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	<title>Himmelende &#187; monolog</title>
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	<description>Everything will be okay in the end. If it’s not okay, it’s not the end.</description>
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		<title>Diese vier Wände</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 11:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Chaostage vor dem Erstsemester. Die endgültige Entscheidung nach Berlin zu gehen um dort zu studieren traf Ron im März Nullneun, als er im Badezimmer vor dem Spiegel stand und versuchte, sich die Nasenhaare mit einer spitzen, aber furchtbar stumpfen Nagelschere &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/01/24/diese-vier-wande/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Chaostage vor dem Erstsemester. Die endgültige Entscheidung nach Berlin zu gehen um dort zu studieren traf Ron im März Nullneun, als er im Badezimmer vor dem Spiegel stand und versuchte, sich die Nasenhaare mit einer spitzen, aber furchtbar stumpfen Nagelschere zu stutzen. &#8220;Bitte fall jetzt nicht ins Klo! Bitte fall jetzt nicht ins Klo! Bitte fall jetzt…&#8221; Platsch!<br />
Und natürlich fiel die Nagelschere ins Klo, denn immer dann, wenn man besonders möchte, dass Dinge nicht passieren, passieren sie erst recht, so als ob sie es absichtlich täten. Damals wollte er nicht nach Berlin, er konnte sich noch recht gut an diesen Morgen erinnern; aber nur wenig später traf er eine Entscheidung und schuf Fakten. Der Kaffee tröpfelte gluckernd durch das aufgeweichte Filterpapier; Maschinenzischen, während sie die braune Flüssigkeit durch die verkalkten Leitungen drückte. Mühsames, aber treues Gerät.</p>
<p>Er stand mit nacktem Oberkörper vor dem Spiegel und seine Nippel wurden hart, der rosakräuselnde Hof drumherum bekam kleine Dellen und Spitzen, es war ja erst März und noch kalt und im Bad ging wieder mal die Heizung nicht. Er hatte den Kopf in den Nacken gelegt, so weit nach hinten, dass er die Wölbung seiner Backen am unteren Sichtbereich als doppelte Geisterhügel wahrnahm; inspizierte die Tiefe seiner Nasenlöcher, der schwarze Schlauch in sein Hirn, aus dem all diese Gedanken flossen. Die Schere war entweder zu stumpf oder seine Nasenhaare zu borstig, jedenfalls kostete es ihm einige Mühe, drei giftig herausstehende Haare abzuschneiden, kurz bevor ihm die Schere aus den Fingern glitt und ins Klo plumpste.</p>
<p>Vor einem Jahr war er noch ein Seelchen, die Ruhe selbst. Er dachte, so schlimm kann das doch nicht werden: Erst Studienplatzsuche, dann einschreiben, hinziehen, reinsetzen, zuhören, bei Zeiten mal in den einen oder anderen Studentinnenpopo kneifen, <abbr title="Was ist denn, mein Liebling?" lang="de">qu’est-ce qu&#8217;il ya, ma chérie?</abbr>, und sich auf ein enthaltsames, aber den Intellekt kitzelndes studentisches Dasein freuen. Allein schon deswegen sollte er Reisaus nehmen, neue Nervennahrung fürs Gehirn, Soulfood, kreativer Input, Drama, Baby! Er brauchte einen Tempowechsel, das monotone Gefühlsgeprassle hier ermattete ihn. Doch dann hagelte es die ersten Ablehnungsbescheide, Träume platzten reihenweise und er stand vor neuen Tatsachen. Für einen Verzweiflungsspezialisten wie Ron ging jedoch nach den ersten Absagen die Welt nicht gleich unter. Nur soviel war sicher: Eine Entscheidung musste her. Bald, denn langsam fielen ihm schon wieder die Haare aus.</p>
<p>Immer dann, wenn es am schönsten ist soll man die Party verlassen. Immer dann, wenn man beginnt sich irgendwo &#8220;heimelig&#8221; zu fühlen (das Wort klingt so bekackt, aber es ist ein gutes Wort) und alles um einen herum langsam zur Gewohnheit wird, sollte man den Ort wechseln. Wenn der Alltag beginnt, sich wie ein großer vollgefressener rosa Wal einem auf die Füße zu legen, muss man abhauen. &#8220;Bleibe unverhaftet mit den Dingen dieser Welt&#8221;, riet ihm sein persönlicher Obi-Wan, sein Guru, der immer den richtigen Tip parat hatte, wenn es brenzlig wurde. „Es wird mal wieder Zeit, mir selbst den Arsch zu retten“, dachte Ron. Berlin ist nicht gleich Kamchatka, es ist nicht Wellington und es ist nicht Aix-en-Provence; aber es ist auch keine bequemlichkeitsgetriebene Alternative. Denn die wäre, einfach hier zu bleiben und auszuharren und in ausgeloteten Gewässern zu fischen. Bis man eines Tages an der Kasse von Aldi-Süd austickt und mit Rinderhack um sich wirft, wenn alles glatt läuft. Und eines Tages entdeckst du, dass all deine Schreie und all dein Schweigen bloß hohle Posen waren.</p>
<p>Ungeachtet der morgentlichen Nasenhaarproblematik konstatierte Ron an diesem Tag, dass mehr als Befindlichkeitsmonologe momentan einfach nicht drin seien. Dann zog er sich an, um auszuziehen.</p>
 <p><a href="http://himmelende.de/?flattrss_redirect&amp;id=2591&amp;md5=143a2f196ff47be420e5d7763d23fb25" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://himmelende.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Everything was beautiful and nothing hurts</title>
		<link>http://himmelende.de/2009/12/29/everything-was-beautiful-and-nothing-hurts/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 09:53:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
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		<category><![CDATA[dialog]]></category>
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		<description><![CDATA[Er erzählt die Geschichte nur brüchig. 100 mal nachfragen, damit die Wahrheit kohärent wird. Sie weint. Das Gespräch ist jetzt zu Ende. Jetzt herrscht Affekt. So viel Zweifel war nie. Erst die Teilung, jetzt die Trennung. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wenn &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/12/29/everything-was-beautiful-and-nothing-hurts/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a rel="attachment wp-att-3250" href="http://himmelende.de/wp-content/uploads/2009/02/darling-large.jpg" rel="lightbox[3257]"><img class="aligncenter size-large wp-image-3250" title="darling-large" src="http://himmelende.de/wp-content/uploads/2009/02/darling-large-585x292.jpg" alt="" width="500" height="250" /></a></p>
<p>Er erzählt die Geschichte nur brüchig. 100 mal nachfragen, damit die Wahrheit kohärent wird. Sie weint. Das Gespräch ist jetzt zu Ende. Jetzt herrscht Affekt.<br />
