ist eben mal so und mal so. Aber wenn sich ein Hochgefühl einstellt, dann ist es etwas besonderes. Und im Winter, wenn sich die Lunge mit eiskalter Luft füllt, fühlt man sich sehr am Leben.</p>
<p>Ich laufe sehr gerne im Regen, das ist eine unglaublich elementare Erfahrung, weil man beginnt, diese Situation einfach hinzunehmen, so wie sie ist. Irgendwann findet man sich damit ab und ist wirklich nur noch bei sich selbst. Ich laufe sehr gerne in der Nacht. Ich kann nicht behaupten, dass es keine Stellen gibt, an denen ich mich nicht fürchte. Manche Abschnitte im Park sind stockfinster und wenn ich wieder ins Licht komme merke ich erst, wie schreckhaft weit ich meine Augen aufgerissen habe, um in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Laufe ich in der Nacht, so ist die Welt gehüllt in Schemen, was alles um einen herum noch bizarrer und unwirklicher werden lässt und den Trance-Effekt noch verstärkt.</p>
<p>Laufen ist Kontemplation und nach jedem Lauf bin ich der glücklichste Mensch der Welt, ein Schattenläufer im Regen.</p>
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		<title>Verschoben: Lauferfahrung dokumentiert &#8211; THC</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Apr 2009 15:17:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Aufgrund eines Anfalls akuter Lustlosigkeit wird der Artikel &#8220;Lauferfahrung dokumentiert: THC&#8221;, ein Beitrag aus einer Serie, die die Auswirkung verschiedener Stoffe in Nahrungs- und Konsumprodukten auf den laufenden Menschen betrachtet, verschoben. Wir danken für Ihr Verständnis.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aufgrund eines Anfalls akuter Lustlosigkeit wird der Artikel &#8220;Lauferfahrung dokumentiert: THC&#8221;, ein Beitrag <a href="#mce_temp_url#">aus einer Serie</a>, die die Auswirkung verschiedener Stoffe in Nahrungs- und Konsumprodukten auf den laufenden Menschen betrachtet, verschoben. Wir danken für Ihr Verständnis.</p>
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		<title>Ich verlor mein Herz auf einer Auktion für Minderjährige</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 21:50:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zornprophet Benjamin Green vom Vice Magazine findet deutliche Worte. Sein Stil ist für mich momentan das perfekte Heilmittel gegen eine inflationär auftauchende Alltagsbullshittigkeit, die mir seit ein paar Tagen literweise über den Kopf gekübelt wird. Also danke, Mr. Green, für &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/03/24/ich-verlor-mein-herz-auf-einer-auktion-fur-minderjahrige/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zornprophet Benjamin Green vom Vice Magazine <a href="http://vice.typepad.com/vice_germany/2009/03/ich-verlor-mein.html">findet deutliche Worte</a>.<br />
Sein Stil ist für mich momentan das perfekte Heilmittel gegen eine inflationär auftauchende Alltagsbullshittigkeit, die mir seit ein paar Tagen literweise über den Kopf gekübelt wird. Also danke, Mr. Green, für ihren tendenziösen Grundgroll. Und bitte: mehr davon.</p>
<blockquote><p>&#8220;Mit Mädchen ausgehen ist richtig beschissen, weil du die ganze Zeit damit beschäftigt bist, zu kontrollieren, ob ihr beide exakt den richtigen Pegel habt. Sie muss betrunken genug sein, dass sie denkt, du bist nett. Dann musst du wiederum so betrunken sein, dass du denkst, das sei sexy. Weil du dann aber betrunken bist, muss sie noch einen Tick betrunkener sein, um deine Dreistigkeit als Ironie aufzufassen und dann musst du betrunken genug sein, um tatsächlich das mit dem Sex noch zu probieren—und zwar ohne dass du vor lauter Betrunkenheit deinen Ständer auf der Taxifahrt einbüßt und dein Schwanz sich beim restlichen Rummachen anfühlt wie Kacke im Ballon. Natürlich könntest du auch noch ein bisschen koksen, aber wenn sie nicht gerade eine 46-jährige Speedschlampe ist, dürfte sie eher anfangen zu heulen, wenn du sie auf der Toilette zu ein paar Lines überreden willst. Es muss doch irgendwie einen einfacheren Weg geben, ein nettes Mädchen klarzumachen, als ihren Alkoholpegel zu manipulieren. Oh, warte mal, na klar, die alljährliche Auktion für minderjährige Zigeunerbräute steht mal wieder vor der Tür&#8230;&#8221;</p></blockquote>
