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	<title>Himmelende &#187; erkenntnis</title>
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	<description>Everything will be okay in the end. If it’s not okay, it’s not the end.</description>
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		<title>Liebhaber des Loslassens</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Aug 2010 07:30:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Komm, wer du auch seiest! Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm. Dies ist keine Karawane der Verzweiflung. Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast, komm nur, und noch einmal: komm. مولانا جلال الدین محمد رومی‎ Dschalal ad-Din Muhammad Rumi, &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/08/05/liebhaber-des-loslassens/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Komm, wer du auch seiest!<br />
Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm.<br />
Dies ist keine Karawane der Verzweiflung.<br />
Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast,<br />
komm nur,<br />
und noch einmal: komm.</p></blockquote>
<p>مولانا جلال الدین محمد رومی‎<br />
Dschalal ad-Din Muhammad Rumi, islamischer Mystiker und persischer Dichter</p>
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		<title>Fleissige Mädchen</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 09:09:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mädels sind im Studium, wie überhaupt im Leben generell immer fleissiger und besser organisiert als Jungs. Wenn ich zu meinen Kommilitoninnen neben mir rüberspähe, bekomme ich regelmäßig Kotzanfälle; dort stapeln sich die Unterlagen, gut durchdacht und vorbereitet, während ich mich &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/02/05/fleissige-madchen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mädels sind im Studium, wie überhaupt im Leben generell immer fleissiger und besser organisiert als Jungs. Wenn ich zu meinen Kommilitoninnen neben mir rüberspähe, bekomme ich regelmäßig Kotzanfälle; dort stapeln sich die Unterlagen, gut durchdacht und vorbereitet, während ich mich auf mein Geschick in der hohen Kunst der Improvisation verlassen muss. Ihr habt mich also erwischt, ich bin ein Flaneur, ein verklärter Träumer, ein prokrastinierender Geist der Empfindsamkeit. Aber ich habe eine These: Was wir Männer im Vergleich zu Frauen intelligenzmäßig oder durch Fleiss nicht bringen, machen wir halt durch Waffen wieder wett. Was wir fürchten, rotten wir aus. Vor was wir angst haben, essen wir auf. Kühe, Kangoroos, etc. Angst vor Pferden? Kein Problem! Lasst uns Steak daraus machen.</p>
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		<title>Die einzige Aufgabe einer Universität</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Feb 2010 17:31:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Einer der fundamentalsten Irrtümer besteht darin, dass die Universität den Studenten auf&#8217;s Leben vorbereiten, alias, es ihm erleichtern soll, bevor er es noch betreten hat. Die Aufgabe einer Universität aber besteht keineswegs darin, möglichst viel tüchtige Theologen, Mediziner, &#8220;Philosophen&#8221; und &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/02/03/die-einzige-aufgabe-einer-universitat/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;Einer der fundamentalsten Irrtümer besteht darin, dass die Universität den Studenten auf&#8217;s Leben vorbereiten, alias, es ihm erleichtern soll, bevor er es noch betreten hat. Die Aufgabe einer Universität aber besteht keineswegs darin, möglichst viel tüchtige Theologen, Mediziner, &#8220;Philosophen&#8221; und Juristen heranzubilden (wie Kaiser Josef II., der die Kolleg-Hefte