Der Nichtstuer
“Der Nichtstuer als der Geistesmensch ist tatsächlich in den Augen derer, die unter Nichtstun tatsächlich nichts tun verstehen und die als Nichtstuer auch tatsächlich gar nichts tun, weil in ihnen während des Nichtstuens gar nichts vorgeht, die größte Gefahr und also der Gefährlichste.”
Thomas Bernhard, österreichischer Schriftsteller
Brenzlig für Guido
Aus einer Unterhaltung in einer Ladenpassage:
I: … ach mir doch egal. Soll sich Herr Westerwelle doch weiter in seine spätrömische Dekadenz hineinlamentieren. Ich lebe mein Leben sowieso nach streng wertorientierten Kultur-Verpflichtungen, da brauch ich solche Possen nicht.
II: Alles Phrasendrescherei. Spätrömische Dekadenz – das ist doch auch bloß so eine oberflächlich dahingeplapperte, stupid verallgemeinernde abendländische Kultur-Aussage; viel Wind, aber nichts in der Hose.
I: Windhose?
II: Tote Hose! Das hat doch alles kein Fundament. Ich mein, er ist Aussenminister, warum missbraucht er sein Amt und macht das Thema zur Chefsache? Bläst sich auf, zweieinhalb mal so groß. “Man wird das in Deutschland ja wohl noch sagen dürfen”. Ja, klar. Das ist ein Terrorist, sag ich dir, der nimmt für sein eskapistisches Gequatsche das gesamte auswärtige Amt als Geisel. So ist der nämlich drauf.
I: Kollateralschäden sind ihm egal.
II. Kollateralschäden sind ihm sowas von egal!
I: Echt, bald wirds brenzlig für Guido. Wenn er sich nicht bald entschuldigt, steigen ihm die ganzen Hartzer aufs Dach. Dann brennt die Hütte, wie Rostock ‘92 (?). Wird ungemütlich…
Suchanfragen
Es ist so liebreizend – kann man das in diesem Zusammenhang überhaupt sagen? – egal, jedenfalls, es ist so liebreizend von der Internetbevölkerung, quasi ein Zeichen inniger Fürsorglichkeit und wahren Respekts, dass genau in den Momenten, in denen meine Hoffnung sinkt und ich befürchten muss, es würden schleichende Prozesse geistiger Emanzipation eintreten, ein Wandel beginnen, der in den Hirnen der User ein intellektuelles Umdenken in Gang brächte, fulminant kumuliert in der finalen Auflösung hartnäckiger, präpubertärer Bildungsresistenzen; wenn also meine Befürchtungen aufkommen, die Masse erhebe sich plötzlich aus ihrer schleichenden, grenzdebilen Mittelmäßigkeit heraus, dann reicht nur ein Blick in das Serverlog, um die an Himmelende gerichteten Suchanfragen zu analysieren und ich weiß: Es hat sich nichts an der mir so liebgewonnenen Bullshittigkeit geändert, die mir in diesem Internetz, von dem jetzt alle reden links und rechts um die Ohren fliegen:
- Schmutzwäsche
- Pferdeporno
- Vodka
- Warum richten sie ihre Walther auf meine Hoden?
In dieser Reihenfolge.
Ordentlich.
Danke, Internet.
Die Geschichte meines Lebens
“Die Geschichte meines Lebens gibt es nicht. So etwas gibt es nicht. Es gibt nie einen Mittelpunkt. Keinen Weg, keine Linie. Es gibt weiträumige Orte, von denen man glauben macht, es habe hier jemanden gegeben, das stimmt nicht, es gab niemanden.”
Marguerite Duras, “Der Liebhaber”, 1984
Die Woche in 140 Zeichen
- If the soul leads, the body will follow. In diesem Sinne: gute Nacht. #
- Scheiße, Übertreten. Na dann geh ich mal Strafkotzen. #
- Morgens, halb 10 in Deutschland: Existenzängste. #
- großes Dramapotential #
- Tag beginnt mit einer echten Motivations-Problematik, die sich auch nicht kleinreden lässt. #rausausdenfedern #
- turning on auto sleep mode #
- Schlafen ist Kommerz. #
- Da draußen tobt das falsche Leben, sichern wir uns ein kleines Plätzchen im festen Glauben an die Möglichkeit von wahren Gefühlen. #
- Bis eben vorherrschende konstruktive Kommunikations-Phase geht nahtlos in muggelige Fressnarkose über. #
- Den Tag bis jetzt gut durchgebracht. Vorgegaukelte Fachkompetenz die Camouflage. #
Magazin der erfreulichen Dinge
Mit dem Alter – und ich bin bei diesem Gedanken noch nicht richtig überzeugt, ob es wirklich am Alter liegt – mit dem Alter jedenfalls werde ich zunehmend ein Freund der guten, erfreulichen Dinge: gute Tees, gute Cremes, gute Weine, gute Gesellschaft. Was sich jetzt anhört wie aus der Chantré-Werbung, sollte eigentlich ein Lockmittel für das Cascade-Magazin sein, “Das Magazin der erfreulichen Dinge”. Schaut also mal rüber, ist wirklich alles sehr erfreulich dort.