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		<title>Lauferfahrung dokumentiert: Zigaretten</title>
		<link>http://himmelende.de/2009/02/21/lauferfahrung-dokumentiert-zigaretten/</link>
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		<pubDate>Sat, 21 Feb 2009 14:42:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was man nicht alles im Namen der Wissenschaft über sich ergehen lässt. Sebastian von Himmelende geht in der Serie &#8220;Lauferfahrung dokumentiert&#8221; der Frage auf den Grund, welche Stoffe in Nahrungs- und Konsumprodukten sich wie auf den Organismus eines Sportlers auswirken. &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/02/21/lauferfahrung-dokumentiert-zigaretten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Was man nicht alles im Namen der Wissenschaft über sich ergehen lässt. Sebastian von Himmelende geht in der Serie &#8220;Lauferfahrung dokumentiert&#8221; der Frage auf den Grund, welche Stoffe in Nahrungs- und Konsumprodukten sich wie auf den Organismus eines Sportlers auswirken. Am Ende der Teststrecke steht eine rasselnde Lunge, ein paar Gramm Hüftgold mehr, aber auch die Erkenntnis: es ist nicht alles schlecht, was ungesund aussieht.</h3>
<h2>Zigaretten</h2>
<p>Na das geht ja gleich mal mittelprächtig los. Für einen Ex-Raucher &#8211; mittlerweile seit sechs Jahren abstinent &#8211; sind die Verlockungen am Ende der zweiwöchigen Teststrecke enorm und ich musste mich gehörig zusammennehmen, um mit dem Rauchen nicht wieder anzufangen. Die Macht der Gewohnheit und die Macht suchtgenerierender Tabak-Inhaltsstoffe sind ein paar hinterfotzige Kandidaten, aber das soll jetzt nicht Gegenstand meiner Betrachtung sein. &#8220;<a href="http://himmelende.de/2008/11/10/nicht-deswegen/">Manchmal muss man Rauchen, um das Nicht-Rauchen nicht überhand nehmen zu lassen.</a>&#8221; Das gilt aber auch im Umkehrschluss und das befreiende Gefühl, wenn sich der ganze schleimige Scheiss wieder aus der Lunge löst, ist unübertroffen.</p>
<h4>Was steckt drin</h4>
<p>Hauptbestandteil einer Zigarette ist neben Teer und ein paar anderen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tabakzusatzstoffe">leckeren Zusatzstoffen</a> das Nikotin. Als Acetylcholin-Konkurrent (ein Neurotransmitter, der für die Weiterleitung eines Impulses vom Ende der Nervernfaser zum Muskel verantwortlich ist), dockt es an Rezeptor-Molekülen der Museklfaser an, besetzt diese und löst Muskelzittern aus. Fies: Es kann von körpereigenen Enzymen nicht abgebaut werden. Nikotin ist also, ähnlich wie Curare, ein Nervengift: ein Muskelrelaxans. Die letale Dosis für einen gesunden, erwachsenen menschlichen Organismus liegt bei 20 &#8211; 35 mg, was nicht besonders viel ist. Ein paar Zigaretten ins Müsli gekrümelt und der Rest des Tages verläuft, naja, sagen wir eher ungünstig.<br />
Bei der Verbrennung des Tabaks entstehen dann noch in etwa drölfmillionen anderer kleiner, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tabakrauch">fieser Nebenprodukte</a>, die meisten davon mit karzinogenem Charakter, also krebserregend. Summa summarum also genau die richtigen Stoffe, die ein Sportler so braucht. </p>
<h4>Versuchsaufbau und Erfahrungen</h4>
<p>Dazu gleich eine kurze Anmerkung. Die von mir beschriebenen Erfahrungen sind subjektiver Natur, die von Mensch zu Mensch variieren können. Dass sie nichtwissenschaftlicher Art sind, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Genau so wenig, wie dass die einzelnen Versuche dieser Serie schlecht bis gar nicht miteinander zu vergleichen sind. Trotzdem will zumindest folgende Rahmenbedinungen festlegen:</p>
<ol>
<li>Die Versuchsphase erstreckt sich immer über 14 Tage.</li>
<li>In dieser Zeit treibe ich weiterhin Sport, d.h. alle 48 Stunden 10 Km Joggen.</li>
<li>Mindestens 4 Stunden vor dem Laufen erfolgt die letzte Zufuhr des jeweiligen Stoffes.</li>
</ol>