zensurieren ließ, vermeint hat): sondern alle diese ordinären Kerle derart nicht bloß mit Kenntnissen, sondern mit vorweggenommener Erkenntnis zu beschweren, dass nur die Allertauglichsten so was überleben können, davonkommen, und den vorausgeschossenen Pfeil einmal toto corpore einzuholen vermögen. Die anderen aber sind dann an der Alma mater lebensunfähig geworden, an ihren Kenntnissen picken geblieben, an geistiger Stuhlverstopfung gestorben: hole sie der Teufel. Die einzige Aufgabe einer Universität kann heute sein, den Leuten jeden Zugang in&#8217;s praktische Leben derart zu verengen, dass keiner durchrutscht, der nicht mit allen Wassern gewaschen ist. Anders: es ist genau die Sache der Universität, jede Halbbildung zu bekämpfen, und das Gesindel auf die Fachschulen &#8211; welche für&#8217;s Leben (o weh!) vorbereiten &#8211; abzudrängen. Neuestens kann ja die Geltungssucht auch dort ihr Genital mit einem &#8220;Doktorhut&#8221; bedecken, sei&#8217;s einem der Handelskunde oder Viecharzterei.&#8221;</p></blockquote>
<p>Heimito von Doderer: Universitäten (1955). In: Repertorium. Ein Begreifbuch von höheren und niederen Lebens-Sachen. Hrsg. von Dietrich Weber. München 1969. S 255 f.</p>
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		<title>Über die zweifelsfrei wohltuende Wirkung eines Stuhlgangs (aber nur bei einem selbst)</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 11:38:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir Menschen haben schon ein recht ambivalentes Verhältnis, was das sekretieren von Fäkalien betrifft. Oder anders ausgedrückt: Das Scheißen stimmt mich nachdenklich. (Über derbe Sachthemen schreibt man am Besten Frühmorgens, wenn der Verstand sich noch nicht ganz eingerenkt hat). Interessanterweise &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/01/21/uber-die-zweifelsfrei-wohltuende-wirkung-eines-stuhlgangs-aber-nur-bei-einem-selbst/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir Menschen haben schon ein recht ambivalentes Verhältnis, was das sekretieren von Fäkalien betrifft. Oder anders ausgedrückt: Das Scheißen stimmt mich nachdenklich. (Über derbe Sachthemen schreibt man am Besten Frühmorgens, wenn der Verstand sich noch nicht ganz eingerenkt hat). Interessanterweise machte ich diese Feststellung, als ich ein junges Pärchen in der Trambahn beobachtete, was ja jetzt nicht unbedingt primär etwas mit Exkrementen zu tun hat.</p>
<p>Die beiden standen auf, warteten an der Tür, er dicht hinter ihr; beide trugen Jogginghosen, seine Hand glitt herab über ihren Popo, tätschelte ihn leicht. Das gefiel mir, wie schön wenn zwei sich lieben. Jedoch blieb seine Hand nicht dort, sie rutschte weiter zwischen ihre Pobacken und dann noch ein kleines Stückchen weiter nach unten, wo er sie langsam zu kneifen begann. Jetzt bin ich weiß Gott nicht bieder aber in diesem Augenblick war mir diese eindeutig sexuell konnotierte Geste einfach irgendwie penetrant, ja richtiggehend zuwider.</p>
<p>Nun ist das ja nichts magisches, was dort passierte. Menschen machen das öfter, sich mal hier und mal dort in den Schritt zu fassen; für junge Paare ist das nichts aussergewöhnliches, wenn auch nicht unbedingt in der Öffentlichkeit. Michael Jackson machte das praktisch permanent. Mit dem Unterschied, dass Jacko demonstrativer Selbstbegrapscher war und dafür Millionen kassierte. Na jedenfalls: Was beim Anblick der Anderen irritiert, ist für einen selbst nicht weiter schlimm, im besten Falle sogar angenehm. Und damit musste ich unweigerlich an das Kacken denken.</p>