So viel Zweifel war nie. Erst die Teilung, jetzt die Trennung. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wenn sie jetzt geht, dann gibt es kein Wiederkommen. Splendor regis. Und Tränenglanz schimmert über seine Wange hinab.<br />
(Bild: <a href="http://www.damianloeb.com/index.html">Damian Loeb</a>)</p>
 <p><a href="http://himmelende.de/?flattrss_redirect&amp;id=3257&amp;md5=fbbfd396cf229bdba920399d2fdaf126" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://himmelende.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Veilchenzucker</title>
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		<pubDate>Fri, 15 May 2009 08:14:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carmen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine Gutenachtgeschichte Sina ist ein offenes Buch mit ein paar fehlenden Seiten. Sagt immer, was sie denkt, aber manchmal nicht, was sie fühlt. Sagt nun: &#8220;Liebe ist ein viel kleineres Gefühl als wir alle vermuten&#8221; und hofft, dass ihr jemand &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/05/15/veilchenzucker/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine Gutenachtgeschichte</h2>
<p>Sina ist ein offenes Buch mit ein paar fehlenden Seiten. Sagt immer, was sie denkt, aber manchmal nicht, was sie fühlt. Sagt nun: &#8220;Liebe ist ein viel kleineres Gefühl als wir alle vermuten&#8221; und hofft, dass ihr jemand widerspricht. Aber weil alle betrunken sind, halten sie das für einen großartig klugen Satz, da kann man nichts machen, Sina, unsere Dichterin. &#8220;Hast recht&#8221;, sagt Hannes und guckt sie an. Sie kaut eine lila gezuckerte Veilchenpastille, der nächste Schluck Wein schmeckt nach violetten Blumen, und plötzlich springt ihr wieder ein Satz in den Kopf, den sie mit siebzehn einmal aufgeschrieben hat, als ihre zweite große Liebe gerade zerbrochen war. Eineinhalb Jahrzehnte her, das: &#8220;Menschenblut bleibt rot, die Liebe ist jedoch manchmal violett, und die Sehnsucht sowieso&#8221; Schmeckt ihr irgendwie immer noch.</p>
<p>Sie blickt in die Runde, die Party ist zu Ende, nur der harte Kern sitzt noch am Küchentisch und wird plötzlich ganz weich. Leona, Sina, Marion, Jack und Hannes. Leona beginnt zu weinen, und Marion nimmt sie in den Arm. &#8220;Er ist es nicht wert&#8221;, sagt sie, noch so ein Luftblasen-Satz. Darum geht es ja nicht, jede verlorene Liebe ist es wert, beweint zu werden, auch die Liebe zu einem Vollidioten, und das ist er ja nicht mal. Leonas Ex, Moritz.</p>
<p>Sina sagt auch nicht immer, was sie weiß. Dass Moritz letzte Nacht bei ihr war. Dass er nun auf sie wartet, in ihrem Bett. Dass der Gedanke an ihn sie noch mehr benebelt als der Wein, der Gedanke an sein Bein, das sich zwischen ihre Schenkel schiebt, der raue Jeansstoff auf ihrer nackten Haut, die kühle Gürtelschnalle an ihrem Nabel, seine Finger um ihre Handgelenke, sein Atem an ihrem Hals, was willst du? Dich.</p>
<p>&#8220;Wenn du in mir bist, und dir meine Seele und mir dein Körper gehört, wo ist dann der Unterschied, wenn ich ihn nicht kennen will, wir lösen uns auf, wir verbrennen, hast du Angst?, ja, ja!, unsere Finger umschlungen, du verschließt mir den Mund, damit ich vergesse, und meine Liebe bleibt in mir wie unterdrückte Tränen, besiegt.&#8221; Geschrieben mit 22, während einer aussichtslosen Affäre. Dreht sich alles im Kreis?</p>
<p>Unsinn, ist nur der Alkohol, der Lebensbruchstücke ineinander fügt und es logisch erscheinen lässt, dieses Episodenpuzzle, schön, klug, leer, verschwommen, ganz. &#8220;Wenn es so ein kleines Gefühl ist, warum tut es dann so verdammt weh&#8221;, heult Leona, und Hannes antwortet prompt: &#8220;Ist ja nicht die Liebe, die dich weinen lässt. Sondern die Leere.&#8221; Was Leona nicht überzeugt: &#8220;Dann ist Leere ein größeres Gefühl als Liebe, ja? Ihr seid doch alle nicht ganz dicht!&#8221; Sie rennt auf den Balkon, die Zigarette in der Hand, steht draußen und nimmt einen langen Zug. Jack will ihr nach, aber Marion hält ihn zurück. &#8220;Lass sie.&#8221;</p>
<p>Jack ist in Leona verliebt, vermutet Sina, und beinahe hätte sie es laut gesagt, aber sie beißt sich auf die Lippen, lass dem Bären sein Geheimnis. Jack, der große, schwere Kanadier, spricht selten, was daran liegen mag, dass sein Deutsch noch nicht so gut ist, oder daran, dass er lieber guckt als redet, sie weiß es nicht, und es spielt auch keine Rolle. Plötzlich aber sagt er doch etwas, leise, kaum hörbar: „Liebe ist groß, aber in ihrer reinsten Form&#8230; wie sagt man&#8230; unaufdringlich.“ Lustig, dass das gerade von ihm kommt, denkt Sina.</p>
<p>Dann kommt Leona zurück, stellt sich vor Sina und sagt: &#8220;Ich weiß, dass er mit dir schläft.&#8221; Sie sagt es ganz sachlich, ohne Vorwurf, wenn überhaupt schwingt ein wenig trunkenes Karten-auf-den-Tisch in ihrer Stimme mit, heute sagen wir alles, Nacht der Wahrheit, fast Morgen der Wahrheit, Nacht der Sensationen, Nacht der Liebe, Nacht des Sex&#8230; Des kleinen Skandals letztlich, das braucht es ja manchmal, ein wenig Oh und Ah, bis alle sich an die Neuigkeit gewöhnt haben und sie verschwindet im wolkigen Weißt-du-noch-damals.</p>
<p>Sina ist zu verblüfft, um etwas zu entgegnen, aber Leona scheint auch nichts zu erwarten, sie setzt sich ermattet auf ihren Stuhl und drückt die Zigarette aus. &#8220;Ist das wahr?&#8221;, fragt Marion, und Sina nickt, woraufhin sich alle auf sie stürzen, ach, gar nicht mal auf sie, auf das Thema, wie kam es dazu, wie kannst du nur, bist du der Grund, dass er Leona verlassen hat? Am meisten sprechen Marion und Hannes, war ja klar, Leonas beste Freundin und Mister Ich-habe-zu-allem-was-zu-sagen-hört-mir-zu. Nur Leona selbst sagt nichts, guckt nur von einem zum anderen, wischt sich mit dem Handrücken die letzten Tränen aus dem Gesicht und wirkt plötzlich ganz eins mit sich und der Welt, ganz ruhig. Leona hätte auch „dass du mit ihm schläfst“ sagen können, denkt Sina kurz.</p>
<p>Sie hat keine Lust, sich zu entschuldigen, und tut es dann doch, schwach zwar nur, halbherzig, aber dennoch: &#8220;Sie waren schon getrennt, als es begonnen hat.&#8221; Es. Begonnen. Plötzlich sehnt sie sich fast schmerzlich nach seiner Haut. In einem Zug trinkt sie ihr Glas aus und steht auf. &#8220;Okay Leute, ich gehe dann mal&#8230;&#8221;<br />
