13/11

So wie es aussieht hat jetzt jeder eine Erklärung abgegeben, warum er oder sie Solidarität mit Frankreich nach den Anschlägen zeigt oder eben nicht; warum er oder sie das Facebook-Profilbild mit einer halbdurchsichtigen Tricolore versehen hat oder eben nicht; warum er oder sie die Attentate in Beirut als viel dringender erachtet oder eben nicht; warum er oder sie das individuelle Leid von irgendjemanden irgendwo anders auf der Welt ungleich schlimmer findet als dieses oder jenes Leid.

Oder eben nicht.

Ich bin müde von diesen Debatten, die spätestens nach dem dritten tendenziösen Kommentar in einer Sackgasse des dumpfen Rummeinens enden.

Und ich bin darüber hinaus sowas von verdammt gelangweilt von Menschen, die sich wegen eines imaginären Mannes im Himmel gegenseitig umbringen.

Im Moment glaube ich daran, dass das größte Glück darin besteht, einfach nur zu leben und sensibel auf die Welt zu reagieren; und wenn die eigenen, über die Maßen geschärften Sinne so viel Leid überall wahrnehmen, dass man gelegentlich etwas leichtfertig damit umgeht — nun, dann kann man mit diesen Sinnen immer noch Früchte, Nüsse, alle möglichen Getränke, Worte auf Papier, ein geliebtes Säugetier im Arm und Musik (auch traurige) genießen, und das ist nur der Anfang einer Liste, die jeder für sich noch ergänzen könnte. Ich weiß, die Liste ist simpel, aber vielleicht ist das Aussprechen von Banalitäten in diesen einsamen Zeiten ja eine Art von Solidarität?

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