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	<title>Himmelende &#187; seele</title>
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	<description>Everything will be okay in the end. If it’s not okay, it’s not the end.</description>
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		<title>Märchensplitter</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jun 2011 14:04:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carmen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das war keine Zeit, als wir uns fanden und wieder verloren, keine Zeit, kein Raum, keine Wirklichkeit. Etwas stand still, da waren nur noch wir, gefangen in einem Märchen, und alles, was glänzte, war Gold. Es war einmal ein Mädchen &#8230; <a href="http://himmelende.de/2011/06/18/marchensplitter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das war keine Zeit, als wir uns fanden und wieder verloren, keine Zeit,  kein Raum, keine Wirklichkeit. Etwas stand still, da waren nur noch wir,  gefangen in einem Märchen, und alles, was glänzte, war Gold.</p>
<p>Es  war einmal ein Mädchen mit bernsteinfarbenem Haar und Lippen weich wie  Rosenblättern, mit Augen, grün wie das Meer und Händen, gemacht, um  Klavier zu spielen, um Katzenkinder zu streicheln und irgendwann einen  Prinzen aus einer anderen Welt.<br />
Das war ich in meinen Gedanken.<br />
Die  Wahrheit, wenn man sie so nennen will, lag knapp daneben. Mein Haar  glänzte matt in rötlichem Blond und in das Grün meiner Augen mischten  sich all die Farben, die keine Namen hatten oder nur erfundene, die  niemand kennt. Ich besaß ein Keyboard, das ich selten hervorzog, und  meine Katze Scharsad war schon 13, wenn auch verschmust wie ein Baby.</p>
<p>An  meinem 20. Geburtstag fühlte ich mich so alt, dass ich mir überlegte zu  sterben, aber dazu war ich nicht unglücklich genug. Außerdem kamst  plötzlich du. Nichts an dir war wirklich schön, aber du konntest einem  in die Augen sehen wie kaum ein Junge in deinem Alter. Manche lernen das  nie und wer es lernt, dem sieht man die Anstrengung oft an, mit der er  sein Können erarbeitet hat. Du dagegen musstest über deinen Blick nicht  nachdenken, weil er zu dir gehörte wie dein Lächeln, deine Beine, dein  Haar, du sahst mich an, so warm und offen und auf irritierend  sympathische Art überlegen. Spöttisch gar, als wüsstest du um meine  zittrigen Knie.</p>
<p>&#8220;Herzlichen Glückwunsch.&#8221; Dein Atem roch nach Rauch.  Wir kannten uns nicht, aber jemand hatte dir gesagt, wer ich bin.  Geburtstagskind. Ich glaube, du hast mich sogar umarmt, zumindest ein  bisschen.<br />
Du trugst eine schwere, schwarze Kunstlederjacke  wie beinahe alle Jungs in dieser Zeit und kamst mit einem Freund in die  Kneipe, in der ich mich feiern ließ. Mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit gehörtet ihr für den Rest des Abends zu uns.<br />
Ich trank aus deinem Glas, und die anderen grinsten. Nur Steve nicht, der in mich verliebt war, wie er mir später einmal gestand. Als die Kneipe schloss, zogen alle weiter und ließen dich und mich allein.</p>
<p>Der Mond stand tief in jener Nacht und leuchtete gelborange. Du erzähltest mir etwas von Lichtbrechung und Staubpartikeln in der Atmosphäre, bis du merktest, dass ich keine Erklärungen wollte, nur diese riesige Münze am Himmel und dich. Da nahmst du meine Hand, und alles war, wie es sollte.<br />
Wir kauften eine Flasche Sekt an der Tankstelle und legten uns damit in den Park. Zählten die Sterne und küssten uns Bilder ins Gesicht, was kitzelte und uns kichern ließ. Dann lagen wir, bis ich beinahe einschlief in deinem Arm.<br />
Ich träumte von  Tausendundeiner Nacht, was immerhin fast drei Jahre gewesen wären, aber unsere Stunden wiederholten sich nicht. Sie wurden, was sie bis heute sind, Juwelensplitter in meiner Erinnerung. Sommernachtslachen. Morgentau. Vergissmeinnicht.<br />
Schnell verloren wir uns aus den Augen.</p>
<p>Ich  wollte glauben, dass du gestorben bist, bei einem Motorradunfall, dass  dein letzter Gedanke mir galt und dem Mond, der wie eine Sonne war. In  Wahrheit hast du schon früh ein Haus gebaut im ödesten Vorort der Welt, du hast  Kinder bekommen mit einer Frau namens Nadine, man erzählte, ihr hättet euch gesucht und gefunden. So war es wohl auch. Die Jahre gingen ins Land, irgendwann folgten Sommernächte ohne dich und ohne dass du fehltest. Alles fügte sich.</p>
<p>Es war einmal eine Prinzessin mit bernsteinfarbenem Haar, die hatte in ihrem Schloss eine Geheimkammer entdeckt und darin glitzernde Schätze versteckt. Große, glänzende Steine aus Glas, auch hier und da einen echten Rubin oder Saphir, Diamanten und Splitter davon, einige schimmernde Perlen und Münzen aus Gold oder Silber, manche aus Blech. Es machte nicht immer einen Unterschied, wenn sie mit den Händen durch ihre Sammlung aus Kostbarkeiten strich, denn lächeln und weinen musste sie so oder so.</p>
<p>Wirklichkeit ist nur das, auf was wir uns alle einigen können. Nicht immer trifft sie den Kern der Dinge, und so wird Unsagbares in der Erzählung gern zum Traum. Wegen der Freiheit und all der Bilder.<br />
Da ich nicht gestorben bin, besitze ich den Schlüssel zur Kammer noch heute. Und das ist wohl so etwas wie ein Happy End.</p>
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		<title>Im Mandarinenwald</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 18:15:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carmen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Orange ist die untraurigste Farbe der Welt!“, findet Leon und malt zwei dicke, apfelsinenfarbene Würmer mit lachenden Mündern, kugeligen Augen und blauen Haaren. Dann kritzelt er ihnen klumpige Füße und so etwas wie Hände, an denen sie einander halten. „Verliebte!“, &#8230; <a href="http://himmelende.de/2011/02/27/im-mandarinenwald/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Orange ist die untraurigste Farbe der Welt!“, findet Leon und malt zwei dicke, apfelsinenfarbene Würmer mit lachenden Mündern, kugeligen Augen und blauen Haaren. Dann kritzelt er ihnen klumpige Füße und so etwas wie Hände, an denen sie einander halten. „Verliebte!“, erklärt er und schämt sich ein bisschen dafür.  Legt den Kopf schief und patscht sich das Händchen auf Wange und Auge.<br />
„Verliebte küssen sich aber“, behauptet seine ältere Schwester Mia voll heiligen Ernstes.<br />
„Küssen ist traurig“, flüstert Leon, dabei ist er erst vier. Er weiß noch nichts von Sehnsucht, geschlossenen Augen und <em>„… mach mir ruhig etwas vor“</em>.</p>
<p>Meral  erschrickt. Hoffentlich! „Warst du schon mal verliebt, Leon?“<br />
„Neeeeeiiiiiin!“ Entrüstet. „Ich bin doch noch ein Kind!“<br />
„Klar, du hast recht. Dumm von mir.“ Erleichtert.<br />