Sie ist schon an der Wohnungstür, als Leona ihr hinterherkommt. &#8220;Warte!&#8221; Sina dreht sich um. &#8220;Ich weiß, dass du nicht der Grund bist&#8221;, sagt Leona. &#8220;Es macht mich krank, dich bei ihm zu wissen, aber mir ist klar, dass du nichts dafür kannst. Du&#8230; Wir sind ja nicht mal befreundet, du und ich&#8230;&#8221; Sina zuckt mit den Schultern. &#8220;Werden wir wohl so schnell auch nicht sein, was?&#8221; Und dann lachen sie plötzlich beide, für eine Sekunde ist alle Bitterkeit verschwunden, sie umarmen sich kurz, als gäbe Leona Moritz frei. Was natürlich so nicht stimmt, aber manche Illusionen sind es wert, gelebt zu werden. Zumindest ein bisschen. In Leonas Augenwinkeln beginnt es wieder zu glitzern. &#8220;Viel Glück&#8221;, flüstert Sina. Im Türrahmen der Küche steht Jack und wartet, Sina geht, die anderen bleiben, sie läuft durchs Treppenhaus, läuft nach Hause und fühlt sich leicht und schwer zugleich.</p>
<p>Mein Körper liebt ihn schon, denkt sie, nur mein Herz hinkt noch hinterher. So leise es geht, dreht sie den Schlüssel im Schloss herum, obwohl sie ja will, dass er aufwacht. Sie schleicht ins Schlafzimmer, küsst ihn auf die Schläfe, er ist noch ganz warm und weich und schwach vom Schlaf, ein Kind. Das muss sie aufschreiben, denkt sie, &#8220;warm und weich und schwach vom Schlaf, ein Kind&#8221;, das klingt hübsch und zärtlich und vertraut, nicht so fremd, wie er ihr noch ist, Moritz. &#8220;Hab ich dich geweckt?&#8221;, fragt sie, und er schüttelt den Kopf: &#8220;Ich war noch wach.&#8221; &#8220;Du schwindelst!&#8221; Sie lacht und streicht ihm eine Locke aus dem Gesicht. &#8220;Siehst ganz verpennt aus.&#8221; Er gähnt, &#8220;hast recht&#8221;, noch weiß sie nicht, dass er kurz nach dem abrupten Aufwachen immer leugnet geschlafen zu haben, nicht absichtlich, er ist selbst überzeugt von dem, was er sagt.</p>
<p>Jetzt schlingt er die müden Arme um sie, zieht sie aufs Bett, küsst sie, schiebt seine Hand unter ihr Kleid. Er trägt einen Schlafanzug, das rührt sie. Die Männer vor ihm haben alle in Slip und T-Shirt geschlafen. Du baust dein Glück auf Leonas Seelensplittern, denkt sie, drängt den Gedanken aber beiseite. Irgendwann geht es eben nicht mehr anders, irgendwann hat jeder seine Narben, sie küsst ihn zurück, er zieht ihr das Kleid aus, umfasst ihre Brüste und streicht mit den Daumen darüber, durch den dünnen Stoff seiner Hose spürt sie sein pochendes Glied, sie will den Moment festhalten, mag diese kleine Barriere aus Baumwolle, die ja doch nicht bremst, aber der Moment vergeht, und es folgt ein zweiter, ein dritter, er dringt in sie ein, und sie denkt nicht mehr, fühlt.</p>
<p>Später liegen sie stumm nebeneinander, Sinas Blick fällt auf die Fensterbank. Auf den samtigen Usambaraveilchen in den lila Keramiktöpfchen glitzern Wassertropfen. „Hast du meine Blumen gegossen?“, fragt sie, er lächelt im Halbschlaf und nickt in sein Kissen, unklar, ob das als Antwort gemeint war oder ob er schon träumt. Draußen geht langsam die Sonne auf und taucht das Zimmer in orange-violettes Licht. Sie guckt ihm beim Schlafen zu und dann an die Decke. Ist es Liebe? Noch nicht.</p>
 <p><a href="http://himmelende.de/?flattrss_redirect&amp;id=2212&amp;md5=5c12a71811cb0bffa9b53b10a3796a8e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://himmelende.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Oder ich werde</title>
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		<pubDate>Sat, 02 May 2009 11:39:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
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		<category><![CDATA[gedankenspiel]]></category>
		<category><![CDATA[monolog]]></category>
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		<description><![CDATA[Berufswunsch: Schriftsteller. Abgemacht, ich nehme die Schrift und stelle sie auf, stelle sie hin, irgendwohin. Ins Internet zum Beispiel, das mache ich ja jetzt bereits.
Oder ich werde Verleger. Nehme die Dinge, nicht auseinander, sondern zunächst an mich, um sie in Schritt Nummer Zwei zu verlegen. Auch hier wieder gilt: irgendwohin. Und zwar so, dass niemand sie findet. Und fragen mich dann alle danach, zucke ich mit den Achseln, setze mein poliertestes Unschuldslammlächeln auf und sage verlegen: verlegt. <a href="http://himmelende.de/2009/05/02/oder-ich-werde/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das neue Wir saß am Schreibtisch und lernte ernsthaft. Ehrlich.<br />
Davor formulierte es aber folgende Zeilen.<br />
Berufswunsch: Schriftsteller. Abgemacht, ich nehme die Schrift und stelle sie auf, stelle sie hin, irgendwohin. Ins Internet zum Beispiel, das mache ich ja jetzt bereits.<br />
Oder ich werde Verleger. Nehme die Dinge, nicht auseinander, sondern zunächst an mich, um sie in Schritt Nummer Zwei zu verlegen. Auch hier wieder gilt: irgendwohin. Und zwar so, dass niemand sie findet. Und fragen mich dann alle danach, zucke ich mit den Achseln, setze mein poliertestes Unschuldslammlächeln auf und sage verlegen: verlegt.<br />
Oder ich werde Kritiker. Ein Bücherpapst, also Bichärr-Papst. Angesehen, elegant. Ganz eloquent erklär ich dann die Sachverhalte dieser Welt. &#8220;Dieses Buch beginnt erst mit Kapitel Drei. Wo die ersten Zwei geblieben sind erfährt der Leser nicht.&#8221;<br />
Oder ich werde interplanetarischer Sprachpanscher, ein Wortastronaut, ein Psychonaut, der wild um sich haut, auf der Schattenseite der Vernunft.<br />
Oder mache es dem Kinski gleich, werde Sexmaniac und Blutsäufer zugleich und beschwere mich ständig über dieses oder jenes oder anderes.<br />
Oder ich werde Erzschurke und später dann die Lichtgestalt. Hey Hey Hero! Gefeiert, dann gefallen; abgeschossen, ausgestopft und abgestellt in die Vitrine des Naturkundemuseums. Bei Zeiten werde ich abgestaubt.<br />
Oder ich werde Extremnarr, ein Blödelbarde, und nachem der Vorhang der letzten Klischeevorstellung fällt, schnappe ich mir die Beute und verschwinde auf meine Pirateninsel.<br />
Oder ich werde dies und das und alles und nichts.</p>
 <p><a href="http://himmelende.de/?flattrss_redirect&amp;id=2175&amp;md5=d488ee2807ef7cf6766f6b23d08fc4ec" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://himmelende.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wortschleimabsondernd</title>
