No Name No Slogan

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

“Ein Geschenk, das an der Haustür liegt, ist eine Sache. Ein Geschenk, das man im Haus hinterlässt, nachdem man sich selbst Zutritt verschafft hat, etwas ganz anderes.”
Das amerikanische IT-Blog Recode fasst die Stimmen erboster Apple-User zusammen. Bei der Einführung des letzten iPhones wurde U2s neues Album an millionen Benutzern zwangsverschenkt.
via heise.de – Who tf is U2

Standard
'Future', by Marzena Skubatz
Inspiration

Die Philosophie des Bleibens

In einer bestimmten Folge von Veronica Mars sagt Kristen Bell, die die Hauptdarstellerin der Sendung (äh, Veronica) spielt etwas, das ich immer für ziemlich richtungsweisend gehalten habe. In ihrem Schlafzimmer sitzend dreht sie sich zu ihrem Sheriff-Papa Keith um und sagt: “Der Held ist derjenige, der bleibt.”

Dieses spezielle Zitat wurde mein Lebensmotto für den Großteil meiner Studienzeit. Aber nun sind fast vier Jahre vergangen, seit der Sender CW die Sendung abgesetzt hat und ich zweifle über den Wert, den ich damals der (wie ich es nenne) Philosophie des Bleibens beigemessen habe.

Mit 23 fange ich an zu glauben, dass es krankhaft ist, das Verlassen gegeneinander aufzuwiegen.
Continue reading

Standard
Skepsisreservat

Die immerwährende Beta

Was sich nicht organisch fügen will, soll wenigstens anschaulich klaffen.
Peter Rühmkorf

Über die kafkaesken Eigenschaften einer Baustelle

Es gibt in München eine Dauerbaustelle die entgegen der sonst natürlichen Art von Wanderbaustellen schon sehr lange an einem Platz verharrt: am Luise-Kiesselbach-Platz.

Seit 2009 wird hier versucht, den Mittleren Ring, eine der Hauptverkehrsadern Münchens unter die Erde zu bringen. Das dient der allgemeinen Beruhigung der Verkehrswahrnehmung, zumindest die der Anwohner und Gewinnung von Baugrund. Doch die Dauerbaustelle ist seit vielen Jahren vor allem eins: eine Metapher auf das Leben.

Das Wort Dauer an sich ist schon irreführend; wie lange ist etwas von Dauer, wenn etwas von Dauer ist? Zwei Monate, vier Jahre, vier Jahrzehnte? Etwas ist von Dauer beschreibt einen imaginierten Punkt in der Zukunft, der auch mal knapp unter Ewigkeit liegen kann (siehe Wartezeiten am Schalter der Deutschen Bahn oder Arztbesuche).

Die Annahme vom drohenden Untergang

In der Dauer schwingt auch die Vermutung mit, dass dieser Zustand nicht final ist. Am Luise-Kiesselbach-Platz ist dieser Eindruck schwer nachzufühlen, obwohl geschürft und geflucht, gegraben und straßenverlegt wird, was der moderne Tiefbau zu bieten hat. Schweres Gerät, auftürmende Schuttberge und dutzende Ersatzbushaltestellen sind ein Verweis darauf, dass die arme Seele, die es irgendwie über diesen Platz schaffen will, egal ob Fußgänger oder Motorisierter, es mit einer Bricolage besonderen Umfangs zu tun bekommt: der immerwährenden Beta (the perpetual beta) eines Bauareals.

Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.Rilke

Eine Sache, die sich nur selbsterfahrend mit dem Auto entdecken lässt, ist die kafkaeske Eigenschaft der dortigen Behelfsstraßenführung. Das war zumindest in der Anfangszeit der Dauerbaustelle der Fall. Als ich das erste mal mit dem Auto den Platz überqueren musste, verpasste ich die richtige Abbiegespur, so zerknäult waren die weißen und gelben Ersatzspurlinien. Das nächste mal, die gleiche Route, fuhr ich zuversichtlich der neugelernten Ausnahmesituation entgegen, nur um festzustellen, dass die Fahrbahnführung erneut verlegt wurde. Und ich erneut die Ausfahrt verpasste.

Ich bin kein Freund von Simplifizierung durch -esken, doch kafkaesk trifft es auf den Kopf, denn Franz Kafka hat genau so geschrieben:
Die Absichten einer dahinterstehenden Ordnungsmacht sind absolut nicht nachvollziehbar und wirken, durch das ständige Verändern gewohnter Regeln willkürlich und drangsalierend. Aber das ist nur meine neurotische Sicht auf die Dinge.

