Gunilla dreht sich
Die Frau ist wieder da. Sie ist weder alt noch jung, ihr graublondes Haar trägt sie offen und lang. Bevor sie sich setzt, dreht sie sich im Kreis und zählt dabei die Runden… eins… zwei… drei… vier… fünf. Weiterlesen
Die Frau ist wieder da. Sie ist weder alt noch jung, ihr graublondes Haar trägt sie offen und lang. Bevor sie sich setzt, dreht sie sich im Kreis und zählt dabei die Runden… eins… zwei… drei… vier… fünf. Weiterlesen
Als Tom und Mira das erste Mal miteinander sprechen, ist er als Eiffelturm verkleidet, und sie trägt ein mit Muscheln beklebtes Kleid. Ein Geplänkel über die wenig subtile Symbolik ihrer Kostüme bricht das Eis. Beim Lachen bläst Tom ihr Rauch … Weiterlesen
Es hat ein wenig geschneit, und die Luft riecht nach Wassermelonen, alles Zeichen dafür, dass es Winter wird. Es ist Nacht, Anja zieht sich aus, will schlafen gehen, doch dann zieht es sie wieder ans Fenster. Ob er noch wach … Weiterlesen
Eine Gutenachtgeschichte Sina ist ein offenes Buch mit ein paar fehlenden Seiten. Sagt immer, was sie denkt, aber manchmal nicht, was sie fühlt. Sagt nun: “Liebe ist ein viel kleineres Gefühl als wir alle vermuten” und hofft, dass ihr jemand … Weiterlesen
Die Müdigkeit steckt Nora in allen Gliedern, bleischwer. Würde sie sich hinlegen, sie schliefe wohl augenblicklich ein. Aber sie sitzt ja, und so bleibt sie künstlich wattig-wach, mit diesem benebelten, betrunkenem Hirn und dem besoffenen Herzen, das überschwappt vor Liebe, wie immer in solchen Momenten. “Halt mich”, würde sie gern sagen, beißt sich aber auf die Lippen. Es würde die Sache verkomplizieren, sie sind jetzt drei Jahre getrennt und haben sich langsam daran gewöhnt. Weiterlesen
„Stell dir vor, du könntest die Zeit in Fetzen reißen, alles neu zusammensetzen und dann noch mal im Mosaik leben“, sagt Marie und lacht. Sie sagt öfter solche Sachen. Und sie lacht die ganze Zeit. Deshalb hat Nils sich in Marie verliebt und kaut nun Mangostücke, die sie von der Frucht schneidet und ihm in den Mund schiebt, obwohl er sich nichts daraus macht. Nichts aus Obst und eigentlich auch nichts aus solch schrägen Gedanken, wie Marie sie immer hat. Aber heute scheint die Sonne. Weiterlesen
Er malt sie immer in Grün. Obwohl sie die Farbe nicht mag. Sie hat es ihm mehrmals gesagt, erst sachlich, dann wütend, irgendwann resigniert, doch er greift weiter zu den grünen Farbtuben, tannendunkel, maihell, Wiesen, Meer und ihre Augen. Das ist der Punkt. “Du hast die schönsten Augen der Welt”, sagt er oft. “So ein Grün habe ich nirgendwo sonst gesehen.” Mag ja sein. “Ich bin das aber nicht”, flüstert sie. “Grün ist nicht meine Farbe.” “Ich sehe dich so”, sagt er, und damit ist das Thema erledigt. Immer. Weiterlesen
Man malt sich oft aus, wie man die Gespenster der Vergangenheit, sollten sie unerwartet vor einem stehen, vertreiben oder verprügeln würde. Der Freund, der sich in dasselbe Mädchen verliebte, der Lehrer, der einen vor der Klasse demütigte oder, oder, oder. … Weiterlesen
“Grau, nicht Rot sollte die Farbe der Liebe sein, erst in diesen feinen Abtönungen scheint auf, was wir im Inneren abtasten. Nicht in diesem triumphierenden Rot.” – Uwe Timm, “Der Freund und der Fremde”
Seit du gegangen bist, ist mein Körper traurig. Weinen kann ich kaum. Die Trauer ist tief in mir vergraben. Ich lenke mich bis zur Erschöpfung ab, lese, bis mir die Augen zufallen, bin so abgelenkt wie möglich und so wenig … Weiterlesen