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		<pubDate>Fri, 01 May 2009 10:07:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Bring ich mit, wenn wir uns treffen. Und dann gehen wir&#8230;&#8221; &#8220;13 oder 14, ich weiß es nicht, auf jeden Fall ne Menge&#8230;&#8221; &#8220;Immer dann, wenn du deine Tage hast! Immer dann&#8230;&#8221; Da laufen sie und stehen sie und sprechen &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/05/01/wortschleimabsondernd/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Bring ich mit, wenn wir uns treffen. Und dann gehen wir&#8230;&#8221;<br />
&#8220;13 oder 14, ich weiß es nicht, auf jeden Fall ne Menge&#8230;&#8221;<br />
&#8220;Immer dann, wenn du deine Tage hast! Immer dann&#8230;&#8221;</p>
<p>Da laufen sie und stehen sie und sprechen und schreien und quaken ganz laut und schrill und aufgebracht, so als ob es die wichtigste Sache der Welt sei; oder mal leise, mal zärtlich flüsternd, wispernd; streicheln diese&#8230; diese Dinger. Diese Plastikdinger. Oder ist das Metall? Aluminium? Die sind so klein und so handlich. Und leicht, scheinbar.</p>
<p>Es surrt, es fiept und piept und bimmelt und dann greifen sie in die Jackentasche oder Hosentasche oder in irgendeine andere Tasche ihrer wasserabweisenden Gore-Tex Multifunktionskleidung und zücken eines dieser&#8230; dieser&#8230; na eben eines dieser Dinger heraus.</p>
<p>Und manchmal klingelt es bei ihnen aber sie machen nichts, also, sie greifen in keine Tasche, sondern gehen auf dem Trottoir auf und ab und sprechen mit sich selbst, wie Schizophrene; oder sprechen in Knubbel auf langen weißen Kabeln, die aus ihren Ohren zu fließen scheinen. Und sie wirken so voll und beschäftigt, wenn sie dieses breite, junge Hipster-Gequatsche unter der Sonne der ersten Welt ausbreiten (die scheinen würde, wäre sie nicht von graugrimmigen Wolken verstellt). Und sie wirken glücklich und zufrieden mit ihren scheinbar so gewichtigen Eindrittelproblemen.</p>
<p>&#8220;Entschuldigung&#8221;, frage ich einen Menschen, der in seiner Hast- und Rastlosigkeit des Vorbeieilens mich doch einen Augenblick wahrnimmt. &#8220;Entschuldigung&#8221;, wiederhole ich mich und deute auf das, was sie &#8220;Handys&#8221; nennen. &#8220;Steckt dort Wahrheit drin?&#8221; Ein verdutzter Blick, die Kinnlade des Mannes würde wohl zu Boden fallen, hielt sein Mundwinkel nicht eine Zigarette fest.<br />
&#8220;Was?&#8221;<br />
&#8220;Ich meine, verstehen sie mich bitte nicht falsch aber: Ich bin neu hier und schreibe, also, soll etwas schreiben aber es klappt nicht und dafür kann ich nichts.&#8221;<br />
&#8220;Was?&#8221;<br />
&#8220;Ja-haa, schreiben! Ich bin Großillusionist in der Hokus-Pokus Krise. Und das Erkenntnisgeschäft läuft schlecht, sehr schlecht.&#8221;<br />
&#8220;Was?&#8221;<br />
&#8220;Also, diese Mobiltelefone, oder, wie sie sie auch immer nennen: Spricht da so etwas wie der Geist aus der Maschine? Kommen da Ideen raus? Poesie? Irgendwas?&#8221;</p>
<p>Der Mann sagt jetzt gar nichts mehr und betrachtet mich glubschäugig, wie ein frisch geficktes Eichhörnchen. Ich frage ihn, ob er mit einem dieser Dinger jemals ein Gedicht bekommen hat und er nimmt das Handy in die Hand und beide strahlen. Ja, habe er. Dies hier:</p>
<p>Ein Pferd hat vier Beiner,<br />
an jeder Ecke einer.<br />
Drei Beiner hätt:<br />
umfallen tät.</p>
<p>Auch eine Wahrheit</p>
 <p><a href="http://himmelende.de/?flattrss_redirect&amp;id=2165&amp;md5=e6944ceb377792e30b8769373e1c39e9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://himmelende.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sonnenblume</title>
		<link>http://himmelende.de/2009/04/26/sonnenblume/</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 09:35:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carmen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stories]]></category>
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		<category><![CDATA[beziehung]]></category>
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		<description><![CDATA[„Stell dir vor, du könntest die Zeit in Fetzen reißen, alles neu zusammensetzen und dann noch mal im Mosaik leben“, sagt Marie und lacht. Sie sagt öfter solche Sachen. Und sie lacht die ganze Zeit. Deshalb hat Nils sich in Marie verliebt und kaut nun Mangostücke, die sie von der Frucht schneidet und ihm in den Mund schiebt, obwohl er sich nichts daraus macht. Nichts aus Obst und eigentlich auch nichts aus solch schrägen Gedanken, wie Marie sie immer hat. Aber heute scheint die Sonne. <a href="http://himmelende.de/2009/04/26/sonnenblume/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Stell dir vor, du könntest die Zeit in Fetzen reißen, alles neu zusammensetzen und dann noch mal im Mosaik leben“, sagt Marie und lacht. Sie sagt öfter solche Sachen. Und sie lacht die ganze Zeit. Deshalb hat Nils sich in Marie verliebt und kaut nun Mangostücke, die sie von der Frucht schneidet und ihm in den Mund schiebt, obwohl er sich nichts daraus macht. Nichts aus Obst und eigentlich auch nichts aus solch schrägen Gedanken, wie Marie sie immer hat. Aber heute scheint die Sonne.</p>
<p>Gestern Abend, an seinem achtzehnten Geburtstag, hat Marie ihn zum ersten Mal geküsst, und weil sie es beide noch nicht anders kennen, war das ein Kuss, der bedeutet: Jetzt gehören wir zusammen. Er liegt auf dem Rücken, an seinen nackten Füßen kitzelt das Gras und in seinem Gesicht kitzeln Maries Locken. Als er die Augen einen Spaltbreit öffnet, sieht er flirrendes Gold. Ihr blondes Haar riecht nach Sommer. Ein bisschen ungewaschen, nach Baggersee, Blütenstaub und „Sunflower“, ihrem Parfüm. „Interessant wären die Stellen, an denen sich die einzelnen Fetzen überlappen“, geht er auf ihr Gedankenspiel ein, doch sie kichert und hat die Zeitfetzen offenbar schon wieder vergessen. „Ich hol uns ein Eis.“ Auch das ist typisch für sie. Sie fragt gar nicht, ob er überhaupt will. Noch stört ihn das nicht, noch macht es ihn nur verliebter in sie, denn er hat tatsächlich vorhin an Eis gedacht. Sie kann Gedanken lesen, denkt er. Meine Gedanken. Später werden ihn solche Situationen wütend machen, genau wie ihre Sprunghaftigkeit, erst nur ganz wenig und irgendwann richtig, obwohl sie immer noch oft seine Wünsche errät. Aber darauf kommt es nicht immer an.</p>