Sei’s drum, ich feiere den Luise-Kiesselbach-Platz als eine Metapher auf das Leben, das ewig Unabgeschlossene, sich dauernd Verändernde. Perfektion heißt stillstand, die einzige Konstante in diesem Universum ist Veränderung.

Das kann man nun mit Rainer Maria Rilke kommentieren oder Peter Rühmkorf, siehe oben.
Oder es eben bleiben lassen.

Standard
Abteilung für innere Angelegenheiten

Ab- und zu bekomme ich auf Mails oder Kurznachrichten die Antwort: “Ich hab grad keine Zeit zum Antworten, aber ich melde mich wieder.” Das ist okay, es stört mich nicht. Meistens höre ich dann nichts mehr von dieser Person, aber auch das ist verständlich. Es gibt es Studien, die belegen, dass nach 48 Stunden die Wahrscheinlichkeit, sich um eine nach hinten gestellte Sache zu kümmern um einen gewissen Prozentsatz sinkt; den genauen Wert habe ich leider vergessen, aber er war sehr hoch. Ein Beispiel kennt jeder: Artikel, die man noch lesen will und sich irgendwo notiert (ich benutze dafür gerne Instapaper, es lässt sich offline-lesen und meine noch zu lesen Liste ist – fragt besser nicht – so lang, dass es in einem Leben nicht mehr zu schaffen ist). Kurzum: schiebt man die Dringlichkeit von jetzt auf gleich auf demnächst, ist die nächste Stufe ziemlich sicher nie.

Aber dieses sich Zeit nehmen um zu sagen, dass man keine Zeit hat, fasziniert mich. In einer Welt der geistigen Kleinteiligkeit ist Aufmerksamkeit, besonders die von Freunden doch wirklich kostbar geworden. Und ich sehe das als eine Form der Wertschätzung: Es ist mir wichtig, dass du weißt dass ich weiß, dass du mir was geschickt hast, das wichtig ist. Ich kümmere mich darum… bald.

In dem Lied Sommertag von Gisbert zu Knyphausen singt er:
“Manchmal glaube ich, dass ich zu langsam bin, für all’ die Dinge, die um mich herum geschehen.
Doch all’ die Menschen, die ich wirklich, wirklich gerne mag,
sie sind genauso außer Atem wie ich.”

Außer Atem

Kurzmitteilung
No Name No Slogan

Eine Armut an Aufmerksamkeit

In einer Welt voller Informationen bedeutet diese Fülle zugleich einen Mangel an etwas anderem: eine Knappheit von dem, was Informationen verbrauchen. Was das ist, liegt auf der Hand: Informationen verbrauchen die Aufmerksamkeit ihrer Empfänger. Folglich erzeugt ein Reichtum an Informationen eine Armut an Aufmerksamkeit.”Herbert Simon, Sozialwissenschaftler, 1971(!)

In der SZ am Wochenende vom 30./31. August 2014 hat Dirk von Gehlen einen schönen Artikel über Native Advertising und virale Werbung geschrieben, den ich online leider noch nicht auftreiben konnte.

Standard
Abteilung für innere Angelegenheiten

Some days you wake up and immediately start to worry. Nothing in particular is wrong, it’s just the suspicion that forces are aligning quietly and there will be trouble.

Eines Tages wachst du auf und du beginnst unmittelbar, dir Sorgen zu machen. Nichts im Besonderen läuft falsch, es ist nur der Verdacht, dass sich Kräfte ruhig ausrichten und es Ärger geben wird.

В некоторые дни вы просыпаетесь и сразу начинаю волноваться. Ничего особенного не случилось, это просто подозрение, что силы совместив спокойно и будут неприятности.

Algunos días te despiertas y de inmediato comienzan a preocuparse. Nada en particular es malo, es sólo la sospecha de que las fuerzas se están alineando en silencio y no habrá problemas.

Quelques jours vous vous réveillez et immédiatement commencent à s’inquiéter. Rien de particulier ne va pas, c’est juste le soupçon que les forces alignent tranquillement et il y aura des problèmes.

有些日子,你醒了,马上开始担心。没什么特别的是错的,它只是力量正在悄悄地调整,并会有麻烦的嫌疑。

– Decisions (Entscheidungen)

Eines Tages – One day

Kurzmitteilung