<p>Ist es für einen selbst nicht ein heilsbringendes Gefühl richtig aufs Klo gehen zu können? Was für eine Wohltat kann ein ordentlicher Schiss sein, wenn nichts drückt und schmerzt und alles flutscht wie man will. Was für eine Erleichterung, endlich in seiner Not zu dürfen, wenn man dringend muss. Aber: Bloß bei einem selbst. Denn wird man mit dem Kacken der Anderen konfrontiert, rümpft man gleich die Nase und wird von einem basalen Ekelgefühl geschüttelt. Wie widerlich ist es, auf eine öffentliche Toilette zu gehen und der akustischen Klangvielfalt aus der nächsten Kabine lauschen zu müssen, während der Nebenmann schwer mit der Absonderung von Verdauungsprodukten beschäftig ist. Von den olfaktorischen Eindrücken ganz zu schweigen. Was bei einem selbst also hui ist, ist bei anderen pfui. Ein Jeder riecht seinen eigenen Scheiß halt am Liebsten.</p>
<p>So, und während Sie nun vielleicht noch etwas über dieser Feststellung ihre Gedanken kreisen lassen &#8211; was für eine höhere Bedeutung das eventuell für das Sein, für die Gesellschaft und alle anderen Dinge im Universum haben könnte, etc. &#8211;  gehe ich jetzt erst mal ganz gepflegt auf die Toilette und lasse Sie mit diesem kleinen Knittelvers allein zurück.</p>
<p><em>&#8220;Alle stecken bis zum Hals in Scheiße.<br />
Ausser Reiner,<br />
der ist kleiner.&#8221;</em></p>
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		<title>Hallo Schmerz</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 22:56:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Weil dieses Jahr so langweilig &#8211; langweiliglangweiliglangweilig und achgewöhnlich begann, dachte ich mir: Geh mal zum Zahnarzt, tu dir selbst was gutes und lass dir zur Feier dieses noch recht jungen 2010 so eine richtig schöne Wurzelbehandlung verpassen. (An das &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/01/18/hallo-schmerz/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil dieses Jahr so langweilig &#8211; langweiliglangweiliglangweilig und achgewöhnlich begann, dachte ich mir: Geh mal zum Zahnarzt, tu dir selbst was gutes und lass dir zur Feier dieses noch recht jungen 2010 so eine richtig schöne Wurzelbehandlung verpassen. (An das Geschriebene &#8220;2010&#8243; muss ich mich erst noch gewöhnen. Ich sag derweil &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_2010">zwanzig-zehn</a>&#8220;, das kenne ich schließlich noch aus 2003.)<br />
Also: Andere Leute kaufen sich teure Wässerchen und Anzüge, Brioni und Barbour. Und ich, ich leiste mir halt eine gute Zahnbehandlung mit ordentlich Selbstzuzahlung, die Krankenkasse meint nämlich, ich hätte die von mir gewünschte Behandlungsmethode gar nicht nötig. Sagt sie, also die Krankenkasse. Meine Zahnwurzel sagt da etwas anderes. Aber egal, ich will da jetzt nicht kleinlich sein.</p>
<p>Rechne für diesen Tag also mit maximalen Schmerzen. Solche ich-weiß-dass-ich-später-noch-zum-Zahnarzt-muss-und-es-könnte-eventuell-ziemlich-weh-tun Tage beginnen häufig mit allgemeinen Unbehagen, Magenschmerzen, feuchten Händen, etc. Schütte also eine zähnelockernde Menge Kaffee in mich hinein und brabble los wie ein Heilbutt auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Phentermin">Phentermin</a>. Bravouröser Dienstagnachmittag. (Das mit dem Kaffee rächt sich später, auf dem Stuhl, als meine Anspannung wächst und so unverschämt stark auf die Blase drückt, dass ich mir gleich noch eine zweite Lokalanästhesie verpassen lasse.)<span id="more-3622"></span></p>
<p>Auf dem Weg zum Zahnarzt, ich bin bereits sehr angespannt, eine unzumutbare 1A Verklemmtheit auf zwei Beinen sozusagen, sorgt Springers Großbuchstabenpresse zumindest für kurzzeitige Ablenkung. Mich amüsiert die abgeschmackte Majuskelprotzerei dieser Zeitung. Da arbeiten nämlich wirklich viele Menschen die wirklich viel Resthirn zusammenkratzen, um sich diese Titel auszudenken. Aufgrund koffeininduzierter Hibbeligkeit bekomme ich die Schlagzeile diesmal jedoch nur mit einem halben Auge mit, gut möglich, dass sie gar nicht so lautete.</p>