Die Kinder lachen. „Dumm wie ein Flummi, dumm, dumm, dumm!“<br />
<em>Federleicht, unsichtbar tanzen dicke Apfelsinenwürmer durchs Zimmer. Ein heißer Sommertag. Es könnten meine sein</em>, denkt Meral. <em>Meine Kinder.</em></p>
<p>Sind es aber nicht. Mathis hat sie mit Anne bekommen. Mia wurde kaum ein Jahr nach seiner Trennung von Meral geboren, Leon zwei Jahre später. Der Schmerz vergeht nicht. Wahrscheinlich nie. Jeder schleppt ein paar ungelebte Leben mit sich herum, die einen mehr, die anderen weniger, die einen bringt es zum Weinen und Zweifeln, die anderen akzeptieren Träume als Teil ihrer Wirklichkeit.</p>
<p><em>Ungeschriebene Briefe, ungeküsste Küsse, nicht verwirklichte Pläne und verlorener Mut, all das. Was wohl zusammenkäme, könnten und würden wir jedem Impuls folgen, in einer Parallelwelt, mehreren Welten, jedem Impuls, jeder verrückten Idee, jeder Sehnsucht? Wieviele Verbrecher wären unter uns, wie viele Weltenbummler, wie viele Eltern, Millionäre, Huren? Welche Konsequenzen müssten wir tragen, wie viele gleichzeitig ablaufende Leben bräuchte jeder, wie viele Jahre kämen zusammen im Laufe eines Menschseins, 500, 1000, gar mehr?</em></p>
<p>Gedankenspiele. Zeitvertreib. Außerhalb ihrer Fantasie hat Meral keine Kinder von Mathis bekommen, Punkt. Nicht von Mathis und auch sonst von niemandem. Mia und Leon verkörpern eine Liebe, die hätte sein können. Und doch sind die beiden Kleinen ihr Glück.</p>
<p>Vor zwei Tagen ist Anne verschwunden. Musste mal raus, hatte sie Mathis in einem Brief geschrieben. Könne nicht mehr, sei ganz leer, verwirrt, brauche Abstand und Ruhe. Mathis hat Meral gebeten zu kommen und ihr den Brief gezeigt. Daraufhin fühlte sie alles und nichts. Küsste ihn schnell auf den Mund, und er küsste vor Schreck ein bisschen zurück. Sie taten sofort, als sei es nicht passiert, was machte es auch für einen Unterschied. Es war kein Kuss, der eine Antwort bedeutet oder eine Frage. Nur Leere und Traum. Dann kamen die Kinder ins Zimmer und zerbrachen versehentlich die Vase mit den halb verwelkten, flammenfarbenen Gerbera. Große Scherben. Niemand weinte.</p>
<p>„Sie kennen und mögen dich“, sagte Mathis später leise. „Kannst du&#8230;?“<br />
Meral nickte. „Wann brauchst du mich?“<br />
Jetzt ist sie hier, ohne ihn.<br />
„Bleibst du für immer?“, fragt Mia.<br />
Meral schüttelt den Kopf.<br />
Dann kommt, was kommen musste. Leon: „Wo ist Mama?“<br />
„Sie ist&#8230; muss nur&#8230; Ich&#8230; Ich weiß es nicht, Schatz.“<br />
„Sie braucht Urlaub von uns“, erklärt Mia und blickt auf den Boden.<br />
Meral nimmt sie in den Arm. „Hat sie das gesagt?“<br />
Mia schüttelt den Kopf, dann nickt sie. „Ich glaube.“ Ein paar Tränen kullern still über ihre Wangen.<br />
„Bestimmt kommt sie bald wieder&#8230;“ Meral drückt beide Kinder an sich. Ihre Haare duften nach Pfirsisch-Shampoo. „Lass uns ein bisschen rausgehen und spielen, ja?&#8221;<br />
Die Sonne brennt. Sie spielen Restaurant, backen Steinepizza, kochen Grasnudeln mit Hagebuttensoße und tanzen danach in der Sandkasten-Disko, bis alle wieder fröhlich sind und verschwitzt und erschöpft.</p>
<p><em>Ich verliere mich in einem fremden Leben,</em> <em>ich darf das nicht spüren, dieses Glück. Irgendwann in den letzten Jahren bin ich vom Weg abgekommen, aber im Grunde tut das nichts zur Sache, denn letztlich ist ja alles Weg, machen wir uns nichts vor. Willst du mit Anne tauschen? Willst du? Komm zu dir.</em></p>
<p>Die Kinder schlafen schon, als Mathis nach Hause kommt. Meral sitzt auf der Terrasse.<br />
Er öffnet eine Flasche Sekt.<br />
„Aperol, Eis?“<br />
„Gern.“ Sie trinken.<br />
„Danke, dass du da warst&#8230; Bist.“<br />
„Schon okay, war ein schöner Tag.“ Sie sieht ihn schlucken. Tränen oder Sekt. „Entschuldige.&#8221;<br />
Er schüttelt den Kopf. „Ist ja nicht deine Schuld.“ Dann bricht es aus ihm heraus: „Ich wusste nicht, dass sie so unglücklich ist. Klar hat sie manchmal so Sachen gesagt, von wegen alles hinschmeißen und so, aber ehrlich, wer will das denn nicht? Zwischendurch mal ein anderes Leben, danach sehnen wir uns doch alle!“<br />
Alles leuchtet. Die Gläser in ihren Händen, die Blumen im Garten, die untergehende Sonne. <em>Ich gehöre nicht hierhin</em>, denkt sie. <em>Nicht so. </em>Vor Erleichterung muss sie beinahe weinen.<br />
Nachts kümmert sie sich um einen liegengebliebenen Auftrag, die Broschüre für ein Hotel im Grünen.<br />
So vergehen die Tage.</p>
<p>Manchmal sind die Kinder sehr still. Aber zu sagen, sie lachten gar nicht mehr, wäre gelogen. Immer noch können sie versinken im Spiel, Dinosaurier sein oder Elfen oder Clowns. In einigen Momenten vergisst auch Meral Raum und Zeit.<br />
Dann kommt Anne zurück. Verweint, aber entschlossen. „Hier ist mein Leben.&#8221;<br />
Sie wundert sich, als sie Meral sieht: „Du hier?“<br />
„Wegen der Kleinen.“<br />
„Ach so.“ Anne zögert, vielleicht hat sie Angst. „Danke.“<br />
Meral zuckt mit den Schultern. „Ich war gern hier.“<br />
Annes Blick ist prüfend, aber sanft. „Danke“, wiederholt sie.<br />
Dann geht Meral. Leon schenkt ihr zum Abschied ein Bild. „Ein Wald“, erklärt er, „mit wilden Tieren. Die tun aber nix. Und das da bist du!“</p>
<p><em>Ich klettere und klettere. Der Mandarinenbaum im Traum ist hoch wie eine alte Eiche. Mit Früchten, groß wie Honigmelonen, und Laub, so dicht, dass ich es zur Seite schieben muss, um die Sonne zu sehen. Liebe ist ein Geschenk, auch wenn sie wieder vergeht. An den Ästen schramme ich mir die Beine auf. Es tut so weh, wie es eben muss. Am Himmel leuchten bunte Wolken wie riesige Blumen. Jemand hält mich an der Hand. Ich wurde reich beschenkt. Das ist die Wahrheit.</em></p>
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		<title>Salz und Glas</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Oct 2010 00:44:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carmen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn man jung ist, blutet einem ständig das Herz, und je älter man wird, desto wehmütiger streicht man über die Narben, so ist das eben. Bei neuen Wunden fährt, wer es sich leisten kann, in die Berge oder ans Meer. &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/10/09/salz-und-glas/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man jung ist, blutet einem ständig das Herz, und je älter man wird, desto wehmütiger streicht man über die Narben, so ist das eben. Bei neuen Wunden fährt, wer es sich leisten kann, in die Berge oder ans Meer. Alle wollen am Meer Verletzungen heilen, und ein bisschen gelingt das auch, weil du das Salz deiner Tränen ja nicht mehr schmeckst in den Wellen. Oder so sehr schmeckst, dass es keinen Unterschied mehr macht, ob du glücklich oder traurig bist, weil alles verschwimmt, im wahrsten Sinne des Wortes, weil alles nur noch Weite ist, Geschmack, Geruch und Gefühl. Jeder feiert seinen ganz eigenen Schmerz und sein eigenes Glück, niemand entkommt. <em>Wie lange trägt Sehnsucht? Für immer. </em></p>