<p>Jetzt kehrt sie zurück, mit genau der Sorte, die er sich gewünscht hat, was nicht schwierig war, denn er hat sich gewünscht, dasselbe zu essen wie sie. Zwei Cornetto Zitrone also in ihren Händen. Er greift nach einem, da hält sie ihn fest. &#8220;Erst einen Kuss!&#8221; Sie ist eine, die immer bekommt, was sie will. So ein Glück, Glück, Glück, dass sie ihn gewollt hat. Will. Er ist das, was man einen Spätzünder nennt, während sie schon einige Jungs gehabt hat vor ihm. Zumindest erzählt man sich das, weil sie so hübsch ist und so lustig und weil sie die angeblichen Affären nie leugnet. Irgenwann wird er erfahren, dass die Hälfte der Geschichten nicht stimmt. Die andere Hälfte aber doch, und die genügt ihm eigentlich schon. Er wäre gern ihr erster Mann, und die Vorstellung von Marie in den Armen eines anderen macht ihn krank. Gleichzeitig spannt seine Badehose, wenn er daran denkt, und er dreht sich auf den Bauch. Da spürt er ihren Körper auf seinem Rücken, ihre Brüste auf seinen Schulterblättern, ihre Lippen auf seinem Ohr, ihre Zunge an seinem Hals. &#8220;Das ist unfair!&#8221;, stöhnt er und beißt sich die Lippe rot. Bloß nicht hier, bloß nicht jetzt! Sie lacht und rutscht weiter auf ihm herum. Leckt das Eis ab, das auf seine Haut tropft. Nicht besonders raffiniert oder geschickt, aber so unbekümmert und selbstverständlich, dass es ihn wahnsinnig macht. Marie!</p>
<p>Nils und Marie lieben einander zweieinhalb Sommer lang. Sie ist das erste Mädchen, für das er Blumen pflückt, das erste, für das er die Schule schwänzt (bis dahin galt er als Streber), das erste, für das er Gedichte schreibt (tatsächlich!) und das erste, mit dem er schläft. Das Ende kommt schleichend und unspektakulär. Irgendwann ist ihre gemeinsame Zeit vorbei, Marie spürt und sagt es als erste, doch in Nils regt sich wenig Widerspruch. Bei der letzten Umarmung weinen beide und wollen einander nicht loslassen, doch ein wenig erleichtert sind sie doch. Jetzt kann das Leben weitergehen, Freiheit, all die Möglichkeiten, auf die Plätze, fertig, los. Wenige Monate später geht Marie als Au-pair-Mädchen nach Los Angeles und bleibt länger als geplant, beinahe zwei Jahre. Man sagt, die sei die Freundin eines amerikanischen Seifenopern-Stars geworden, doch Nils bekommt davon wenig mit, da er die Kleinstadt zum Studieren verlassen hat und sein Leben nun ein anderes ist, eins ohne Marie. Als sie zurückkommt und ihn besucht, ist ihr Haar geglättet, auf Kinnlänge gekürzt und noch blonder als zuvor. &#8220;Die Sonne!&#8221; erklärt sie strahlend und fällt ihm um den Hals. Er erwidert ihre Umarmung. Sie ist ihm fremd. Einen Kaffee trinken sie dennoch zusammen und dann drei Gläser Wein, worauf es zum Kuss kommt und ganz selbstverständlich eins zum anderen führt. Maries Bewegungen sind routiniert, ihre Zunge, ihre Hände machen alles richtig, so richtig, dass Nils vor lauter Perfektion fast die Lust vergeht. Doch nach einer Weile wird sie weich und verspielt und fast wieder seine Marie. Zwei Wochen lang schlafen sie miteinander, so oft es geht, bis ihnen schwindlig ist vor Erschöpfung, ihre Haut ganz wund und ihre Haare verklebt. Dann ist es endgültig vorbei.</p>
<p>Marie ist der Anfang. Nach ihr liebt Nils einige, und als er in einem Alter ist, in dem Männer gewöhnlich heiraten, heiratet er die Frau, die er zu diesem Zeitpunkt liebt, was nicht die schlechteste Wahl ist, vielleicht sogar die beste. Sie bekommen eine Tochter, die rabenschwarzes Haar hat wie ihre Mutter und die er liebt wie keinen Menschen zuvor. Wenige Wochen nach ihrem achten Geburtstag liegt er mit ihr am See, streicht ihr über den Kopf, über die maisgelben Spängchen, die Stirn und wundert sich über die kleine Grübelfalte zwischen ihren Brauen. Die Sonne brennt. &#8220;Mein ernstes Mädchen&#8221;, denkt er voll Sehnsucht und Sorge und Zärtlichkeit, doch da erhellt sich plötzlich ihr Gesicht, und die dunkelbraunen Augen blitzen, als wären sie blau. &#8220;Papa&#8221;, fragt sie, &#8220;kann das sein, dass ich gleichzeitig hier bin und ganz woanders? Dass mein Leben viele Knicke hat und ich vielleicht gleichzeitig ich und schon ganz alt bin oder jemand anders?&#8221; Sie schüttelt den Kopf, denkt noch mal kurz nach. „Oder nein, jemand anders vielleicht nicht. Aber ich in alt, das glaube ich manchmal schon, dass das geht. Oder, Papa?“ Er streicht ihr weiter übers Haar. Maries Mosaik. Etwas kitzelt in seinem Gesicht. Er steht auf, kauft Zitroneneis und stolpert beinahe über einen herumliegenden Ast. Schließlich sagt er: &#8220;Ja, mein Engel. Ja, das kann sein.&#8221;</p>
 <p><a href="http://himmelende.de/?flattrss_redirect&amp;id=2138&amp;md5=20f137cf587bf359609f01bebf9f261b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://himmelende.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Man malt sich oft aus</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Apr 2009 15:12:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tango Paris</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stories]]></category>
		<category><![CDATA[dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[geheimnis]]></category>
		<category><![CDATA[gespenster]]></category>
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		<category><![CDATA[vergangenheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Man malt sich oft aus, wie man die Gespenster der Vergangenheit, sollten sie unerwartet vor einem stehen, vertreiben oder verprügeln würde. Der Freund, der sich in dasselbe Mädchen verliebte, der Lehrer, der einen vor der Klasse demütigte oder, oder, oder. &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/04/05/man-malt-sich-of-aus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man malt sich oft aus, wie man die Gespenster der Vergangenheit, sollten sie unerwartet vor einem stehen, vertreiben oder verprügeln würde. Der Freund, der sich in dasselbe Mädchen verliebte, der Lehrer, der einen vor der Klasse demütigte oder, oder, oder.</p>