<p><strong>&#8220;Experte warnt Eltern: Christkind &#8211; Kinder sollen Wahrheit erfahren.&#8221; </strong></p>
<p>Ich versuche es zwei mal, begreife es aber nicht; wahrscheinlich vermag ich den dargebotenen Bedeutungstiefgang aufgrund Schmerzerwartungsherbeigeführter innerer Umtriebigkeit nicht in seinem vollsten Tiefgang auszuloten. Vielleicht verursacht laut Experten die Entmystifizierung solch kindlicher Illusionen wie z.B. Osterhase, Weihnachtsmann und die Einschläferung Benjamin Blümchens diverse Rissbildungen im präpubertären Oberstübchen, ich weiß es nicht. Und ganz unter uns: Es ist mir auch egal.</p>
<p>Beim Zahnarzt angekommen lege ich mich auf den Stuhl, das Gespräch ist knapp. Dann wird es auch gleich etwas sexuell. Der Silikonschutz in meinem Mund, der mein Gebiss weit auseinanderspreizt ist so SM, dass ich mich geniert fühlen würde, wäre er nicht blau sondern schwarz. Ich sehe mein Spiegelbild ganz klein und verzerrt im Schirm der Lampe über mir und was ich sehe ist bizarr, denn dort liegt etwas Degeneriertes mit Riesenkopf und Zwergenfüßen, das entfernt an eine dieser Gummipuppen für die männliche Triebabfuhr aussieht. Oder wie Munchs &#8220;Der Schrei&#8221;, Version zwanzig-zehn, &#8220;Beim Zahnarzt&#8221;.</p>
<p>Die Behandlung beginnt und ich suche mir einen Punkt an der Decke, den ich von jetzt an die nächsten zwei Stunden nicht mehr aus den Augen lassen werde. Irgendetwas riecht nach Chlor, was mich witzigerweise beruhigt. Meine Eltern leiteten in den 80ern jeweils für ein paar Wochen im Sommer eine Gaststätte in einem Freibad. Als Kind verbrachte ich dort jeden Tag, aß mit Fingern Pommes aus ketchupdurchweichten Papiertüten, lag in der Sonne, ging schwimmen, spielte bei den Eltern in der Gaststätte, Geborgenheit, das Freibad als Lebensprinzip. Seit dieser Zeit hat Chlorgeruch eine eigenartig beruhigende Wirkung auf mich. Die anderen Gerüche während der Behandlung sind allerdings nicht minder interessant. So riecht es später zum Beispiel einmal nach Croissants, als dünne heiße Stifte in mein Zahnfleisch gesteckt werden. Ich spüre davon nichts, ich rieche es bloß. Eigenartig, wenn etwas verführerisch gut duftet und man erst später merkt, dass es das eigene kokelnde Fleisch war.</p>
<p>Der Arzt meint es gut, er spritzt meine halbes Gesicht taub, so hoch ist die Dosis. Fazialmuskulär ist damit halbseitig für den Rest des Tages Schicht im Schacht. (Später wird meine Freundin bei dem Versuch, mich anständig zu küssen behaupten, es fühle sich an wie ein Stück Putenfleisch, bloß wärmer; oder wie ein Marshmallow, bloß weniger süß.)</p>
<p>Die Behandlung zieht sich, fast wird es langweilig. Ich warte auf den Schmerz. Er kommt spät. Aber dann ist er da und unmissverständlich und gewaltig. Dann umarme ich ihn, spendiere ihm ein warmes Hallo. Ich meine, ich freue mich nicht, dass er da ist; ich sage nicht: &#8220;Hey Schmerz, schön dass du da bist, komm, machen wir uns einen tollen Nachmittag.&#8221; Ich würde wirklich lieber gerne ohne ihn auskommen, diesen alten Wichser. Aber wo er schon mal da ist, kann ich ja eine Runde mit ihm um den Block drehen. So aus Seltbsterfahrungsgründen versteht sich.</p>
<p>Schmerz gehört doch irgendwie zum Leben dazu. Er zeigt einem unmissverständlich, dass man am Leben ist. Zwischenzeitlich gibt es immer wieder abwechselnd langanhaltendende Phasen der Schmerzfreiheit. Aber früher oder später ist er wieder da. Also stellt man sich besser schon mal darauf ein.</p>
