Tag: farbe

Das sind die Vorsätze

Ich (t)räume den Tisch leer. Heute keinen Alkohol, kein Porno und kein Fleisch. Es ist Montag und es zieht sich. Schneeflocken fallen so langsam daß ich mich geniere. Oh du Fröhliche, sie singen und Stillstand. Willkommen auf der Welt, willkommen auf dieser Seite der Welt, schneide dir ein Stück vom Kuchen ab, bevor sie dich ausweisen. Schneide dir die Zöpfe ab, bevor sie dichtmachen. Schotten dicht, Kapitäne, euer Boot Europa. Und füttert die Hirne ganz frivol mit Angst.

In einer Art innerer Raumnot rang ich nach Luft und erzeugte mit blähenden Bewegungen unnützen Widerstand. Ein Auftrieb findet nicht statt. Stattdessen novembermatschiger Almabtrieb. Ich strecke mich in einem viel zu niederen Raum und stoße an die Decke, empfinde dies jedoch nicht als einen Verlust sondern genieße diese Einschränkung. Ein Gefühl des zu Boden gedrückt werdens, das am Gaumen kitzelt. Devote Zeichensysteme, doch ich weiß, es ist in Wirklichkeit ein Aufruhr, ein Lossagen. Und es beginnt erst.

Hochverfahrene Situation, maximalschrecklich, kann man da überhaupt noch was retten? (Ist das überhaupt noch Literatur Fragezeichen)
Verzögerungstaktiken, Entschleunigungssünder. (Wenn er mit Worten um sich wirft, wirds schnell letal.)
Das Mädchen fütterte das Kind und dann kochte sie Fencheltee. Es tat gut sie dabei zu beobachten, alles war so harmlos.

Ja darf der des? Ist das noch normal? Dann knacken Sie bitte jetzt mit den Synapsen.

Der kleine Lyrikhappen für zwischendurch. Gelesenwerden, bevor jemand etwas von Versammlungsverbot schreit.

Da steht ein Pferd auf dem Flur. Und vor manchen Apotheken habe ich es schon kotzen gesehen.

Schatzsuche

Inga liegt im Central Park und schrubbt mit den Armen Engelsflügel in den Schnee. Das hat sie als Kind schon gern gemacht und dann ein Vierteljahrhundert nicht mehr, auch nicht daran gedacht. Ihr einst aschblondes Haar hat neuerdings die Farbe von Himbeereis, nur momentan etwas dunkler, wegen der Nässe.
Das war so eine Idee, Pink in ihr beige-braun-graues Leben zu lassen. Um sich daran zu gewöhnen, kaufte sie eine Barbie und Wildrosen-Duschgel, dann rosa Kerzen und irgendwann schillernden Nagellack, den sie sogar in der Kanzlei trug, wo er erstaunlicherweise niemandem auffiel. Sie wurde mutiger, malte sich hin und wieder die Lippen pink und strich irgendwann eine Küchenwand in kräftigem Rosarot. Dann buchte sie spontan einen Flug nach New York, weil sie Europa noch nie verlassen hatte, und wenn schon, denn schon – dann schon die Hauptstadt der Welt. Im Flugzeug sah sie “Sex And The City – der Film” und trank vor Aufregung vier Plastikbecher Sekt.

“Du wirst dich erkälten”, sagt über ihr jemand auf Englisch und lässt sich neben sie in den Schnee fallen. Inga guckt zur Seite. Hübscher Junge, denkt sie. Tatsächlich ist der Kerl kaum älter als 25, 26 und damit etwa ein knappes Jahrzehnt jünger als sie. Einer der ganz seltenen Menschen mit afrikanischer Physiognomie, haselnussbrauner Haut und schwarzen Locken, aber blauen Augen. So hell und glitzernd, dass sie nicht umhin kommt, banale Vergleiche zu ziehen, über deren mangelnde Originalität sie sich ein wenig ärgert: Mich hat ein Schatz gefunden. Zwei Diamanten im Schnee. Continue reading

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