<p><a href="http://himmelende.de/wp-content/uploads/2009/04/Die-hohe-Kunst-der-Indisktretion.jpg" rel="lightbox[1876]"><img class="alignleft size-medium wp-image-3436" title="Die hohe Kunst der Indisktretion" src="http://himmelende.de/wp-content/uploads/2009/04/Die-hohe-Kunst-der-Indisktretion-285x196.jpg" alt="" width="285" height="196" /></a>Es sind die großen und kleinen Kränkungen, die nicht weichen wollen und sich in lauen Momenten ins Gedächtnis schleichen. Man denkt, man könnte sie dadurch überwinden, dass man über sie redet, aber das stellt sich als eitle Hoffnung heraus. Die, denen wir unsere Geheimnisse (es sind Geheimnisse die wir hüten, wie Narben aus einem vergessenen Krieg) anvertrauen um in ihren Augen Gnade oder Zuneigung zu finden, verstehen uns meistens nicht. Sie können nur das verstehen, was sie selbst, zumindest in ähnlicher Form erlebt haben. Das Bett löst die Zunge und wir verraten dort fast alles um Gnade zu finden, in den Augen oder (das Licht wird gelöscht) in den Armen des anderen, der uns mit verstehender Stimme sagen soll, dass wir von den Dämonen erlöst sind, die auch er kennt. Vor Jahren lag ich mit einer Frau in einem Bett in einem Hotel in einer Stadt, die für uns beide fremd war. Wir redeten über die üblichen Dinge, vergangene Liebschaften, die im Licht der Gegenwart immer ein wenig lächerlich und vergebens wirken, über Dinge, die uns oder gemeinsamen Bekannten zugestoßen sind. Es liegt oft ein wenig Verachtung darin, wenn man mit einem vertrauten Menschen über das Unglück eines Menschen spricht der früher der Vertraute war &#8211; wir verraten die Vergangenheit.<span id="more-1876"></span></p>
<p>Ich lag neben der Frau, die nicht mehr so nackt war, wie noch vor ein paar Stunden, als es dunkel war, und wollte, dass sie mich versteht, oder vielmehr, dass sie mich so sieht, wie ich mich selbst sehe und gesehen werden möchte. Immer will man mehr sein als man ist, der Clown will, dass man seine Meinung über die Politik eines x-beliebigen Landes anhört ohne zu lachen, der Hässliche will, dass man seine zarte Seite sieht, die er nicht zeigen kann, aus Furcht vor dem Spott. Auch die, die mit dem Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgeben zufrieden sein könnten, wollen mehr sein als dieses Bild. Der Gutmütige will geheimnisvoll wirken und der Sanfte  wild. Ich wollte in einem Moment der Wilde sein, der der Frau neben mir zeigt, dass ich als Kind und Jugendlicher alles andere als brav war, als müsste ich betonen, dass ich  Fabrikhallen angezündet und Autos demoliert habe. Sie hörte freundlich interessiert zu, aber ich konnte eben nicht aus meiner Haut. Es gibt Menschen denen man sofort glaubt, dass sie als Jugendlicher Fabrikhallen angezündet und Autos demoliert haben, man kann sich bei ihnen eigentlich nichts anderes vorstellen, als solche Beschäftigungen und dann gibt es die anderen, bei denen man es sich zwar vorstellen kann,  es einem aber dennoch überrascht und man fragt gleich: Wie konnte  dir denn das passieren?  So als ob man  durch seltsame Zufälle in eine Situation gerät, die dem Naturell, das man hat, nicht entspricht. So war es bei mir, ich wirkte zwar nicht wie ein Chorknabe (ich kannte tatsächlich einen Chorknaben, den ich nicht ausstehen konnte) aber auch nicht wie ein  Brandstifter, ich lag irgendwo im Bereich dazwischen, wie die meisten, und im Alltag  war ich damit auch immer zufrieden, aber im Bett mit einer Frau will man mehr sein als man ist, deswegen die Geschichte mit dem Brand und den demolierten Autos, die zwar wahr ist, aber nicht  typisch für mich. Später beschrieb ich der Frau eine Situation aus meiner Schulzeit. Es war der Tag der Zeugnisvergabe, ein Termin der während meiner gesamten Schulzeit ein Tag der Spannung und Angst war. Der Lehrer stand am  Pult gelehnt vor der Klasse, die Zeugnisse in der Hand. Er rief nach und nach die Namen der Schüler auf, die dann das Zeugnis bekamen, dazu sprach er den ein oder anderen persönlichen Kommentar: Anita, du bist fleißig, aber in Deutsch kannst du mehr, Patrick, du könntest in Mathematik viel mehr als du zeigst, Simone, eine Eins in Sport, sehr gut.  So ging es vor sich, der eine wurde gelobt, der andere ermutigt, mancher ermahnt. Am Ende hatte er nur noch ein Zeugnis in der Hand und da ich noch nicht an der Reihe war, musste es meines sein. Statt es mir mit einem Lob oder Tadel zu überreichen tat er allerdings etwas anderes. Er stellte sich vor mich, nahm mein Zeugnis in beide Hände und zerknüllte es, dann hob er es hoch, zeigte es der Klasse und sagte, dass er meine letzte Schularbeit so zerknittert  zurückbekommen habe, wie es nun das Zeugnis sei, dann reichte er mir das zerknitterte Blatt und fragte mich, was ich  meinen Eltern sagen würde, wenn sie mich fragen sollten, wieso das Zeugnis so zerknittert sei. Ich antwortete leise, sehr leise, dass ich ihnen sagen würde was geschehen sei, wusste in dem Moment aber was das bedeuten würde. Ich müsste ihnen die ganze Geschichte erzählen und sie würden sowohl vom Zustand meiner Schularbeit erfahren als auch von deren Existenz, die ich vor ihnen lieber geheim gehalten hätte. Darauf sagte er, dass meine Eltern mir das wohl kaum glauben würden und dass er, sollte man ihn fragen, sagen würde, dass er mir das Zeugnis in tadellosem Zustand gegeben hätte. Dann schaute er die Klasse an und fragte ob von ihnen denn einer gesehen hätte, dass er mein Zeugnis zerknittert habe. Keiner sagte ein Wort, nur einer, er schaute den Lehrer ebenso fragend an wie der Lehrer die Klasse und sagte: Wie, was ist denn passiert? Ich habe nichts gesehen. Danach herrschte Schweigen im Klassenzimmer, der Lehrer zuckte bedauernd die Schultern und sah mich an, ich schaute die Tischplatte an, ich weiß nicht wie lange, irgendwann ging er dann zum Pult und zog aus seiner Aktentasche ein Blatt, das sich als mein echtes Zeugnis herausstellte, das zerknitterte war eine Kopie gewesen. Dieses Erlebnis hatte ich der Frau erzählt, die mit mir im Bett lag, sie zuckte die Schultern und meinte, dass Lehrer manchmal blöd wären.<br />
Mehr sagte sie nicht.</p>
 <p><a href="http://himmelende.de/?flattrss_redirect&amp;id=1876&amp;md5=3b0be8a75f8127b08574d64152155c61" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://himmelende.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das waren wir. Erinnerungen an ein halbes Jahr.</title>
		<link>http://himmelende.de/2009/03/14/das-waren-wir-erinnerungen-an-ein-halbes-jahr/</link>
		<comments>http://himmelende.de/2009/03/14/das-waren-wir-erinnerungen-an-ein-halbes-jahr/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 14 Mar 2009 11:55:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gewitterhexe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stories]]></category>
		<category><![CDATA[beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[liebe]]></category>