<p>Ich bin kein Masochist, ich fahr nicht ab auf Schmerzen. Aber heute beim Zahnarzt, da bietet sich mir das bunte breite Schmerzspektrum. Ich fühle mich in den Schmerz hinein, wenn ich ihm schon nicht ausweichen kann; versuche ihn zu erkunden, ihm nachzufolgen. Und dabei erkenne ich mehrere Abstufungen.</p>
<p>1) Der Pochende, dumpf Pulsierende. Dabei ist eine ganze Fläche betroffen, der Schmerz strahlt, er hat eine &#8220;Aura&#8221;, ähnlich der Kälte, die Menschen ausstrahlen, wenn es Winter ist und sie durchgefroren in die U-Bahn steigen. Ein weiterer Reiz innerhalb dieser Aura wird nur dann registriert, wenn dieser neue Schmerzimpuls größer ist, als der bereits bestehende. Diese Schmerzaura baut sich langsam auf und irgendwann erreicht man einen Punkt, an dem es viel zusätzlichen Schmerzes bedarf, damit dieser überhaupt noch hervortritt. Irgendwo steht bestimmt etwas ganz schlaues darüber, Anhebung der Schmerztoleranzgrenze, oder so etwas in der Art.</p>
<p>2) Der Kriechende, kurz Stechende. Er ist aber nicht von Dauer und in einer Intensität, die noch auszuhalten ist. Dabei entsteht ein Reiz, der Nerv ist &#8220;genervt&#8221;, er beschwert sich noch eine Zeit, pulst nach, vielleicht 20, 30 Sekunden, dann schwillt er wieder ab. Er bleibt nicht, er strahlt nicht.</p>
<p>3) Das ist die Königsklasse, die Formel-1 der Schmerzreize. Ganz kurz, ganz heftig. Meist als letzte Steigerung zu Schmerz #2, sozusagen dessen i-Tüpfelchen. Der Schmerz baut sich also auf, langsam und immer drängender und dann erreicht er ein Spitze, die einen wie ein Hammer trifft. Die genaue Herkunft ist schon nicht mehr zu lokalisieren, er ist irgendwie omnipräsent. Man kneift die Augen zusammen, legt die Stirn in Falten, allüberall Anspannung; die Atmung beschleunigt sich, der Körper verkrampft sich, alles sticht und kribbelt. Das ist diese eine Sekunde kurz bevor man wirklich laut losschreien würde. Aber auch diesen Schmerz kann man fokussieren, wenn auch nur für kurze Zeit.</p>
<p>Als ich dort auf dem Stuhl lag, konfrontiert mit mehr oder weniger fröhlichkeitsstiftenden Schmerzschattierungen wurde mir bewusst, wie sehr mir bei der Schmerzbewältigung die Erfahrungen aus dem Laufen helfen. Laufen kann so viel mehr für einen tun, nicht nur bloße Verbesserung des Selbstwertgefühles durch Gewichtsabnahme und Konditionsverbesserung. Ich kann mich besser auf einen Schmerz fokussieren, gehe mit ihm. Das hört sich vielleicht Schizophren an aber ich laufe dort beim Zahnarzt in Gedanken eine Strecke.</p>
<p>Wenn nach 15 Kilometern, noch ein, zwei, drei Kilometer zu absolvieren sind, die Schuhe reiben, Knie schmerzen, Waden sich verkrampfen und Schweiß in die Augen läuft, dann subsumieren sich die körperlichen Strapazen in einen mentalen Bewältigungsprozess. Durchhalten, aushalten, weitermachen. Das lernt man beim Laufen. Den Willen bündeln.</p>
<p>Genug Selbsterkenntnis. Als alles vorbei ist, fühle ich mich eigentlich ganz gut, bloß ein wenig gaga. Trinken geht auch zwei Stunden nach der Behandlung noch nicht richtig, ich kann die Lippen nicht genügend spitzen. Was ich mit dem Strohalm in meinen Mund befördere, droht halbseitig wieder heraus zu fließen; beim Essen bewegt sich nur die eine Hälfte der Gesichtsmuskeln, was ziemlich bescheuert aussieht. Später kaufe ich meiner Freundin noch ein Paar Rosen, es ist Abend und unser Zweijähriges. Als ich ihr die Blumen überreich konzentriere ich mich wirklich, aber ausser einem &#8220;Iff liebe diff!&#8221; bekomme ich nichts anständiges heraus. Sie lacht und nimmt mich an der Hand, zu sich nach Hause und versorgt und pflegt mich mütterlich.</p>
<p>Auf Wiedersehen, Schmerz. Kann zwar nicht sagen, dass es schön war mit dir, aber wir werden uns wiedersehen.</p>