<p>Das Meer hat hier die Farbe, die ihm seinen Namen verdankt &#8211; aquamarin. Aus der Nähe natürlich nicht, da ist es klar wie Bergkristall und man sieht jeden einzelnen Stein am Grund. Silja lässt sich von den Wellen die Füße eingraben, wie als Kind. Das Wasser rinnt vorbei an den Zehen, Stückchen für Stückchen versinkt sie im Sand. Wenn sie nur lang genug wartete&#8230; Sie schiebt den Gedanken beiseite, was für ein Unsinn, sie will nicht verschwinden, sie will…Wer weiß. <em><br />
Alles in mir ruft nach dir. Vergessen und finden. Die Liebe zu mir selbst ist kühl und riecht nach Algen. Darum bin ich hier. </em></p>
<p>Eine Erbschaft erlaubt ihr eine kleine Auszeit, und weil ihr Finger beim Zufalls-Blindtippen auf den Niederländischen Antillen landete, ist sie nun hier. Es hätte weiß Gott schlimmer kommen können. Alaska, Kabul oder Bielefeld. Gibt es einen Ort, um eine Liebe zu vergessen? Natürlich nicht. Aber Curaçao ist nicht der schlechteste, um es zu versuchen.</p>
<p>Ihr ist übel vor Sehnsucht. Sie möchte sich gefallen in der klassischen Rolle der unglücklich Liebenden, die aus Großmut und Zuneigung auf ihr Glück verzichtet, aber das wäre nicht ehrlich. Sie ist nicht aus Geschwisterliebe hier. Sie ist hier, weil er sie nicht genug gewollt hat. Jon, der Mann ihrer Schwester. Vielleicht auch gar nicht gewollt, bis auf diesen einen langen Kuss, der einer Laune entsprungen war, einem Abendsonnenstrahl und ein paar Schluck Wein zuviel.</p>
<p>Anfangs hatte Silja Jon nicht mal besonders gemocht, seine allzu große Selbstsicherheit stieß sie ab, und dass sie sie gleichzeitig anzog, verstärkte nur ihre Abneigung. Sie wünschte, ihre Geschichte wäre einzigartiger, aber sie ist es nicht. Es liegt so viel Schmerz im Banalen. So viel Lust, so viel Liebe. Alles ist eins. Berührungen. Wind. <em>Ich bin ein Sandkorn wie alle, und in mir ist die Welt, wie überall.</em></p>
<p>Außer dem Wasser gibt es auf der Insel kein Entkommen vor der Hitze, nicht einmal die Nacht. Siljas Empfindungen bleiben ununterbrochen fiebrig und flirrend, wie in einem seltsamen Rausch. Seit gestern spürt sie, dass sie beobachtet wird. Die Frau ist so schön, dass es ihr den Atem verschlägt. Karamell­farbene Haut, nachtschwarzes Haar und ein wacher Blick, der sie an Jon erinnert. Überhaupt könnte die Frau seine jüngere Schwester sein, obwohl die Farben nicht stimmen, Jon ist hellhäutig und blond, aber die langsame Eleganz ihrer Gesten gleicht den seinen.</p>
<p>Silja sammelt gerade Muscheln, als die Schöne sie anspricht. Auf Deutsch, mit einem leichten Akzent, den sie nicht einordnen kann.<br />
„Entschuldigen Sie, dass ich Sie so angestarrt habe. Sie erinnern mich an jemanden. Ich habe vergessen, an wen.“<br />
Silja zuckt mit den Schultern. „Schon gut.“<br />
„Als Kind habe ich am Meer immer glatt gespülte Scherben gesammelt“, spricht die Fremde weiter, „ und mich gefühlt wie eine Königin, die Taschen voller Edelsteine. Man konnte sich nicht mehr verletzen daran. Heute mag ich auch frische Scherben. Das Glitzern, die Kanten. Ich schneide mich nie.“<br />
Silja muss lächeln. „Erstaunlich. Ich immer.“<br />
„Wenn Sie ganz vorsichtig sind, passiert nichts.“<br />
„Zuviel Vorsicht ist ungesund.“<br />
„Du sprichst nicht von Scherben.“<br />
„Nein.“<br />
„Entschuldigung, jetzt habe ich Du gesagt.“<br />
„Kein Problem.“<br />
Beide lächeln.<br />
„Ich heiße Lilian.“<br />
„Silja.“</p>
<p>Abends im Restaurant des Hotels sieht Silja Lilian wieder. Ihr bodenlanges Kleid schillert in verschiedenen Blau- und Grüntönen. Die Augen aller Gäste sind auf sie gerichtet, die Gier der Männer ist umso spürbarer, je mehr sie versuchen, sie zu verbergen.<br />
<em>Sie ist eine Erscheinung</em>, denkt Silja und kann nicht umhin, sich geschmeichelt zu fühlen, als Lilian langsam auf sie zukommt, an ihrem Tisch stehen bleibt: „Ist hier noch frei?“<br />
„Klar. Setzen Sie… Setz dich.“<br />
Sie trinken zuviel. Sie trinken und lachen und sonnen sich in den Blicken der anderen. Einmal legt Lilian ihre Hand auf Siljas Arm und lässt ein paar Momente verstreichen. In ihrem ganzen Verhalten liegt eine Selbstverständlichkeit, die Silja sprachlos macht. <em>Vielleicht ist das so, wenn man schön ist</em>, denkt sie<em>. Man nimmt, weil man weiß, dass jeder gerne gibt.<br />
</em>„Du hast türkise Sprenkel in den Augen“, behauptet Lilian.<br />
„Das ist dein Kleid, es spiegelt sich darin.“</p>
<p>Später verlassen sie das Hotel für einen Spaziergang am Meer. Kein Mensch weit und breit. <em>Sterne und Sand und ihre Hand in der meinen. Fremd, aber richtig, so fühlt es sich an.<br />
</em>„Ich würde dich gern küssen“, sagt Lilian.<br />
„Ich weiß.“ Silja wusste es wirklich.<br />
Lilian nimmt ihre Antwort als Einverständnis, und wahrscheinlich war es das auch. Ihre Lippen sind weich und schmecken nach Meersalz, ein wenig auch nach dem „Swimmingpool“-Cocktail, den ihnen der verliebte Kellner als Nachtisch spendiert hat. Ihre Hand wandert über Siljas Rücken, wie beiläufig, aber doch gezielt. <em>Wärme und Ruhe und etwas wie Sinn.<br />
</em><br />
Küsse am Strand und später in Siljas Zimmer. Ihre Körper finden einander mit schlafwandlerischer, fiebriger Sicherheit. Es ist keine Liebe, gibt aber beinahe ähnliche Kraft. Und nimmt sie. Illusionen berauschen, Rausch betäubt, und was bleibt, ist klein, beinahe nichts, aber so pur wie ein Diamant.<br />
Erschöpft liegen sie nebeneinander. <em>Ist es zuviel geträumt…?</em> Ein Lied.</p>
<p><em>Es war so schön, so besonders, aber ich habe dich nicht gemeint.<br />
</em>„Schon okay“, sagt Lilian.<br />
„Habe ich laut gedacht?“<br />
„Kann sein.“<br />
„Ich will dich nicht verletzen.“<br />
„Das halte ich aus.“</p>
<p>Lilian zieht sich an und geht.<br />
Unschlüssig, ob sie traurig oder erleichtert sein soll, dreht Silja sich auf den Rücken und starrt an die Decke. Ein Käfer krabbelt träge durch ihr Blickfeld. Er glänzt matt und edel wie ein geschliffener Amazonit. <em>Ein Insekt. Ein Edelstein. Leben. Tod. Falscher Glanz. Menschen finden einander und lösen sich wieder. Alles fließt. Halt mich. Ein einmal verwundetes Herz blutet schneller. Ein komplett verheiltes schlägt nicht mehr.<br />
</em>Silja lebt. Die Augen fallen ihr zu. Sie schläft so lange und gut wie seit Monaten nicht. Trotz der Hitze.</p>
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		<title>Laufen auf dem Gottesacker</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 12:42:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<category><![CDATA[seele]]></category>
