Und schließlich ein Geist unter Geistern

And finally a ghost among ghosts

01. April 2012: Ultra-marathon runner Micah True found dead in New Mexico, via Reuters und hier noch ausführlicher auf NY Daily News mit weiteren Stimmen und Video.

Wow, diese Meldung hat mich einigermaßen umgehauen. Trail-Guide und Ultramarathon-Legende Micah True alias „Caballo Blanco“ ist tot. Ich wusste noch nicht mal, dass er seit vier Tagen vermisst wurde. Auf seiner Facebook-Seite finden sich zu hunderten Beileidsbekundungen unter seinen Fotos.

Caballo Blanco, was übersetzt „weißes Pferd“ bedeutet, war schon zu Lebzeiten ein Mythos. Für viele Jahre zog er sich in die Abgeschiedenheit der Sierra Madre zurück und war einer von wenigen Gringos, der von den Tarahumara, einem indigenen Volksstamm aus dem Norden Mexikos aufgenommen und respektiert wurde. Doch erst, als ihn Christopher McDougall in seinem Buch „Born To Run“ als eine der Hauptpersonen einführte, wurde er einem Millionenpublikum bekannt.

Micah war ein extremer Distanzläufer, der mit seiner Art an das (Lauf)erbe der Menschheit erinnerte. Er hatte eine besondere Fähigkeit, sich an die Natur, an die urtümlichen Völker heranzufühlen. Mit dem von ihm veranstalteten Copper Canyon Ultramarathon (hier auf Facebook) machte er auf die krasse Armut der hiesigen Indianerstämme aufmerksam. Trotz der durch das Buch neugewonnenen Medienöffentlichkeit produzierte er sich niemals als eine One-Man-Egoshow. Selbst in den vielen späteren Vorträgen, die er hielt sieht man, wie aufgeregt er ist.

Für zigtausende Läufer rund um den Globus war er ein Idol; für viele war er der Grund, warum sie ihre High-Tech-Laufschuhe in die Tonne traten und fortan mit nicht viel mehr als ihren blanken Füßen durch die Welt rannten.
Für mich war er eine sehr große Inspirationsquelle, der Mas Loco unter den Läufern, mit einem besonderen Draht zum Universum.

„To live with ghosts requires solitude“, lautet eine Passage aus dem Buch. „Mit Geistern zu leben erfordert Einsamkeit.“ Das weiße Pferd hat jetzt wohl die die letzte Barriere erreicht.
Ruhe in Frieden, Micah.

„I don’t want anyone to do anything except come run, party, dance, eat, and hang with us. Running isn’t about making people buy stuff. Running should be free, man.“

„Don’t fight the trail. Take what it gives you … Think easy, light, smooth and fast. You start with easy because if that’s all you get, that’s not so bad. Then work on light. Make it effortless, like you don’t give a sh*t how high the hill is or how far you’ve got to go. When you’ve practiced that so long that you forget you’re practicing, you work on making it smooooooth. You won’t have to worry about the last one — you get those three, and you’ll be fast.“

„Caballo Blanco is no hero. Not a great anything. Just a Horse of a little different color dancing to the beat of a peaceful drum and wanting to help make a little difference in some lives. If I were to be remembered for anything at all, I would want that to be that I am/was authentic. No Mas. Run Free!“


UPDATES
09.05.2012:
Autopsie bestätigt Herzversagen als Todesursache von Micah True
Washington Post: Autopsy points to heart disease as cause of death for ultra-runner Micah True
04.04.2012:
Who was the mysterious White Horse?“ – Chris McDougall
03.04.2012:
Mike Sandrock: Micah True lived the dream: simply, fully
ESPN: Crews recover Micah True’s body

Und ein paar Videos gib’s dazu hier:





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