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		<title>Die Einsamkeit des Langstreckenläufers</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 09:34:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Run!“ Lauf! &#8211; Das ist unser Imperativ. Nike&#8217;s Werbeabteilung hats geschnallt, druckt den Befehl auf tausend mal tausend T-Shirts und fährt damit Milliardengewinne ein. Geschätzte Leser dieses Blogs, liebe Freunde der leichten Vorabendprogrammunterhaltung, ich lasse jetzt mal ein paar offenherzige &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/06/10/die-einsamkeit-des-langstreckenlaufers/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>„Run!“</h2>
<h3>Lauf! &#8211; Das ist unser Imperativ. Nike&#8217;s Werbeabteilung hats geschnallt, druckt den Befehl auf tausend mal tausend T-Shirts und fährt damit <a href="http://www32.wolframalpha.com/input/?i=nike+earnings">Milliardengewinne</a> ein.</h3>
<p>Geschätzte Leser dieses Blogs, liebe Freunde der leichten Vorabendprogrammunterhaltung, ich lasse jetzt mal ein paar offenherzige Worte vom Stapel zu meinem einzigen wirklichen Hobby: dem Laufen. (Die Himmelende-Groupies unter euch wissen bereits: Ich mag das Wort Joggen nicht besonders. Ehrlich gesagt, ich hasse es richtiggehend. Wenn es nach mir ginge würde das Wort aus dem Duden gestrichen werden. Sofern es denn dort überhaupt drinsteht. Na egal, jedenfalls heißt Joggen bei mir also Laufen. Basta!)</p>
<p>Während meine Beine einsame Runden durch den Münchner Westpark drehen, kreisen meine Gedanken &#8211; sofern sie denn überhaupt um etwas kreisen &#8211; um verschiedene Erkenntnisse, die mir beim Laufen mal eben so ins Gehirn purzeln; die mir in diesen Augenblicken so unglaublich wichtig erscheinen, dass ich sie unbedingt sofort aufschreiben will. Sofort! Wenn ich dann aber zuhause ankomme, sind diese Erkenntnisse meistens nicht mehr so unglaublich, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich auf dem Weg zurück die Hälfte vergessen habe. Was hier also nun steht, ist der Rest von dem ganzen Lauf-Erkenntnisscheiß. Wenn ihr euch darin wiederfindet (in den Erkenntnissen, nicht im Scheiß): schön für euch. Irgendwie haben wir Läufer ja eh alle den selben Riss in der Schüssel, insofern mag der eine oder andere Gedanke dem geneigten Leser nicht unbekannt sein.</p>
<p><strong>1. Das Laufen hat mir das Leben gerettet.</strong><br />
Tja, gleich der erste Gedankenfetzen und schon so ein Hammer-Ding. Das klingt fürchterlich pathetisch, stimmt aber einhundertprozentig. Mag sein, dass mich das Laufen vielleicht eines Tages selbst das Leben kostet (siehe nächster Punkt), weil ich zu schnell laufe und mich der Teufel holt oder zu weit links laufe und ein LKW mich plattwalzt oder zu tuntig laufe und mich so ein missglückter Dobermann-Dogge-Pitbull-Kreuzungsversuch verschluckt. Aber egal, fürs erste hat es mir das Leben gerettet.</p>
<p>Vor ein paar Jahren war ich nämlich fett, genervt, grantig und hochgradig depressiv. Latent unzufrieden mit mir und als ein Resultat daraus auch mit der Welt. Das wurde mit dem Laufen zwar nicht schlagartig besser, also nicht von heute auf morgen oder übermorgen; langsam aber sicher änderte sich jedoch die Chemie in meinem Gehirn. Dopamin, Serotonin, Endorphin, etc. &#8211; der ganze körpereigene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glückshormon">Glückshormon</a>-Drogencocktail schaffte und, toi toi toi, hält bis jetzt einen Pegel allgemeiner euphorischer Befindlichkeit. Als dann auch noch das Hüftgold begann dahinzuschmelzen und mir nach Jahren der Ablehnung endlich das gefiel, was ich im Spiegel sah, hatte ich das erste mal eine zarte Vorstellung von einem Gefühl des bei sich ankommens. Heute muss ich gar nicht mehr viel tun, nur ab und zu mal was Gutes (z.B. Straße kehren, Brösel aus dem Toaster fingern, Einkaufstüten alter Damen tragen, weinenden Kleinkindern zulächeln, auch wenn man Scheissschmerzen hat und einem die Ohren bluten). Und, meine Fresse: Das Universum liebt mich! Wir sind zwei ganz dicke Freunde geworden, ganz spezielle. Das ist manchmal schon so harmonisch, dass es zum Kotzen ist.</p>