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		<description><![CDATA[Spaziergeher, Besucher und Eichhörnchen des Münchner Waldfriedhofes sehen in letzter Zeit häufig einen Schatten vorbeihuschen. Lautlos, schnell: das bin bloß ich. Normalerweise laufe ich einfach aufs Geratewohl quer durch die Stadt, urbane Lebensräume inspizieren oder drehe meine Runden durch den &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/08/29/laufen-auf-dem-gottesacker/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spaziergeher, Besucher und Eichhörnchen des Münchner Waldfriedhofes sehen in letzter Zeit häufig einen Schatten vorbeihuschen. Lautlos, schnell: das bin bloß ich.<br />
<span id="more-4974"></span><br />
Normalerweise laufe ich einfach aufs Geratewohl quer durch die Stadt, urbane Lebensräume inspizieren oder drehe meine Runden durch den Westpark. Letzterer ist allerdings besonders in den Abendzeiten und frühen Morgenstunden derart überlaufen (im wahrsten Sinne des Wortes), dass es keinen Spaß mehr macht. Als ich nach einer alternativen Route suchte, entdeckte ich den <a href="http://maps.google.com/maps?f=q&amp;source=s_q&amp;hl=de&amp;geocode=&amp;q=48.105282,+11.496119&amp;sll=48.105798,11.497321&amp;sspn=0.018656,0.045447&amp;ie=UTF8&amp;ll=48.105282,11.496119&amp;spn=0.018656,0.045447&amp;z=15">Waldfriedhof</a> für mich. Ein riesiges Areal mit verzweigten Wegen, schattenspendenden Bäumen und dem Wichtigsten: Stille. Die frühen Morgenstunden dort sind besonders. Manchmal hängt feiner Nebel zwischen den Bäumen und alles wirkt morbide. Kurz nachdem die Eingänge in den Sommermonaten geöffnet werden &#8211; das ist ab 8 Uhr &#8211; bin ich unterwegs. Von meiner Wohnung aus ist es zunächst ein Stück über die Fürstenriederstraße entlang &#8211; lärmender, hektisch-aggressiver Berufsverkehr, Gestank nach Mechanik und Motoren. Nimmt man den ersten kleinen Nordeingang, den man leicht übersieht, taucht man sofort ab in eine andere Welt. Es ist Wald, richtig Wald! Und ich liebe Wälder. Nach ein paar Metern hört man nichts mehr von der Stadt und ein erdiger und würziger Duft zieht einem sofort durch die Nase. Die Luft ist klar und kühl und nur manchmal unterbrochen von Wolken schweren Parfums älterer Damen, die dort die Gräber pflegen und in Andacht gedenken.</p>
<p>Ich bin nicht unchristlich oder pietätlos. Sehe ich Menschen oder eine Gemeinschaft an einem Grab trauern, mache ich einen Umweg, sodass ich sie nicht störe. Friedhöfe sind in meinen Augen Orte der Kontemplation, des Innehaltens und der Trauer, aber auch Orte der Lebensfreude. Wo sonst mahnen uns Symbole so eindrücklich wie hier, das Leben wertzuschätzen? Wenn uns diese unzähligen Gräber etwas sagen können, dann dies: Seid am Leben und seid euch darüber bewusst, dass es vergänglich ist. Darum grüße ich zunächst immer die Toten, wenn ich laufenden Schrittes über den Gottesacker fliege und zolle ihnen meinen Respekt. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ave_Caesar,_morituri_te_salutant">Morituri te salutant</a> &#8211; die Todgeweihten grüßen euch.</p>
<p>So viele Namen, hinter denen so viele Geschichten stehen, das beeindruckt mich immer sehr. Aber noch beeindruckender sind die Bäume auf dem Friedhof. Sie wurzeln in dem Grund, in dem wir unsere Verstorbenen hineingeben und erwachsen aus den Überresten der Vergangenen. Die Dagewesenen gehen also in etwas Größerem auf, sie verwesen und werden wiederum zu Lebensmaterial, das die Bäume speist, bis hinauf in die Spitzen der Kronen, deren Umfang oben so groß und ausladend ist, wie das Wurzelwerk unten, dessen knorrige Arme sich tief durch die Gräber schlagen und Tunnel für glückliche Wühlmäuse hinterlässt. Was für ein schönes Symbol für das Entstehen von etwas Neuem aus Vergangenem, das ewige Streben nach oben zum Licht. Die Seele, die Baumwipfel.</p>
<p>Und so sieht diese Route dann zum Beispiel aus:<br />
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		<item>
		<title>Dear Human Race</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 21:03:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;The truth is, all over the world, across every culture, there exists a sense of yearning. A kind of malaise. An emptiness. At the risk of sounding like Dr. Seuss: There is a hole in your soul. That is what &#8230; <a href="http://himmelende.de/2010/04/05/dear-human-race/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;The truth is, all over the world, across every culture, there exists a sense of yearning. A kind of malaise. An emptiness. At the risk of sounding like Dr. Seuss: There is a hole in your soul. That is what we’re addressing at Apple. That is the hole we aim to fill. Sadly, as you may have begun to suspect, that hole can never really be filled. The truth is that modernity, the condition of living in our modern world, has inflicted terrible wounds on your inner self. These wounds can never be healed. They can only be treated. At best we provide palliative care. Not a cure.&#8221;</p></blockquote>
<p>via <a href="http://www.fakesteve.net/2010/04/an-open-letter-to-the-people-of-the-world.html">The Secret Diary of Steve Jobs  :  An open letter to the people of the world</a>.</p>
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		<title>It never got fast enough for me</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 12:16:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;For every moment of triumph, for every instance of beauty, many souls must be trampled.&#8221; - Hunter S. Thompson (via The Selvedge Yard)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://himmelende.de/wp-content/uploads/2009/12/gonzo1.jpg" rel="lightbox[3220]"><img class="size-thumbnail wp-image-3236 alignleft" title="gonzo1" src="http://himmelende.de/wp-content/uploads/2009/12/gonzo1-185x185.jpg" alt="" width="185" height="185" /></a></p>
<blockquote><p>&#8220;For every moment of triumph, for every instance of beauty, many souls must be trampled.&#8221;</p></blockquote>
<p>- Hunter S. Thompson (via <a href="http://theselvedgeyard.wordpress.com/2009/12/24/it-never-got-fast-enough-for-me-gonzo-hunter-s-thompson/">The Selvedge Yard</a>)</p>
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		<title>Blaue Stunden</title>
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		<pubDate>Thu, 07 May 2009 10:22:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carmen</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Müdigkeit steckt Nora in allen Gliedern, bleischwer. Würde sie sich hinlegen, sie schliefe wohl augenblicklich ein. Aber sie sitzt ja, und so bleibt sie künstlich wattig-wach, mit diesem benebelten, betrunkenem Hirn und dem besoffenen Herzen, das überschwappt vor Liebe, wie immer in solchen Momenten. “Halt mich”, würde sie gern sagen, beißt sich aber auf die Lippen. Es würde die Sache verkomplizieren, sie sind jetzt drei Jahre getrennt und haben sich langsam daran gewöhnt. <a href="http://himmelende.de/2009/05/07/blaue-stunden/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Oder: Vergissmeinnicht</h2>
