Tag: zitat (page 14 of 21)

Nette Wissenschaft


Wissenschaft funktioniert nicht, weil wir alle nett sind. Newton könnte ein Arsch gewesen sein, aber die Schwerkraft gilt dennoch.

Gavin Smith, Hadley-Institut

Unendlicher Spaß

“Ich kann dir ja erklären, dass ich mit Gott ein verwaltungstechnisches Hühnchen zu rupfen habe. Sagen wir, Gott pflegt einen eher lockeren Managementstil, auf den ich nicht besonders abfahre. Ich bin ziemlich Antitod. Gott scheint nach allem, was man hört, Protod zu sein. Ich bezweifle, dass wir uns in der Beziehung einigen können, er und ich.”

- Harold Incandenza, “Unendlicher Spaß

Das Kreuz mit dem Kreuz

“Was Deutschland interessiert” will uns Google zeigen und präsentiert zur Bundestagswahl 2009 eine Statistik, so breit, dass sie hier noch nicht mal richtig reinpasst. Die Zahlen in der Grafik zeigen an, wie viele Suchvorgänge für einen bestimmten Begriff verglichen mit der Anzahl aller Suchanfragen bei Google über einen bestimmten Zeitraum durchgeführt wurden. Heißt also: Je steiler die Kurve für eine Partei, desto mehr Interesse. (via Text & Blog)

Ausserdem hat das ZDF auf Youtube einen eigenen Kanal zur Bundestagswahl eingerichtet. Auf „OpenReichstag“ findet man eine ganze Menge Videos, die sich mit dem Thema beschäftigen. Der Kanal bietet die Möglichkeit, sich mit Fragen per Videobotschaft direkt an die Politiker zu wenden. In der Serie „Qual der Wahl“ werden ausserdem die Wahlwerbespots der letzten Jahrzehnte von bekannten Gesichtern der Medienwelt analysiert. Friedrich Nowottny gibt hier unter anderem ein paar exzellente Kommentare ab über die Ära Kohl:

“Scharping (ist) ein politisches Nichts, durch Sockenkauf und Anzugfinanzierung durch ne Werbeagentur gebrandmarkt; in der Luft zerrissen (…) das sind alles Leute von vorgestern.”

Absage, die Letzte

photo by Katie Arms

Adieu Berlin, du wärst so schön gewesen. Studieren in der Bundeshauptstadt? Yeah, right!
Gestern hatte ich die letzte meiner drei Absagen aus Berlin im Postkasten. Bewerbung für die Freie Universität, Studiengang “Deutsche Philologie als Kernfach, Nebenfach Philosophie.
“Wir danken für Ihr Interesse… bla bla bla… Leider hatte ihr Antrag…”, weiter muss ich nicht lesen. Warum Absage? Schnitt zu schlecht oder Bewerber zu viel? Beides. Mit meinen 2,7 rangiere ich vielleicht nicht in der Liga der mit Handkuss Genommenen, aber…

Anzahl der Bewerber: 902
Anzahl der Studienplätze: 102
Rang der letzten Zulassung in der Hochschulquote: 1,5 (!)

Auch hier wieder eine ähnlich miese Quote, wie bei den letzten Absagen. Nur rund 1/10 der Bewerber hat Aussicht auf einen Studienplatz.

Wohl gemerkt: Wir reden hier von Deutscher Philologie als Kern- und Philosophie als Nebenfach. Das ist nicht Jura, das ist nicht Medizin, das sind keine fucking Neurowissenschaften, das sind ganz billige Brot- und Butter-Studienfächer, nichts mit Handkuss, nichts mit Schoko-Streusel oben drauf.

Gut, dann geht’s halt nicht an die Spree. Aber zwei Dinge möchte ich im Nachhinein festhalten:
Der Andrang an Berliner Universitäten ist gewaltig, das treibt den NC nach oben (bzw. nach unten, je nachdem, wie man rechnet). Keine Frage, es spricht ja auch einiges für ein Studium in der Bundeshauptstadt: Keine Studiengebühren, gute Wohnsituation und natürlich Berlin an sich.
Ding zwei ist eher ein Verdacht, der mich beschleicht. Berlin ist notorisch pleite und das schlägt sich nicht nur in den Ausgaben für deren Bildungsinfrastruktur nieder, dort jedoch eklatant. Lehrstühle können nicht besetzt werden, es fehlt an genügend Dozenten, die Einrichtungen sind unterfinanziert bzw. für den Ansturm nicht gerüstet. Das mag nicht für jede der dortigen Uni’s gelten und an den FH’s sieht die Sache mancherorts sicher auch anders aus. Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege aber diese Kombination aus Haupstadthype und knapper Kasse führt dazu, dass man selbst in den “billigsten” Studiengängen auf einen NC trifft, der einem knüppeldick die Beine bricht.