		<category><![CDATA[monolog]]></category>
		<category><![CDATA[sehnsucht]]></category>
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		<category><![CDATA[vernunft]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit du gegangen bist, ist mein Körper traurig. Weinen kann ich kaum. Die Trauer ist tief in mir vergraben. Ich lenke mich bis zur Erschöpfung ab, lese, bis mir die Augen zufallen, bin so abgelenkt wie möglich und so wenig &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/03/14/das-waren-wir-erinnerungen-an-ein-halbes-jahr/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit du gegangen bist, ist mein Körper traurig. Weinen kann ich kaum.<br />
Die Trauer ist tief in mir vergraben. Ich lenke mich bis zur Erschöpfung<br />
ab, lese, bis mir die Augen zufallen, bin so abgelenkt wie möglich und<br />
so wenig traurig wie nur irgend geht.</p>
<p>Unser erster Kuss hat mir nichts bedeutet, du weißt. Ich erzählte es dir<br />
Monate später. Es war eine Laune, es war Sommer, es war eine warme<br />
Nacht, es wurde schon wieder Morgen. Warum ich es tat, das kann ich<br />
bis heute nicht mit Sicherheit sagen, aber ich weiß, es war nicht, weil ich<br />
dich wollte. Nicht so. Das kam erst später. Als meine Hand frisch operiert<br />
und verbunden war, unser erstes Wochenende. Wir verbrachten viel mehr<br />
Zeit miteinander als geplant, aus einem Kaffee wurde ein ganzes langes<br />
Wochenende, das letzte Wochenende des Sommers (so zumindest<br />
erinnere ich es). Wir kannten uns noch kaum, doch etwas in meinem<br />
Inneren sagte „vertrau ihm“ und ich vertraute dir und es war das<br />
Selbstverständlichste von der Welt, als ich zu dir sagte „zieh mich aus“<br />
und „zieh mich an“ und „schneide mir bitte eine Scheibe Brot“. Als du<br />
zum ersten Mal mit mir in meinem kleinen Bett übernachtet hast, als ich<br />
erwachte, als ich mich in deinen Armen fühlte wie im Sonnenschein. Ich<br />
fühlte mich angekommen. Wir konnten uns danach nie einigen, an<br />
welchem Tag unser Wir begonnen hatte, aber für mich war es klar: es<br />
war jener, als ich morgens neben dir erwachte und mich in deiner Wärme<br />
sonnte.</p>
<p>Unsere Beziehung war nicht einfach, viel gemeinsam haben wir nicht. Du<br />
magst amerikanische Serien und ich deutsches Autorenkino, ich gehe gern<br />
in Museen, du prinzipiell nicht. Meine bunten Socken fandest du kindisch,<br />
ich dein Zimmer viel zu karg. Ich koche gern und wenn du wieder Nudeln<br />
mit Pesto und Gouda essen wolltest, konnte ich mich des Gefühls nicht<br />
erwehren, du gibst dir keine Mühe für uns. Ich mache gern Komplimente,<br />
du warst sparsam damit und davon peinlich berührt. Es hat Monate<br />
gedauert, bis sich unsere Körper miteinander bekannt gemacht und<br />
angefreundet hatten.</p>
<p>Mir fiel es schwer zu sagen, was ich an dir mochte, dir erging es ebenso.<br />
Ich hatte immer Hunger nach Liebe, an dir, bei dir und mit dir wurde ich<br />
nicht satt, du hast das wohl gespürt. Ich fühlte mich ungenügend, weil du<br />
mit deiner Zuneigung so sparsam warst, du fühltest dich ungenügend,<br />
weil ich immer nach mehr verlangte, als du zu geben bereit warst (oder<br />
geben konntest, ich weiß es nicht). Unzulänglichkeiten. Unzufriedenheit.<br />
Unglück.</p>
<p>Ich wollte gern mit dir Alltag teilen, aber nicht Alltag für dich sein, doch<br />
viel zu oft fühlte es sich für mich so an.</p>
<p>Und doch hatte ich in den letzten Wochen das Gefühl, dass wir einander<br />
näher rücken. Eine Erinnerung, die noch ganz frisch ist: Nach einer Party<br />
gehen wir durch die nächtliche Stadt zu dir, du schließt deine Augen,<br />
willst von mir so heimgeführt werden. Die Löcher im Asphalt, die<br />
Bordsteine, die Ampel, meine Beschreibung der Welt und die Geräusche<br />
der Autos, der Passanten, der Vögel, dienen dir als Orientierung. Du<br />
warst so konzentriert und ich meine zu spüren, es bereitet dir große<br />
Freude. Und ich freue mich an deiner Freude und ich bin von deinem<br />
Vertrauen so gerührt.</p>
<p>Und doch war die Wärme deines Rückens, wenn ich mich an ihn<br />
schmiegte, für mich trotz allem stets viel mehr als nur dies: ein warmer<br />
Rücken.</p>
<p>Mir ist zu kalt, mir ist zu warm, ich bin erschöpft, ich kann nicht schlafen.<br />
Ich erwache so müde, wie ich am Abend zu Bett gegangen bin, an meine<br />
Träume kann ich mich nicht erinnern, nur ihre Schwere spüren. Mein<br />
Körper trauert, er vermisst dich schon mit aller Wucht, er vermisst deinen<br />
Körper, deine Haut, deine Wärme. Er vermisst dich auf eine ganz eigene<br />
Weise; er spürt genau, was ich noch längst nicht verstehen will,<br />
verstehen kann: dass wir für immer das letzte mal Haut an Haut waren.<br />
Dass unsere Beziehung zwar mehr als etwas Halbes, aber auch nichts<br />
Ganzes war, dass niemand ein halbes oder ein zweidrittel Glück will, dass<br />
das weh tut, für die eine mehr und den anderen weniger, aber letztlich<br />
für beide.</p>
<p>Es ist Februar und überall sind Vögel. Es ist Nacht, es regnet. In meinem<br />
Hinterhof singt ein Vogel wie im Frühling und das ist weniger als ich noch<br />
vor Tagen vom Leben erwartet habe und mehr als ich mir momentan zu<br />
erhoffen wage. Ein kleines, kostbares Glück. Über die nächtliche,<br />
regnerische Stadt ziehen die Kraniche, sie schreien, sie kommen schon<br />
aus dem Süden. Hoch oben, auf einem Hügel nahe beim Dorf meiner<br />
Kindheit sitzen die schwarzen großen Raben in den Bäumen über den<br />
Feldern, über den Disteln, über den Steinen. Hier scheint sich alles zu<br />
schließen, ist das Regression oder bin ich am Anfang, um von hier aus<br />
neu beginnen zu können, brauche ich diesen Punkt, um mich von hier aus<br />
abstoßen können, alles auf Start, rewind and play.</p>
<p><em>and out through the chimney<br />
and into the sky<br />
the clouds they are empty<br />
and a bird flies by </em></p>
<p>Wie du zur Begrüßung im Kreis winkst,<br />
wie du trinkst und dann ein zufriedenes Geräusch machst wie in der<br />
Werbung,<br />
wie du deine Stirn in Falten legst, wie sie sich entspannt, selten aber<br />
manchmal,<br />
wie du beim Zähne putzen Gymnastik machst,<br />
wie sich dein Hinterkopf in meiner hohlen Hand anfühlt,<br />