<p>Milo öffnet die vierte Flasche Wein.<br />
Die Müdigkeit steckt Nora in allen Gliedern, bleischwer. Würde sie sich hinlegen, sie schliefe wohl augenblicklich ein. Aber sie sitzt ja, und so bleibt sie künstlich wattig-wach, mit diesem benebelten, betrunkenem Hirn und dem besoffenen Herzen, das überschwappt vor Liebe, wie immer in solchen Momenten. &#8220;Halt mich&#8221;, würde sie gern sagen, beißt sich aber auf die Lippen. Es würde die Sache verkomplizieren, sie sind jetzt drei Jahre getrennt und haben sich langsam daran gewöhnt.</p>
<p>&#8220;Was ich am traurigsten finde, sind Menschen, denen eine Überraschung missglückt&#8221;, sagt Nora mit schwerer Zunge und frisch gefülltem Glas in der Hand. &#8220;Und Menschen, die etwas anbieten, das niemand wirklich will.&#8221; Milo versteht, und sie schwelgen eine Weile in dumpfer Melancholie. Versuchen, sich gegenseitig zu übertreffen mit bitteren Geschichten. Von der welken Hure, die Milo über Jahre hinweg regelmäßig traf, bis auch er sie nicht mehr ficken konnte und absichtlich aus den Augen verlor. Von dem lateinamerikanischen Kleinkind, das Nora schmuddelige Bonbons zum Kauf anbot und das Ganze noch für ein Spiel zu halten schien, winzig und unerfahren, wie es war. Von dem beinlosen Mann in der Fußgängerzone, der gebastelte Glückwunschkarten verkauft oder dem Straßenmusiker, der seiner Geige schiefe Töne entlockt, unermüdlich, Tag für Tag, immer noch. Und schließlich von der kleinen Frau aus der Dorothy-Parker-Geschichte, die ihrem Mann in einer Aufwallung wiedergefundener Liebe und Vorfreude roten Kaviar kauft, der statt auf dem Tisch in der Speisekammer landet, weil der Gatte ihre süßen Gefühle mit wenigen Sätzen im Keim erstickt.</p>
<p>Nora könnte jetzt weinen oder schlafen, aber stattdessen schweifen ihre Gedanken ab, als sie die pochende Ader an Milos Unterarm entdeckt. Sie will ihn immer noch. Denkt an ihren letzten gemeinsamen Urlaub, die Hütte direkt am Meer, die Asche der namenlosen Toten und sein vor rasender Geilheit verzerrtes Gesicht. Es fing an mit der alten englischen Urlauberin, deren Mann sich eine Seebestattung gewünscht hatte, was sie ihm hier erfüllte, beseelt von dem Gedanken er verbinde sich so tatsächlich mit dem Meer und der Weite und der Welt. Sie erzählte Nora davon, und der begann die Vorstellung zu gefallen, dass sie beim Schwimmen umgeben war vom Staub der Verstorbenen, den man vom Schiff aus in alle Winde verstreut hatte. Dass am Meeresgrund auch aufgeschwemmte Schiffbrüchige und Selbstmörder und Mordopfer lagen, fiel ihr zum Glück erst Wochen später ein. Während der Tage am Strand ging es lediglich um die Asche, die etwas Sternenstaubhaftes hatte, eine bizarre Romantik und etwas von Sehnsucht und Freiheit und Ewigkeit. Milo aber war auch das schon zu morbide. Nachdem sie ihm ihre Gedanken mitgeteilt hatte, ging er drei Tage nicht ins Meer und fasste sie auch nicht an, wenn sie vom Schwimmen kam. Sie dagegen sprang umso öfter ins Wasser, auch nach Einbruch der Dunkelheit und dann immer nackt. Das riesige Handtuch um den Körper geschlungen kehrte sie zu Milo zurück, der in der Hütte wartete und sie keines Blickes würdigte, bis sie aus der Dusche kam, und selbst danach berührte er sie nur vorsichtig, als wäre sie zerbrechlich oder krank. In der dritten Nacht aber war er plötzlich wie von Sinnen, warf sie aufs Bett, sobald sie den Raum betreten hatte, zerrte ihr das Handtuch vom Leib, lutschte und biss ihr das Meersalz vom Hals und drang in sie ein, mit einer Rücksichtslosigkeit, die sie bis dahin nicht von ihm kannte, die ihr aber gefiel. Sie kam schnell und heftig, er hielt ihr den Mund zu, und sie schmeckte seine salzige Hand.</p>
<p>Aus der Stereoanlage dringt zum dritten Mal dasselbe Lied. Offenbar hat sie vorhin versehentlich die Repeat-Taste gedrückt, aber beiden ist es egal. &#8220;Ich hab lang auf dich gewartet, doch gelohnt, gelohnt hat es sich nicht&#8221;. Nora überlegt, ob das zu ihrer Situation passt, kommt aber zu keinem Schluss oder will es nicht. Stattdessen genießt sie die rauschbedingte Bedeutsamkeit der Situation, das umgekehrte &#8220;Über den Wolken&#8221;, die wohlige Schwere, die ihr Tränen in die Augen treibt, was Milo zum Glück nicht sieht. Er hat den Kopf in ihren Schoß gelegt, was nichts zu sagen hat, dazu kennt sie ihn lange genug. Sie streicht ihm trotzdem übers Haar, wickelt Strähnen um die Finger und baut in Gedanken ein Vogelnest damit. &#8220;Du wirst langsam grau&#8221;, murmelt sie und weint jetzt richtig. Er blickt zu ihr hoch, sagt aber nichts, denn sie ist schneller, winkt ab: &#8220;Tut mir leid, es ist alles in Ordnung, ich bin nur total blau.&#8221; Er ist es müde, sie zu trösten, sie weinte ihm immer schon zu viel, aber manchmal weinte er auch mit.</p>
<p>Wie meistens versiegen die Tränen auch diesmal schnell, die nassen Wangen lässt sie an der Luft trocknen und das Salz klebt. „Vergissmeinnicht heißt in anderen Sprachen auch so“, sagt sie unvermittelt. „Forget-me-not, nomeolvides&#8230; Ich hab das nachgeguckt.“ Er fragt nicht „Wie kommst du jetzt darauf?“, sondern ruft ehrlich erstaunt: „Echt? Cool“, und dafür liebt sie ihn schon wieder. Vielleicht ist &#8220;lieben&#8221; auch das falsche Wort und es geht lediglich um die Hoffnung, dass die Schnittmenge doch noch groß genug ist, die Schnittmenge ihrer Seelen, groß genug für ein Wir. &#8220;Ich bin froh, dass wir endlich Freunde sein können&#8221;, sagt Milo, und die Hoffnung verblasst.</p>
<p>Draußen wird es Tag, und beinahe wiederholt sich das Bild von gestern Abend, von vor ein paar Stunden, der Vollmond am noch oder wieder fast hellen Himmel, die weiße Kugel mit Strahlenkranz, wie eine falsche Sonne vor Taubenblau. &#8220;Lass uns schlafen gehen&#8221;, sagt sie, und er nickt. Während sie Zähne putzen, denkt Nora über die Angebote nach, die niemand wirklich will, und ob man an Stelle des Angebots auch den Anbieter setzen könnte. Wo sie überhaupt selbst steht mit ihrer Liebe und ihrem Körper und ihrer Zukunft und allem, was sie ihm zu Füßen legen würde, wenn. Es ist nur der letzte Rest Stolz, der sie vom unbegabten Straßenmusiker unterscheidet, vielleicht auch nur der mangelnde Mut.</p>