<p>In diesen 14 Tagen rauche ich 34 Zigaretten (1,0 mg Nikotin, 10 mg Kondensat und 10 mg Kohlendioxid pro Zigarette). Gleich die erste Inhalation wirkt heftig: Schwindelgefühl und leichtes Muskelzittern. Meine Verdauung spielt verrückt, permanent befinde ich mich auf dem Weg zwischen Schreibtisch und Toilette. Der Effekt beim Laufen innerhalb der ersten Tage ist sofort spürbar: Kreislaufbeschwerden und Muskelkrämpfe nach den ersten Kilometern. Für gewöhnlich laufe ich Distanzen zwischen 10 und 15 Km, ohne überhaupt daran zu denken, aufzuhören. Nach drei Tagen Zigarettenkonsum ist nach 4 Km erstmal Schluss. Ich brauche einen Zwischenstop, weil ich nicht genügend Luft bekomme. Es rasselt in meiner Lunge und es fühlt sich an, als würde einem der Hals zugedrückt werden. Ich fühle scheinbar jedes einzelne Lungenhärchen stechen, fühle die Lunge als solches in meinem Brustkorb und das ist übel.<br />
Nach einer Woche (ich muss meine Laufdistanz bereits auf 5-6 Km runterschrauben, mein Puls springt jetzt nämlich schon nach 800 Metern in eine Region, die alles andere als gesundheitsförderlich ist) gesellen sich zu den leistungsmindernden Effekten noch Stoffwechselstörungen: Ich bekomme Pickel und zwar richtig viel. Als die 14 Tage vorüber sind, laufe ich nicht mehr gegen die Muskelerhärtung durch Überreizung, sondern gegen den Schmerz in meinem Brustkorb.</p>
<h4>Fazit</h4>
<p>Egal, was eure Idole, Freunde und der Marlboro-Mann erzählen: Rauchen ist scheisse. Punkt. Die Aspekte der Sozialisierung und der Kommunikationsförderung von Zigaretten stelle ich nicht in Abrede. Als Leistungs- und Ausdauerkiller rangieren Zigaretten in meinen Versuchen jedoch absolut unangefochten in der Kategorie &#8220;gesundheitliche Wasserstoffbombe&#8221;.<br />
Immense körperliche Beeinträchtigungen und die entstehende Suchtwirkung &#8211; dieser erste Versuch war im Vergleich zu allen Folgenden der Übelste. Am Ende tat mir meine Lunge richtiggehend leid, wie sie nach jedem Lauf versucht hat, mit vermehrter Schleimproduktion diesen ganzen Schrott aus sich heraus zu husten. Die Leistungsminderung lag in meinem Fall bei über 50%. Meine Muskeln hätten in dieser Zeit mehr drauf gehabt, allein es fehlte an Luft.<br />
Zwei Wochen nach Testende war ich in etwa wieder auf dem Leistungsniveau wie davor. Das ist überraschend schnell. Allerdings dürfte noch weitaus mehr Zeit vergehen, bis wirklich alle Schadstoffe in meinem Körper abgebaut sind.<br />
Für alle angehenden Nichtraucher, ehemals rauchende, jetzt rückfällig gewordene Sportler (oder Läufer mit dem latenten Drang zu masochistischen Selbstversuchen) empfehle ich folgendes. Weiterlaufen und nicht schonen, gemäß dem Motto: &#8220;Ich erhol mich erst mal ein paar Tage und fang dann nächste Woche wieder mit dem Sport an.&#8221; (Die Gefahr, in dieser Zeit wieder Blödsinn anzustellen, ist groß!) Da Nikotin vom Körper selbst zwar relativ einfach abgebaut werden kann, an der neuromuskulären Synapse jedoch nur durch eine vermehrte Acetylcholin-Ausschüttung von den Kontaktstellen &#8220;vertrieben&#8221; wird: macht weiter Sport. Ausserdem merkt man dabei am Besten, was für einen Scheiss man sich eigentlich antut und überlegt es sich vielleicht zweimal, mit dem Rauchen wieder anzufangen.</p>
<p>Zum Thema:<br />
<a href="http://www.sportanalyse.de/cms/trainingstheorie/1051-rauchen-und-sport.htm">Rauchen und Sport &#8211; Einfluß von Tabakkonsum auf die körperliche Leistungsfähigkeit im Sport</a><br />
<a href="http://www.stern.de/wissenschaft/medizin/:Regeneration-Was-K%F6rper-Zigarette/507874.html?eid=501405">Regeneration &#8211; Was im Körper nach der letzten Zigarette passiert</a></p>
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		<title>Nebenwirkungen</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Oct 2008 21:19:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8220;Meskalin? Nein, das nehm ich nicht. Da bekomm ich immer Halluzinationen.&#8221; - Vivian]]></description>
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- Vivian</p></blockquote>
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