Mal lieber dreissig

Folgendes Straßenschild stand an der letzten Ausfahrt: „Parken, Pinkeln und Enten schießen erlaubt. Campen verboten.“ Was sagt uns das? Kiwis sind sehr kreativ, was Straßenschilder betrifft. Und noch kreativer bei deren Bedeutungsauslegung.

Da ich hier sehr viel herumfahre, bin ich mit allerhand Absperrungen, Baustellen, Schildern und Straßenblockaden jedweder Natur konfrontiert. Hier mal ein paar meiner Favoriten.

„Flooding“
Neuseeland ist eines der regenreichsten Länder der Welt. Dementsprechend schnell füllen sich Abwasserkanäle und Flussläufe. Schilder, auf denen vor „Flooding“, also „Überflutung“ gewarnt wird, sind keine Seltenheit. Dabei kann es sich dann entweder um eine kleine Pfütze handeln oder um ein neu entstandenes Binnenmeer, das noch auf keiner Landkarte dieser Welt verzeichnet ist. Dann heißt es Risiko und hinein in die Fluten. Fährt man zu schnell, schwappt die Bugwelle über und der Motor läuft voller Wasser. Dann hat man ein Problem. Fährt man dagegen zu langsam, säuft einem die Karre ab. Dann hat man auch ein Problem. Der Trick ist, die richtige Geschwindigkeit zu halten. Und irgendwo zwischen Glück und Bestimmung liegt dann der heile und trockene Weg durch die Fluten.

„Washouts“
Das ist das Schild mit dem breitesten Interpretationsspektrum bis jetzt. Eigentlich sollten „Auswaschungen“ der Straße durch übermäßigen Regen zu erwarten sein (gehen meist mit „Flooding“ einher, siehe oben). Jedoch werden damit von kleinen Dellen bis mittelschweren Sankt Andreas Verwerfungen gerne alles bezeichnet. Es kann bedeuten, dass nur ein wenig Straßenrand abgebröckelt ist, es kann aber auch heißen, dass da gar keine Straße mehr vorhanden ist. Oder eine Straße, die im wesentlichen aus Loch besteht, bzw. eine Ansammlung von Löchern, die von etwas Asphalt drumherum zusammengehalten werden. Je nachdem, wie man es deutet.
„Washouts“ sind meist gekoppelt mit „Temporary 30“ Schildern. Also Fuß vom Gas und daran sollte man sich unbedingt halten. Im besten Fall ist man nach zwei Kilometern nur enttäuscht, ein paar Minuten mit 30 dahingezuckelt zu sein. Im schlechtesten Fall findet man die Stoßdämpfer des Autos irgendwo ein paar hundert Meter unter dem Erdmantel wieder.

„Wandering Stock“ heißt so viel wie „herumwanderndes Vieh“, heißt so viel wie Expedition ins Tierreich, heißt Kamera raus und auf ein paar glückliche Nahaufnahmen hoffen. Es gibt dafür extra Schilder mit Telefonnummern, die man im Falle von herumwandernden Vieh anrufen soll. Auch hier gelten die Extreme: Entweder kein Tier weit und breit oder ein Drittel der gesamten Kuhzivilisation im Siestamodus mitten auf der Straße vor einem, die, wenn man in Schrittgeschwindigkeit langsam auf sie zurollt, im Regelfall erst mal eine halbe Stunde wiederkäuend analysiert, ob dieses „Ding“ (Auto) etwas ist, wovor man auf die Seite gehen sollte oder nicht. Hupen und mit dem Fernlicht aufblenden hilft da übrigens wenig. Im Gegenteil, das macht die Sache für die Kühe manchmal nur noch interessanter. („Macht komische Geräusche UND blinzelt? Wow, das schaue ich mir mal genauer an!“)

Ein Schild finde ich besonders gut: „EXTREME CARE!“ – ganz groß und neongelb, also höchste Vorsicht ist geboten. Das ist auch schön und recht, vor was aber gewarnt wird steht allerdings nicht dabei. Steinschlag? Siestakühe? Ende der Welt? Man weiß es nicht. Gesteigert wird das nur noch von dem Zusatz: „EXTREME CARE – next 35 kilometer“. Aha, also die nächsten fünfunddreissig Kilometer auf was-auch-immer besonders acht geben! Das macht die Sache natürlich einfacher. Danke für die Ansage, ich fahr dann mal lieber dreissig.

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