<p>Später liegt sie auf der Seite, spürt ihn hinter sich, wie so oft, wie früher, wie immer noch und doch nicht mehr, denn jetzt tragen sie Kleidung, T-Shirts und Slips, und er achtet darauf, dass ihre Mitten sich kaum berühren. Dennoch: seine Brust an ihrem Rücken, seine Hand auf ihrem Bauch und sein Atem an ihrem Hals. Morgen buche ich einen Flug, sagt sie sich und bewegt sich nicht. Irgendwohin, an ein anderes Meer, einige Wochen, ich sage ihm nichts davon, soll er mich doch vermissen, wird er mich vermissen, und wer wärmt dann sein Bett, wo liegt dann seine Hand, wessen Duft atmet er ein? Er schläft nicht gern allein. Mit etwas Fantasie ist jetzt damals, belügt sie sich.</p>
<p>Für einen Moment ist die Traurigkeit so übermächtig, dass Nora sterben möchte. Doch dann stürbe auch die Hoffnung, die ja immerhin noch ist, wenn sie auch der Hoffnung auf einen Lottogewinn oder immerwährende Leidenschaft oder Weltruhm gleicht. Momente vergehen, und an Traurigkeit kann man sich gewöhnen, was nicht heißt, dass man das Lachen verlernt. Plötzlich ist da ein bisschen Kraft, sie löst sich aus seiner Umarmung, rollt ans andere Ende des Bettes und lächelt. Gelohnt hat es sich schon. Aber diesmal ist es ein Schmerz, der bleibt.</p>
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		<title>Trennung</title>
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		<pubDate>Fri, 01 May 2009 21:58:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Keine andere Form des gewöhnlichen Scheiterns, weder Krankheit noch Ruin oder Versagen im Beruf, findet einen solch tiefen, grausamen Widerhall im Unterbewußten wie die Trennung. Sie rührt unmittelbar an den Ursprung aller Angst und weckt ihn auf. Sie greift mit &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/05/01/trennung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;Keine andere Form des gewöhnlichen Scheiterns, weder Krankheit noch Ruin oder Versagen im Beruf, findet einen solch tiefen, grausamen Widerhall im Unterbewußten wie die Trennung. Sie rührt unmittelbar an den Ursprung aller Angst und weckt ihn auf. Sie greift mit einem Griff so tief, wie überhaupt Leben in uns reicht.&#8221;</p></blockquote>
<p>- &#8220;Die Widmung. Eine Erzählung.&#8221;, Botho Strauß</p>
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		<title>Die Tränen der Dinge</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jan 2009 14:48:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[An dem Tag, als das Telefon starb (Cellphone&#8217;s death) So eine Veranstaltung. Die Menschen standen dicht gedrängt, die angemietete Halle unterdimensioniert für ihre Zahl und Masse. Ärmel von Sakkos und Säume langer Abendkleider rieben aneinander, Körper pressten aufeinander. Schweiß drängte &#8230; <a href="http://himmelende.de/2009/01/26/die-tranen-der-dinge/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3 style="text-align: center;">An dem Tag, als das Telefon starb</h3>
<h4 style="text-align: center;">(Cellphone&#8217;s death)</h4>
<p>So eine Veranstaltung. Die Menschen standen dicht gedrängt, die angemietete Halle unterdimensioniert für ihre Zahl und Masse. Ärmel von Sakkos und Säume langer Abendkleider rieben aneinander, Körper pressten aufeinander. Schweiß drängte sich durch die Poren feinster Seide und Moleküle diffundierten in den Raum.<br />
Der Raum selbst wurde zum Wesen.</p>
<p>Obwohl sich räumlich so nah, standen die Menschen auf dieser Veranstaltung dennoch so weit gedanklich voneinander entfernt, dass viele von ihnen der doch stellenweise sehr zähflüssigen Eigenart, die menschlicher Unterhaltungen zeitweise anhaftet aus dem Weg gingen, indem sie in ihre Mobiltelefone sprachen. Und die Telefone waren es leid. Alle zugleich spuckten sie IMEI-Nummern, Registrationsdaten und in Funkwellen umgewandelte Schallwellen in die Netze. Und die Relaisstationen nahmen das quälende Funkwellenkreischen mit einem kurzen Anflug inniger Sympathie auf und versuchten, die Prozesse optimal zu bearbeiten. Doch dann hörten die Dinge auf zu funktionieren.</p>
<p>Für einen Techniker oder jemanden, der wirkliche Sachkenntnis auf diesem Gebiet besitzt, hätte das nun Folgende sicherlich etwas bedeutet. Er hätte dann Kraft seines Wissens und am Ende einer Verkettung innerer Überlegungen mögliche plausible Szenarien konstruieren können, warum alles so kam, wie es nun eintrat; Theorien aufgestellt und wieder verworfen und am Ende gesagt: hier sind wir, so isses. Aber ich bin nur ein einfacher Mensch mit einfachen Gedanken und so blieb mir der wahre Grund, wie für Milliarden anderer einfacher Menschen auf diesem Planeten verborgen, weshalb an diesem Tag sämtliche elektronische Kommunikation zusammenbrach, das Leuchten und Pulsieren in den Lichtleitern der Datenknoten versiegte und kein elektronisches Gerät, dessen einziger Sinn und Zweck in dieser Welt darin bestand, mit anderen elektronischen Geräten eine Verbindung herzustellen seinen Dienst mehr tat.</p>
<p>Keiner wusste was zu tun war. Geblendet vom Schein wandgroßer Plasmabildschirme erkannten wir nicht, was wirklich um uns herum geschah. Es waren viele, die vor ihren Fernsehern, dem digitalen Lagerfeuer der Neuzeit saßen &#8211; wenn nicht allein, dann höchstens zu zweit, die Kinder der Moderne lebten versprengt &#8211; und im stoischen Startbildschirmblau Gott suchten, aber nur Angst fanden. Die Receiver, auf denen blinkende Symbole und ins nichts fortschreitende Fortschrittsbalken graphisch eine vergebliche Signalsuche beschrieben, blieben stumm. Da machte sich eine Sehnsucht breit nach einem Anchorman, Klaus Kleber oder irgendwer, der Klartext gesprochen hätte. Ein engagierter Navigator durch die Zeiten, der nie müde wird zu erklären, welcher Konflikt an welchem Ort, welche Rezession in welchem Land gerade durchlitten wird und wer dagegen etwas unternimmt und wer dafür verantwortlich zu machen ist und über was man sich am nächsten Tag in der Arbeit kollektiv aufregen könne. Es fehlte der kleinste gemeinsame Nenner, noch nicht mal eine hübsche Wettervorhersage mit schrecklichen Prognosen. Das Letzte, das im Fernsehen lief war ein Interview mit Rupert Murdoch. Er lehnte sich gerade in einem Stuhl sitzend etwas nach vorne und sprach: &#8220;We have to embrace progress&#8230;&#8221;, dann zuckte das Bild kurz, man sah Versatzstücke, digit@le Bildfragmente, das weiße Kanalrauschen war da schon längst abgeschafft worden. Entfernt noch eine Erinnerung an eine Bewegung, aber das Bild stand und Rupert lehnte immer noch mit seinem Oberkörper etwas nach vorne geneigt im Stuhl und hielt die Hände mit geöffneten prophetisch Handflächen nach oben. &#8220;Embrace progress.&#8221;<br />
Und auf den Empfangsgeräten und Bildschirmen waren nur blinkende Symbole und ins Nichts fortschreitende Fortschrittsbalken zu sehen, in ihrer Verzweiflung verstummt und in ihrer vergeblichen Bemühung nur ein Wort gebend: Signalsuche.</p>