wie du uns zum Frühstück Espresso mit Milchschaum zubereitest und Ei<br />
und Brot und Müsli,<br />
wie wir uns nahe sind, Hand in Hand, Bauch an Rücken und Rücken an<br />
Bauch.</p>
<p>All das wird bleiben, nah und warm. Und es gibt keinen Grund, dir<br />
wütend und von dir enttäuscht zu sein. Aber wir konnten einander kein<br />
Glück sein. Wir waren einander ungenügend, wohl nicht einmal<br />
ausreichend, schon gar nicht: gut. Zumindest nicht unter dem Strich,<br />
zumindest nicht, wenn du ihn ziehst. Das habe ich verstanden. Es hat<br />
seine Richtigkeit. Doch sehe ich es trotz allem anders, zumindest noch<br />
jetzt; und verstehen ist nicht dasselbe wie überstehen, das sangen schon<br />
die Sterne. Und eine Schwalbe macht noch keinen Frühling.</p>
<p>„Auf Wiedersehen. Wenn du magst“ hast du zum Schluss gesagt.</p>
<p>Lass mir Zeit.</p>
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		<title>Sieben bis zehn Millionen</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 15:34:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
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<p>via <a href="http://www.datenform.de/blog/2009/01/sieben-bis-zehn-millionen.html">Datenform</a></p>
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		<title>This interview is over</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Nov 2008 16:33:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
				<category><![CDATA[No Name No Slogan]]></category>
		<category><![CDATA[dialog]]></category>
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		<category><![CDATA[monolog]]></category>
		<category><![CDATA[video]]></category>

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		<description><![CDATA[Gefunden via www.uiuiuiuiuiuiui.de]]></description>
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<p>Gefunden via <a href="http://www.uiuiuiuiuiuiui.de/?p=2048">www.uiuiuiuiuiuiui.de</a></p>
 <p><a href="http://himmelende.de/?flattrss_redirect&amp;id=961&amp;md5=18a21c6088ca9f88c56638a731170b3d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://himmelende.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Mutterprivileg</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Sep 2008 20:06:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rücklicht]]></category>
		<category><![CDATA[kritik]]></category>
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		<category><![CDATA[vernunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Angerempelt, ach was, halb totgefahren, doch stehen gelassen worden. Statt Entschuldigung nur ein Murren, ein verbiestertes Knurren. Dann hagelts Schimpfwörter, rechts und links fliegen sie mir um die Ohren. Geh vorsichtshalber in Deckung. &#8220;Passens doch auf! Gehens halt a bisserl &#8230; <a href="http://himmelende.de/2008/09/21/mutterprivileg/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Angerempelt, ach was, halb totgefahren, doch stehen gelassen worden. Statt Entschuldigung nur ein Murren, ein verbiestertes Knurren. Dann hagelts Schimpfwörter, rechts und links fliegen sie mir um die Ohren. Geh vorsichtshalber in Deckung. <em>&#8220;Passens doch auf! Gehens halt a bisserl weiter auf d&#8217;Seitn.&#8221;</em> Auf meiner Hose dicke schwarzbreite Gummiradschleifspuren.<br />
Fährt die mir also eiskalt mit ihrem Kinderwagen gegen&#8217;s Schienbein. Und über den Fuß. Diese Sozialautistin. Diese verzärtelte Husche aus dem Villenvorort. Ich bin so verwirrt, so frustriert verwirrt und kurzatmig, dass mir nichts drauf einfällt und ich mir einen freien Platz in der U-Bahn suche. Sonst stehe ich immer. Jetzt muss ich mich hinsetzen.<br />
Eigentlich mag ich Kinder. Und ich mag Mütter. Für gewöhnlich. (Ich baue mit dieser Aussage bewusst vorweg eine positive Grundstimmung auf, benutze das quasi als heuchlerische Pufferzone, um hernach ordentlich austeilen zu können. Also links antäuschen und dann mit der Rechten voll auf die Omme.) Aber es gibt eine Kategorie Mütter, die das Privileg ihres Mutterdaseins weidlich auskosten, um nicht zu sagen: ausnutzen; diese besonderen Privilegien auswringen wie einen Schwamm, bis er leer ist und klein und verschrumpelt und zu stinken beginnt, weil er vertrocknet. Und keiner sagt was. Genau die Mütter meine ich. Und so eine fuhr mir gerade die Zehen platt.<br />
Nach mehrmaligen Rammversuchen hat sie dann auch endlich ihren Kinderwagen in die U-Bahn hineingequetscht. Ihr breites Schmalzgrinsen versucht mich lieblächelnd gewogen zu stimmen. Schafft sie nicht. Stattdessen wendet sie sich den Anderen zu. Sagt nichts, sondern steht nur da, grinst dick und bräsig weiterhin wie ein Mondkalb, widerlich siegessicher. <em>Hallo? Schaut doch bitte! Hallo? Hallooo! Alle bitte mal herschauen. Iiihich bin nämlich eine Mutter. Mhm. Ich genieße besondere Privilegien.</em><br />
Darüber vergessen sie leider häufig genau die Fähigkeiten, die andere Menschen gesellschaftsfähig machen. Glückliches Miteinander und so. Dabei sollen ihnen ja auch bestimmte Privilegien zustehen. Kinder in die Welt setzen ist eine Sache. Sie aufzuziehen und ihnen ein akzeptables Maß an vernünftigen Grundwerten mit auf den Weg zu geben eine andere, respektable (weil aufopfernde) Sache. Wir Deutschen bekämen eh zu wenig Kinder, mehr davon ließen bestimmt nicht nur Statistiker- und Bund-der-Steuerzahler-herzen höher schlagen. Aber auf der anderen Seite (und das soll jetzt bitte unter uns bleiben) gehen mir diese speziellen Mütter, die es über alle Maßen wichtig haben ganz einfach &#8211; Entschuldigung &#8211; auf den Sack.<br />
Jetzt, ein paar Tage später scheint all das vergessen: die Gummiradschleifspuren auf der Hose, der blaue Fleck am Schienbein, der lädierte Zeh. Hab den Ärger einfach runtergeschluckt. Jedoch grad eben im Netz, ein Pop-Up, eine <a title="Prinzessin Lillifee" href="http://www.prinzessin-lillifee.de/" target="_blank">Lillifee</a>-Werbung. Da kam der ganze Scheiß wieder hoch. Dann tut das bloggen gut, um nicht in eine Duldungsstarre sozialer und moralischer Korrektheit zu verfallen, sondern sich beherzt kritisch zu äussern. Für gewöhnlich geht das auch sonst im Offlineleben prächtig. Es sei denn, man ist so erstaunt vom vierrädrigen Brutkasten, der einem langsam über die Zehen wälzt, dass man kein Wort mehr rausbekommt.</p>
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