So long, Berlin. Schade, du hättest mich von allen deutschen Städten am meisten gereizt. Aber vielleicht kommen wir ja beim Master wieder zusammen. Oder im nächsten Leben. Und dann kann ich endlich meine Hand unter deinem Rock auf Wanderschaft schicken.

Populismus in Deutschland

“Populismusvorwurf, was fürn Quatsch. Das ist so hilflos und kindlich. Das ist, als würden sie einem Sportler vorwerfen, dass er schwitzt. Das sind Politiker, die müssen populär sein.”Hagen Rether zum Thema Populismus und Politik

Schreiben ist einfach

“Schreiben ist einfach. Man muss nur auf ein leeres Blatt Papier starren, bis sich auf der Stirn Blutstopfen bilden.”

- Gene Fowler

Schwager in Bordeaux

Ein Sprichwort sagt: man isst mit zwei Stäbchen, während man nur mit einem Stift schreibt. Deshalb verdient man mit Schreiben genau die Hälfte von dem, was man für das Essen ausgibt. Wie wäre es aber, wenn man mit zwei Stäbchen gleichzeitig schreiben würde? Die linke Hand von links nach rechts, die rechte Hand von rechts nach links, sie kreuzen sich in der Mitte und dann gehen sie auseinander.

- aus “Schwager in Bordeaux”, Yoko Tawada

Da leben Menschen

Da leben Menschen, weißerblühte, blasse
und sterben staunend an der schweren Welt.
Und keiner sieht die klaffende Grimasse,
zu der das Lächeln einer zarten Rasse
in namenlosen Nächten sich entstellt.

Sie gehn umher, entwürdigt durch die Müh,
sinnlosen Dingen ohne Mut zu dienen,
und ihre Kleider werden welk an ihnen,
und ihre schönen Hände altern früh.

Die Menge drängt und denkt nicht sie zu schonen,
obwohl sie etwas zögernd sind und schwach, -
nur scheue Hunde, welche nirgends wohnen,
gehn ihnen leise eine Weile nach.

Sie sind gegeben unter hundert Quäler,
und, angeschrien von jeder Stunde Schlag,
kreisen sie einsam um die Hospitäler
und warten angstvoll auf den Einlasstag.

Dort ist der Tod. Nicht jener, dessen Grüße
sie in der Kindheit wundersam gestreift, -
der kleine Tod, wie man ihn dort begreift;
ihr eigener hängt grün und ohne Süße
wie eine Frucht in ihnen, die nicht reift.

- Das Stundenbuch / Das Buch von der Armut und vom Tode (1903), Rainer Maria Rilke (1875-1926)

“Keine andere Form des gewöhnlichen Scheiterns, weder Krankheit noch Ruin oder Versagen im Beruf, findet einen solch tiefen, grausamen Widerhall im Unterbewußten wie die Trennung. Sie rührt unmittelbar an den Ursprung aller Angst und weckt ihn auf. Sie greift mit einem Griff so tief, wie überhaupt Leben in uns reicht.”
Botho Strauß, “Die Widmung. Eine Erzählung.”

Die guten Bösen

“Über den Daumen gepeilt, gibt es nur vier Sorten von uns: die guten Guten, die bösen Bösen, die bösen Guten und die guten Bösen. Die guten Guten und die bösen Bösen bleiben, was sie waren, die sind selten, aber langweilig. Ebenso die bösen Guten, die sind eine Weile die lieben Kinder braver Eltern mit Häuschen und Garten, doch sie werden größer und wollen die Häuschen und die Gärten und machen alles, damit sie alles bekommen, wovon sie meinen, es stünde ihnen zu. Die einzigen, die zählen, das sind die guten Bösen, die ziehen die Arschkarte schon am Tag ihrer Geburt und lernen, wie die bösen Bösen, nichts als lügen und betrügen und prügeln und rauben, bis sie ein paar Jahre Knast abgreifen und auf dem Zahnfleisch kriechen und manchmal unter die Röcke einer Religion oder einer Ideologie. Dann tun sie nicht einmal mehr einander Gewalt an, sondern nur noch sich selber, aus Angst vor Strafe und davor, rückfällig zu werden, also böse Böse – für den Rest des Lebens – wieder und wieder hinter Gittern.”

- aus “Böse Schafe“, Katja Lange-Müller

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