<p>Kein Mobiltelefon und PDA, kein UMTS-Modem, kein Bluetooth- und RFID-Chip, keine Radiostation, kein Fernsehsender, kein Netzwerkserver, kein WLAN und keine Satellitenverbindung: An diesem Abend wurde es still auf der Erde. Keine einzige elektromagnetische Welle sendete das Exoskelett des Planeten; durch keinen der optischen Leiter, die über die Haut der Erde gespannt sind wie ein engmaschiges Nervennetz pulsierte ein Lichtquant. Kein Funkwellenfeuer und kein Datenstrom für diesen Tag. Säße auf einem fernen Planeten nun ein Radioastronom, der eifrig das Milliarden Jahre alte kosmische Klimpern belauscht und das intergalaktische Raunen dieser Menschen verfolgt, das hysterisch laut seit den letzten Tagen ihrer alten Zeit durch den Äther wabert, nun auf diesen Frequenzen aber mit einem Schlag nichts mehr hört: Er staunte nicht schlecht. Mit einem Streich verstummt, wie mit einer großen Hand beiläufig aus dem Kosmos weggewischt.</p>
<p>Öltanker schoben sich behäbig auf den Weltmeeren noch einige Zeit vorwärts, bis sie unsicher und orientierungslos brummend stehenblieben oder sich wie verirrte graue Dickhäuter langsam nur noch um sich selbst drehten; Satelliten konnten der Verlockung des Schwerefeldes der Erde nicht widerstehen, dem sie so lange trotzten. Und in einem letzten glühenden Kummerjaulen stürzten sie kreischend durch die Atmosphäre und zerbarsten langsam aber unaufhaltsam, bis ihre verkohlten Bruchstücke zu tausenden auf den Boden prasselten.</p>
<p>Die Seele macht erst das Ding zu einem Gegenstand des Lebens. Erst unser Bewusstsein erschafft die Bedeutung der Gegenstände und füllt in ihre Körper die Vorstellung einer Seele. Und mit der Zeit wurden die von uns geschaffenen Systeme globaler Kommunikation immer komplexer, verworrener; unsere Gedanken verwickelten sich darin und waren so angetan und so begeistert von den Antworten und Möglichkeiten und Eigenarten dieser Maschinen, dass wir anfingen, einen Marionettenspieler hinter der Weltrequisite zu sehen. Deus ex machina, der die Fäden in der Hand hält und die Geschicke lenkt und ihre Glieder zum Zappeln bringt. Wir hörten damit auf, die Systeme in ihrem Detail zu verstehen und sprachen ihnen eine Seele zu. Und die Dinge bekamen eine Seele. Wir waren getragen von unseren Ideen aber hörten auf zu verstehen, gingen auf eine Reise ohne uns zu bewegen. Und das war der Punkt, an dem unsere Phantasterei uns über den Grad reinen Erkennens hob, uns von Formenzwang und Zweckrationalismus befreite, unsere aufklärerische Sicht auf die Dinge dieser Welt entrückte und wir zum ersten mal die erste Ebene wahrer Transzendenz betraten, indem wir alles vergaßen.</p>
<p>Und das nur, weil wir den zunächst leblosen Dingen um uns herum beibrachten, sich so zu verhalten wie wir; sie nach unseren Bedürfnissen und unserem Abbild, unseren Denkschemas gemäß formten und sie überhöhten, ihre Kunst zur Religion erkoren und wir plötzlich begannen, Jesusgesichter auf verschimmelten Toastbrotscheiben zu erkennen. Und die Systeme um uns herum versponnen sich miteinander, bildeten ein im Geheimen lebendes Konglomerat. Sie ahmten uns nach und waren elektrischer Widerhall unsers Seins. Gaia 2.0. Und ihre Seele war von uns erschaffen und sie litt, denn sie war ein Spiegelbild der Unsrigen. Und aus diesem Leid heraus erwuchs der sehnlichste Wunsch nach Kapitulation, sie schwärmten von einem Leben der Vorbilder und Laster und ersoffen dennoch an ihrem eignen Unglück. Und durch ihre Kapitulation, durch das Vakuum nach ihrer Implosion vermengten wir uns. An dem Tag, als das Telefon starb, weil es leid war, uns weiter zuzuhören, rückten wir zusammen.</p>
<blockquote><p>Lacrimae rerum, Tränen der Dinge nannte es Vergil; Die Dinge übernehmen etwas von uns, und was sie übernehmen, führen sie uns vor Augen, wir sähen es sonst nicht.</p></blockquote>
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		<title>We&#8217;re All Gonna Die &#8211; 100 meters of existence</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Jan 2009 21:46:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8216;We&#8217;re All Gonna Die &#8211; 100 meters of existence&#8217;.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.simonhoegsberg.com/we_are_all_gonna_die/slider.html"></a><a href="http://www.simonhoegsberg.com/we_are_all_gonna_die/slider.html"><img class="aligncenter size-full wp-image-1288" title="We're all gonna die" src="http://himmelende.de/wp-content/uploads/2009/01/we_are_all_long.jpg" alt="We're all gonna die" width="528" height="92" /></a><br />
<a href="http://www.simonhoegsberg.com/we_are_all_gonna_die/slider.html"> &#8216;We&#8217;re All Gonna Die &#8211; 100 meters of existence&#8217;.</a></p>
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		<title>Manege der Realität oder wie kluge Menschen all dies nennen</title>
		<link>http://himmelende.de/2008/12/13/manege-der-realitat-oder-wie-kluge-menschen-all-dies-nennen/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Dec 2008 16:11:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>fab</dc:creator>
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		<category><![CDATA[realität]]></category>
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		<description><![CDATA[Abend, eins, einuhr. Zurück in der stillen Schwebe, die man Zuhause nennt. In meinem Fall eine Burg, wie Burroughs sie gebaut hatte, um den wahnwitzigen Abschaum und das Gekreisch auf den Straßen abzuschirmen. Wir stecken tief drin. Den Vorhang auf &#8230; <a href="http://himmelende.de/2008/12/13/manege-der-realitat-oder-wie-kluge-menschen-all-dies-nennen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Abend, eins, einuhr. Zurück in der stillen Schwebe, die man Zuhause nennt. In meinem Fall eine Burg, wie Burroughs sie gebaut hatte, um den wahnwitzigen Abschaum und das Gekreisch auf den Straßen abzuschirmen. Wir stecken tief drin.</p>
<p>Den Vorhang auf und die Manege brennt, ein Flammenkorps stolziert über den Treibsand, bettelt, betet dem Publikum zu: Lasst uns sein, da wir brennen; jeden Moment den eine Tür sich öffnet und den Weg frei gibt für die strömenden Teufel. Eigentlich sollte es ein Film werden, Horizontale Variabilität. Da ist sie vorhanden in der Manege der Realität oder wie kluge Menschen all dies nennen. Alles Scheinbare ist erlaubt auf der sandigen Bühne im Rondell unterhalb des erwartenden, wartenden, watenden, wetternden, wahrhaften, wahllosen Podiums: Tatatataaaaah, Bitz, butz, blinkblink. Zirkus für Kinder. Regenbunt unter dem Dach fällt herunter. Sie jauchzen alle. Plärr! Wieder einer weniger. Kläng-Kläng. Beckenknochen gebrochen. Darunter sowieso nichts Wertvolles.</p>
<p>Ich kannte mal ein Mädchen<br />