<p><strong>2. Das Laufen hätte mich </strong><span style="text-decoration: line-through;"><strong>fast</strong></span><strong> </strong><span style="text-decoration: line-through;"><strong>knapp</strong></span><strong> </strong><span style="text-decoration: line-through;"><strong>bestimmt</strong></span><strong> irgendwann einmal das Leben gekostet.</strong><br />
Auch wenn ich gerade geschrieben habe, dass mir das Laufen fürs erste das Leben gerettet hat: es hätte mir auch schon ein paar mal das Leben gekostet. Einmal übersah ich knapp eine Trambahn, die mich ganz schön hübsch zermatscht hätte, machte aber in buchstäblich letzter Sekunde den entscheidenden Schritt von den Gleisen zurück. Ein andermal lief ich in ein Unwetter, nicht irgendeines, das war ein fucking Armageddon mit Hagel und Blitzen und herabstürzenden Ästen. Aber das sind alles andere Geschichten, aus denen ich stets mit einem blauen Auge davonkam. Oder einem blauen Knie oder etwas anderem blauen.</p>
<p>Ich lernte was es heißt, laufsüchtig zu sein und wie diese Sucht den Körper verzehren kann. Bei mir zeigte sich das in einem rapiden Gewichtsverlust. Der war zunächst nicht beabsichtigt, jedoch wurde der Drang danach, immer mehr Gewicht zu verlieren oder zumindest keines zuzunehmen, bald der wichtigste Grund für mein Hobby. Weniger Körpergewicht heißt weniger Kraftaufwand, da weniger Kilogramm mit rumzuschleppen sind, heißt schneller Laufen, heißt weiter Laufen, heißt bessere Zeiten und so weiter. Ausserdem fühlte es sich gut an, schlank zu sein und schnell; der Körper gespannt und sehnig, agil, kein Gramm Fett zu viel und immer auf dem Sprung. Permanent lag Energie an und ich stand die ganze Zeit unter Strom. Und irgendwann gefiel mir dieses ausgezehrte Gesicht im Spiegel, das nicht mehr nur hungrig nach Liebe aussah. Komisch, die Menschen in der dritten Welt wollen essen, aber können nicht und sind so unterernährt, das sie Blähbäuche bekommen und Skorbut und sie die Zähne verlieren und das Leben, als wäre es nichts. Und die Menschen unter der Sonne der ersten Welt können alles mögliche essen und wissen gar nicht, wohin zuerst, zu Wendys oder Subways oder Kentucky Fried Chicken aber sie verweigern und kasteien sich, bewusst, damit sie dünn und abgemagert und diätgedörrt aussehen, was nach ihren Standards als &#8220;schön&#8221; gilt. Schizophren, aber das ist auch ein <a href="http://12.media.tumblr.com/sdYsolKXXmizsc5ldRnMGlFOo1_500.jpg" rel="lightbox[2255]">anderes Thema</a>.</p>
<p>Als ich mit dem regelmäßigen Laufen anfing, wog ich 74 Kilo. Als meine Ma mir das erste mal sagte: &#8220;Junge, ich weiß zwar nicht, was du machst aber egal was es ist, hör auf damit, du siehst schlecht aus.&#8221;, da wog ich noch 56 Kilo. Das war nicht ganz elf Monate später. Man braucht keinen Body-Mass-Index-Rechner um zu blicken, dass ich knapp an der Grenze zur Unterernährung war. Ich aß in dieser Zeit gezielt wenig, ein Apfel oder ein Joghurt und vielleicht noch eine Handvoll Kürbiskerne am Tag und lief weiterhin meine 50 bis 60 Kilometer in der Woche, immer hart an der Grenze des Stoffwechsel- und Kreislaufkollaps. Das ging auf Dauer nicht gut, ich fühlte mich mehr und mehr ausgebrannt, statt durch das Laufen glücklich zu werden, wurde ich zunehmender depressiv, richtig aggressiv, wenn ich eine Zeit nicht unterbieten oder eine angepeilte Distanz nicht laufen konnte. Die wenig übrig gebliebenen Fettreserven fraß also der Ehrgeiz, dann war Schluss. Übelkeit, Kreislaufbeschwerden, Verdauungsprobleme, Unruhe und Rastlosigkeit, Hitzeanfälle, ich konnte mich nicht mehr richtig konzentrieren und zur Hölle, ich bekam manchmal sogar keinen mehr hoch. Diese Zeit war Raubbau am eigenen Körper, ein permanenter Stresszustand und wenn es einen günstigen Zeitpunkt geben sollte, sich dafür bei ihm zu entschuldigen, so mache ich das hier und jetzt: Entschuldigung, Körper! Das passiert nie wieder.</p>