Die Woche in 140 Zeichen
- Ich habe doch gar keine Auto. #
- I've seen shame on many faces, I've seen it on mine. ♫ http://blip.fm/~kivus #
- Frau Wuckal: Ich hab dich lieb so. #
- Someday this will all make sense. #
- großes Dramapotential #
- Ich probiers jetzt mal mit Gemütlichkeit. #
- http://twitpic.com/11vkd0 – Facebook bietet Geisterbeschwörung an. Mit Jacko in Verbindung treten. Spooky. #
- Hmmm… Pillsbury Sonntagsbrötchen sind ja gar nicht mal so gut. #
- Käsekuchendoping um halb elf. Dann begreif ich auch das semiotische Dreieck als bildliche Darstellung der Mehrdimensionalität der Zeichen. #
- Der Dornseiff, ich liebe ihn. Wörter nichts als Wörter. Gute Wörter. Und mein erstes Buch mit Bedienungsanleitung. http://yfrog.com/1es4pkj #
- Hip Hip Hurra! Alles ist super, alles ist wunderbar. http://tumblr.com/xy9651u0x #
- Mitternächtliches syntaktisches Zeugma: Ich gehe schlafen und mein Bett kaputt. #
- Spondeus und Anapäst? Ich kenn bloß Spongebob und Antipasti. #
- In meinem Studium jagt bis jetzt ein Plausibilitätsdefizit das nächste. Ärgerlich. #
- Asyndetische Wahrnehmungsfragmente. Den ganzen Tag schon. #
- Das Leben ist hart, aber heiter. #
- Der Morgen beginnt mit schöner Kunst: http://yfrog.com/1eh9whj #
- Meine These: Was wir Männer im Vergleich zu Frauen intelligenzmäßig nicht bringen, machen wir halt durch Waffen wieder wett. #
- Kaufe ich jetzt den Landmaschinen- oder doch den Spreng- und Abrisssimulator? Hm, schwere Entscheidung. http://yfrog.com/1dtzfej #
- Ich glaube, ich bin zu proletarisch für Bibliotheken. #
- Komme gerade von einem mitternächtlichen Knutschtermin. Und jetzt in die Falle. #
- "Don’t be evil? Bullshit!" Haha, mir scheint, His Steveness hat vor seiner "The Steve Show" den Baldriantee vergessen. http://bit.ly/91CLft #
- Sorgte mich eben um den Präteritumsschwund in Bayern. Ehrlich Leute, das hat mir eine Scheißangst gemacht. #
- Lerne etwas über das Nähe/Distanz-Kontinuum und die konzeptionell-medialen Affinitäten. Linguistik is a fickle bitch. #
- Guten Morgen. Es ist Montag, Tag der postmaterialistischen Bestandsaufnahme. Also, was haben wir? Nichts. #
Fleissige Mädchen
Mädels sind im Studium, wie überhaupt im Leben generell immer fleissiger und besser organisiert als Jungs. Wenn ich zu meinen Kommilitoninnen neben mir rüberspähe, bekomme ich regelmäßig Kotzanfälle; dort stapeln sich die Unterlagen, gut durchdacht und vorbereitet, während ich mich auf mein Geschick in der hohen Kunst der Improvisation verlassen muss. Ihr habt mich also erwischt, ich bin ein Flaneur, ein verklärter Träumer, ein prokrastinierender Geist der Empfindsamkeit. Aber ich habe eine These: Was wir Männer im Vergleich zu Frauen intelligenzmäßig oder durch Fleiss nicht bringen, machen wir halt durch Waffen wieder wett. Was wir fürchten, rotten wir aus. Vor was wir angst haben, essen wir auf. Kühe, Kangoroos, etc. Angst vor Pferden? Kein Problem! Lasst uns Steak daraus machen.
Med-o-mat
Dieser Automat ist toll. Er steht im Untergeschoss des Münchner Hauptbahnhofs. Direkt gegenüber befindet sich das WC Center, das aussieht wie die Himmelspforte, alles supersteril, permanent umweht von einem Zitrone-Desinfektionsgeruch, hier will ich eines Tages nach dem Ableben gerne empfangen werden. Profan betrachtet macht man dort aus dem kleinen Geschäft nichts anderes als Big Business, Männer pinkeln für 80 Cent, bekommen dafür aber auch extra Baby-Wickelräume und Spiegel mit kleinen Tischen davor. Früher hieß das alles mal McClean, ist aber schon lange her. Nun, und gegenüber diesem sanitären Nobelschuppen steht also dieser Erste-Hilfe Automat, der dort vom Gesundheitszentrum aufgestellt wurde. Auf dem ersten Blick sieht er, bis auf das knallige Rot einem Zigarettenautomaten zum Verwechseln ähnlich. Nur dass man ausser Gauloises und Lucky Strike eben Taschentücher, Rettungsdecken und Mundsprays ziehen kann, bei Bedarf aber auch Grippe-, Drogen- und Harnwegstest und – meine Favoriten – Prostatakrebs- und Schwangerschaftstest bekommt! Genial. Ich meine, man geht dorthin um sich was zum Quarzen zu holen, steckt sich das Ding dann in dem Mund und stellt fest: Scheiße, ich bin Schwanger! Oder nuckelt anstatt an der Fluppe am Prostatakrebsvorsorgetest. Ironie des Schicksals, wenn dieser Test dann positiv ausfällt.
Beim Finanzamt
“Warum man keine FDP-Wähler mehr auf der Straße sieht? Die sind alle im Finanzamt. Zur Selbstanzeige.”
Harald Schmidt















