Was zu tun haben

Eine Woche nach der Beerdigung des Papstes, dem Rausschmiss FC Bayerns aus der Champions League (was mich nicht wirklich juckt) und Intels Ankündigung einer neuen Prozessorgeneration bekam ich einen neuen Job. Es wurde Sommer, ganz zaghaft und langsam. Die Erde unter meinen nackten Füssen strahlte noch die Kälte des eben verbannten Winters ab. Ich schlenderte barfuß durch den Garten. Nasse, schwere Wiese, bei jedem Schritt drückte sich etwas Wasser zwischen meinen Zehen hindurch. Ob mein neuer Arbeitgeber mich diesmal übernehmen würde? Sechs Monate Praktikum, 400 Euro, damit könnte ich leben, wenngleich nicht dauerhaft. Und hernach? Wieder auf der Suche? Wieder von einem Job zum nächsten hangeln, nicht wissen, was morgen oder übermorgen oder nächste Woche geschieht? Es war mir gleich, es war mir egal. Entscheidend war, dass ich endlich wieder was zu tun hatte.

Mit anhaltender Dauer der Arbeitslosigkeit bekommt dieser Zustand krankhafte Auswüchse. Man wird zunehmend gleichgültig, von Tag zu Tag ein bisschen mehr. Das kommt leise, ganz schleichend und ich könnte Bücher darüber schreiben. Hinterhältig und gefährlich, man zieht sich zurück, schaltet ab, dreht sich weg von der Welt. Unbeweglich, wie erstarrt, hofft man nurmehr. Aber der Glaube ist längst verloren. Durch Arbeit wird man bestätigt. „Man ist für etwas gut.“ Und der Selbstzweifel wächst mit jeder Absage. Jetzt habe ich wieder eine Arbeit, obgleich ich mich im Moment noch nicht so freue, wie ich mich über diesen Umstand eigentlich freuen sollte. Aber das kommt bestimmt noch. Zumindest bin ich jetzt schon aufgeregt, Montag gehts los.

In meinem neuen Job werde ich nicht schreiben, ich werde dort keine Artikel verfassen und keine neuen Beiträge recherchieren. Ich werde dort niemanden anrufen und fragen müssen, warum Münchens Verkehrsplaner die bummsvollen Ein- und Ausfallstraßen zur Rush Hour nicht unter Kontrolle bekommen, wer dafür verantwortlich ist und ob ich ein Interview mit ihm bekomme.

Aber das ist schon okay. Mal sehen, was noch so alles auf mich zukommen mag. Ausserdem ist es immer schwer, den richtigen Weg zu finden. Die einen, die Arbeit haben, werden krank, weil sie unglücklich sind mit ihrer Arbeit. Und die anderen, die keine Arbeit haben werden krank, eben weil sie keine Arbeit haben. Wusste ich schon immer, wir leben in einer kranken Gesellschaft.

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