<p>Dass ich, was meine ehemalige Sucht betrifft hier so offenherzig bin, hat nichts mit Prahlerei oder einem erhöhten Aufmerksamkeitsdefizit zu tun. Ich suche kein Mitleid. Was ich sagen will: Geh laufen, hab Spaß, verlier Gewicht, genieß ein neues Körpergefühl, sei Ehrgeizig und ein verdammter Streber. Aber fang niemals an, wegen dem Laufen zu hungern. Darum geht es nämlich nicht. Und wenn deine Freunde sagen, du siehst wegen der ganzen Lauferei scheisse aus: hör auf sie!</p>
<p><strong>3. Laufen ist Meditation für mich</strong><br />
Sitze ich zehn Stunden für die Schule am Schreibtisch oder stehe in der Arbeit, brauche ich das. Als Ausgleich, um dröger Geistesarbeit körperliche Bewegung entgegen zu setzen, sonst würde mein Kopf platzen.<br />
Da draussen auf der Strecke, da bin ich mit meinen Gedanken alleine; da mache ich meine Probleme nur mit mir aus; da Kämpfe ich nur gegen meine eigene Schwäche, meine eigenen Ängste, meine eigene Wut. Da hast du nur das Sausen des Windes um die Ohren und diese eine unglaublich starke Kraft, die dich festhalten will, die Beine schwer macht und dir das Aufgeben verlockend schönredet. Aber auch diese andere unglaublich starke Kraft, die dich aufrichtet, anfeuert, dich von hinten anschiebt und dich immer noch ein Stück schneller, ein Stück weiter laufen lässt, als du eigentlich dachtest, das du es kannst. Ein Gezerre, ein hin und her bei jedem neuen Schritt.<br />
Da ist nur der Rhythmus des Atmens, ganz gleichmäßig, wie ein Mantra. Ein Grund, warum ich zum Laufen keine Musik höre ist der, dass ich meinen Körper hören will um mich auf ihn zu konzentrieren. Nach einer bestimmten Zeit läuft man wie in Trance, die Gedanken sind kristallklar oder laserscharf, ich weiß nicht, welche Beschreibung besser passt. Manchmal denke ich dann an alles mögliche und manchmal vielleicht nur an ein bestimmtes Wort oder einen Satz, den ich zum Rhythmus meines Schrittes immer wiederhole. Oft bin ich einfach nur glücklich während des Laufens, dann lächle ich, was zugegebener Maßen ziemlich bescheuert aussieht. Aber das ist nicht die Regel. Oft ist es vom ersten bis zum letzten Laufmeter einfach nur eine einzige Qual. Es ist eben mal so und mal so. Aber wenn sich ein Hochgefühl einstellt, dann ist es etwas besonderes. Und im Winter, wenn sich die Lunge mit eiskalter Luft füllt, fühlt man sich sehr am Leben.</p>
<p>Ich laufe sehr gerne im Regen, das ist eine unglaublich elementare Erfahrung, weil man beginnt, diese Situation einfach hinzunehmen, so wie sie ist. Irgendwann findet man sich damit ab und ist wirklich nur noch bei sich selbst. Ich laufe sehr gerne in der Nacht. Ich kann nicht behaupten, dass es keine Stellen gibt, an denen ich mich nicht fürchte. Manche Abschnitte im Park sind stockfinster und wenn ich wieder ins Licht komme merke ich erst, wie schreckhaft weit ich meine Augen aufgerissen habe, um in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Laufe ich in der Nacht, so ist die Welt gehüllt in Schemen, was alles um einen herum noch bizarrer und unwirklicher werden lässt und den Trance-Effekt noch verstärkt.</p>
<p>Laufen ist Kontemplation und nach jedem Lauf bin ich der glücklichste Mensch der Welt, ein Schattenläufer im Regen.</p>
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