Wer viel redet, erfährt wenig

Einfach öfter mal die Fresse halten — so oder so eine ziemlich sinnvolle Sache. Wenn das nicht klappt kommt folgendes dabei heraus: Monologe und Dialoge der Woche, die Himmelende mit Kollegen und näheren Artverwandten in dieser Woche geführt hat. Tendenzen, die dabei zweifelsfrei zu erkennen sind: 1) ein zielsicheres Gespür für Himmelendes Aneckertum, verbunden mit der rapiden Zunahme einstelliger Werte auf der Beliebtheitsskala (nach unten offen), 2) Himmelendes Drang, einen Film zu drehen oder zumindest ein mehr oder minder überragendes Skript dafür abzuliefern.
Also.


Himmelende: „Filme mit Adam Sandler kann ich nicht ernst nehmen.“

Kollege 1: „Warum?“

H: „Also ich denke, dass das irgendwie mit dem Namen zu tun hat. Bei Jonny Depp war das am Anfang ähnlich. Aber Filme mit Jonny Depp kann man mittlerweile trotz des Namens sehr wohl ernst nehmen. Wobei der in letzter Zeit stark nachgelassen hat.“

K1: „Das ist jetzt aber schon ein typisch deutschsprachiges Problem.“

H: „Absolut. Trotzdem kann ich Menschen mit dem Namen Sandler nicht ernst nehmen. Da denke ich unweigerlich an den Sandler.“

K1: „Du meinst den Sandler als verwarloste Person?“

H: „Ja richtig. Über Sandler sollte man mal einen Film drehen.“

K1: „Ok.“

H: „Im Sinne von Camus muss man sich den Sandler an und für sich als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

K1: „…?“
(aufkommender Wind treibt rostfarbene Blätter vor sich her)

H: „Was meinst du: Gelten Sandler eigentlich als Flaneure, Müßiggänger oder Hartzer?“

K1: „…?!“

(wortloser Abgang des Kollegen 1)


Im Grunde haben Indianer etwas sehr bayerisches. Ich denke ja, es gibt gar keine Indianer sondern bloß frühzeitig ausgewanderte Bayern. Das ganze indianische Stammeswesen, alles abgekupfert vom identitätsstiftenden Mia san Mia der Bayern. Ist doch schlimm, oder? Der ganze Welt: bayerisch. Selbst fernöstliche Traditionen — in ihrer Seele allesamt grundbayerisch. „Bleibe unverhaftet mit den Dingen dieser Welt“. Stammt aus dem Zen-Buddhismus, diese Weisheit. Und das praktiziert der Bayer quasi schon seit der Auffaltung des Alpenmassivs. Nennt er nur anders: „Bevor i mi aufreg, is mir lieber wurscht.“


H: „Weißt du, es gibt solche Tage, da muss einfach alles raus.“

Kollegin: „Ist das ein Entschuldigungsversuch, warum du in meine Zimmerpflanze pinkelst?“


Kollege 2: „Unsere indische Putzfrau lacht sehr selten.“

Himmelende: „Das stimmt. Vielleicht wird sie von ihrem Mann zuhause geschlagen?“

K2: „Könnte sein. Er ist Deutscher.“

H: „Zucht und Orrrdnung im doitschen Hause.“
(spasmenhafte Gestikulation, dann Besinnung)
„Ja, das wäre schlimm. Und man würde es ihr kaum ansehen. Bei dunkelhäutigen Menschen sieht man das ja nicht so gut.“

K2: „…“

H: „Da gibts bestimmt eine große Dunkelziffer.“

K2: „…?!“

H: „Also, ich meine eine große Dunkelziffer bezüglich häuslicher Gewalt an dunkelhäutigen Frauen.“

K2: „…?!?!“

H: „Ok. Das war der kleine politisch nicht korrekte Rassistenwitz am Vormittag. Entschuldigung.“

K2: „Bis jetzt habe ich mich eigentlich immer ganz gerne mit dir unterhalten.“

H: „Ich mich auch. Wir sollten einen Film daraus machen.“

K2: „Aus was genau?“

H: „Aus unseren Unterhaltungen. Wir nennen ihn »Die unzweifelhaft fragwürdigen Unterhaltungen gewisser Arbeitskollegen in der Rauchpause.«“

K2: „…“

H: „Das wird dann ein ziemlicher Arthouse-Streifen. So einer, dessen Titel über zwei, nein, drei Zeilen geht.“

K2: „Ist das für dich ein Qualitätsmerkmal von Arthouse-Filmen?“

H: „Mitunter.“

K2: „…“

(wortloser Abgang des Kollegen 2)


​Himmelende: „Sag mal, seit wann trägst du eigentlich eine Brille?“

Kollegin 2: „Uff, seitdem ich denken kann.“

H: „Seit letzter Woche?“

(wortloser Abgang der Kollegin 2)


Kollege 3: “Gott, ich hasse meinen Wecker.”

Himmelende: “Hasst du deinen Wecker oder die Tatsache, dass du aufstehen musst?”

K3: “Dass ich aufstehen und bis sieben Uhr in diesem verfickten Laden stehen muss. Ich hatte gestern Berufsschule.”

H: “Und? Das hat dich mit voller Motivation in den Rest der Woche entlassen? Das hat dich davon überzeugt ein total sinnvolles Leben zu führen?”

K3: “Ja. Total. Und was für eine bescheuerte Idee es war eine Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskaufmann zu machen.”

H: “Herzlichen Glückwunsch!”

K3: “Danke.”

H: “Aber ich kann dich beruhigen. Jetzt ist es ist scheisse, okay. Doch von hier an wird es nicht mehr nach unten gehen. Es wird aber auch nicht mehr nach oben gehen. Es bleibt einfach immer alles gleich.”

(tiefes Seufzen, Abgang des Kollegen 3)