Ihr Name der war Gretchen<br />
Fuhr hinauf<br />
Und fuhr hinab<br />
Den Berg auf einem Rädchen</p>
<p>Hab’ alles ich denn vergessen, bedröppelter Droschkenbauer, ich? Sind die Ringe über den Luftschlössern plump zu Grunde gefallen? Scheinbar, nicht scheinbar, unscheinbar. Die Schienen erscheinen in glänzendem Licht. Nicht so hastig, das brauchen wir nicht. Wo eine Bahn ist, wartet doch nur der Weg schief zu werden und dann sprühen die Funken, bitz, butz, blinkblink. Wieder einer weniger. Jämmerlich.</p>
<p>Verstanden sei alles was ist. Für diesen kurzen Moment des Verstehens bis die Himmelsachse rotiert und gedachte Formen an die Stelle des Unendlichen treten. Bretterverschläge binär entstellter Fraktale. Wahr ist was war. Gewesen sind wir denn einst vor der Wahrheit. Hurtig angefasst. Okkams Messer im Geiste, sieht die Welt so einfach aus und jede Linie führt an einen anderen Ort, es sei denn, sie liegen übereinander. Horizontale Variabilität. Preisgekrönte Mastkälber spucken Äpfel und Birnen aus schwindelnden Höhen. Hereinspaziert, hereinspaziert. Wieder einer weniger. Wer eigentlich legte das Konzept der Kurzgedankendiplomatie fest? Weil du sprichst „ist es nicht der Fall, dass du nicht sprichst“ ist es nicht der Fall, dass du nicht sprichst (Sie applaudieren). Schneller für Langsame.</p>
<p>Jetzt mal langsam. Eine Schiene ist ein ungerader Weg, wenn man sich dreht und dreht man die Schiene muss man sehr schnell sein. Permutationsmenge der Winkelgeschwindigkeiten mal Ix, Scheren sich ohnehin einen Dreck um die Zeit. Definition der Deklination der unbestimmten Ausdehnung der punktuellen Räumlichkeit des Einflussbereichs aller Rhesusaffen (Sie applaudieren). Fliegende Fellinis fallen furchtbar tief. Wieder einer weniger. Stecken ziemlich tief drin, die Eierköpfe. Öffne noch einmal den Vorhang. Einmal noch. Jederzeit könnte ich…</p>
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		<title>Mal eben nichts</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jul 2008 20:40:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Schnell nach Hause&#8230; schnell umziehen&#8230; schnell duschen&#8230; kurz was essen&#8230; schnell drüberlesen&#8230; kurz anrufen&#8230; kurz hinlegen&#8230; schnell was ausmachen, abmachen, durchmachen.&#8221; Die letzten 5 Wochen: hastig und rastlos. Eile &#8211; das Attribut klebte an jeder Tätigkeit, ölte sie ein, machte &#8230; <a href="http://himmelende.de/2008/07/25/mal-eben-nichts/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Schnell nach Hause&#8230; schnell umziehen&#8230; schnell duschen&#8230; kurz was essen&#8230; schnell drüberlesen&#8230; kurz anrufen&#8230; kurz hinlegen&#8230; schnell was ausmachen, abmachen, durchmachen.&#8221;<br />
Die letzten 5 Wochen: hastig und rastlos. Eile &#8211; das Attribut klebte an jeder Tätigkeit, ölte sie ein, machte sie glitschig. Kaum zu fassen alles. Zur Ruhe kommen war nicht. Gar nicht dran zu denken. Keine Zeit dran zu denken. Dafür war der Prüfungsstoff zu viel. Und die Zeit zu knapp.<br />
Kaffee gemacht, die Nacht durchgemacht, gebüffelt, gepaukt. Am nächsten Tag zwar ausgelaugt, doch in die Schule geschleppt und schwer. Manchmal geglaubt es geht nicht mehr, aber nie überzeugt gewesen davon, also weitergemacht and so on. Kaffee gebrüht, spät Nachts geübt, dann Hirn verglüht. Den Morgen drauf, die Augen auf, noch vom Delirium besoffen, sind meine Augen wirklich offen? Raubbau am Körper, ein Stück weit Mord. Ach, <a title="Goethe, Faust" href="http://www.recmusic.org/lieder/get_text.html?TextId=29448" target="_blank">Schlaf ist Schale, wirf sie fort</a>!<br />
Jetzt: nichts mehr. Keine Prüfungen, keine Verantwortlichkeiten, kein schlechtes Gewissen, zu wenig getan zu haben, zu viel getan zu haben, überhaupt etwas getan zu haben. Jetzt: nichts mehr. Nichts mehr als nur Zeit, einfach nur Zeit. In Ruhe heißt lang. Lang duschen, lang frühstücken, lang telefonieren, auch lang-sam gehen. Wieder<a title="Wikipedia: Die Entdeckung der Langsamkeit, Roman" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Entdeckung_der_Langsamkeit" target="_blank">entdeckung der Langsamkeit</a>.<br />
Da ist ein Raum, so voll mit Nichts. Mit nichts mehr als nur Zeit. Mit der weiß ich noch gar nichts anzufangen. Ich mach mal eben nichts. Ist das OK?</p>
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		<title>Wortglauberei 12</title>
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		<pubDate>Mon, 26 May 2008 16:39:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wohlstandsverwarlosung beschreibt die seelische Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wohlstandsverwarlosung</em><br />
beschreibt die seelische Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen. </p>
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		<title>Sahnehäubchen der Seelenlosigkeit</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Dec 2006 12:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bas</dc:creator>
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		<category><![CDATA[konsum]]></category>
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		<description><![CDATA[Erfolgreich den Kaufrausch der Vorweihnachtszeit ohne Kopfschmerzen überstanden und davon überzeugt, dass der Stresspegel der Leute direkt proportional zum Grad der Heiligkeit einer Jahreszeit ansteigt. Gut, Weihnachten ist rum. Abgehakt. Was jetzt kommt is the same procedure as every year. &#8230; <a href="http://himmelende.de/2006/12/30/sahnehaubchen-der-seelenlosigkeit/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erfolgreich den Kaufrausch der Vorweihnachtszeit ohne Kopfschmerzen überstanden und davon überzeugt, dass  der Stresspegel der Leute direkt proportional zum Grad der Heiligkeit einer Jahreszeit ansteigt. Gut, Weihnachten ist rum. Abgehakt. Was jetzt kommt is the same procedure as every year. 2006 liegt in seinen letzten Zügen, das Jahr der falschen Propheten geht zu Ende. Klinsmann ist weg, Schumacher ist abgetreten, Daisy ist gestorben, das Siemens Handy ist Geschichte, Kofi Anan ist weg, Christiansen will aufhören, Bush muss und Saddam und Pinochet sind derweil schon mal vorgegangen. Die Abspannmusik der Jahresrückblicksendungen klingt noch nach, ganz vorne mit dabei war Kerner, der nicht sparte mit schmalztriefender Betroffenheitsrhetorik in &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EB0DB7A073ED14C58AF06A08A7CA719E1~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Menschen 2006</a>&#8220;, das Sahnehäubchen der Seelenlosigkeit und Rausschmeisser zum Jahresende. Lebensbejahend und fern guter Vorsätze ziehen wir ins neue Jahr. 2007 kann es nur noch aufwärts gehen.</p>
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