Verzicht mal mehr

Ich packe meinen Koffer und nehme mit… ja was denn eigentlich? Was nimmt man mit, wenn man acht Monate lang nur mit einem Rucksack unterwegs ist? Was packt man ein und was lässt man daheim, wenn der Lebensspeicher nicht mehr als 65 Liter Füllmenge umfasst? Und wie viel sind eigentlich 65 Liter Leben?

Ein wichtiger Bestandteil der nächsten Monate wird mein Deuter-Rucksack sein. 55 Liter plus 10, das ist die extra Zugabe für Unentschlossene stehen zur Verfügung. Mein ganzes Leben – oder zumindest ein wesentlicher Teil davon – muss in diesen Rucksack passen. Wie viel Leben kann man auf so eine Reise überhaupt mitnehmen? Und braucht man das alles wirklich? Diese Fragen stellte ich mir, als ich das erste mal eine Liste mit den Dingen anfertigte, die ich mitnehmen wollte.

Wie viele Socken bin ich? Und was sagt das über mich aus, dass ich zuallererst meine Laufsachen auf die Liste setze? Wir definieren uns durch Besitz, durch das Assoziativ-Dingliche. Ich erlebe momentan einen Entschlackungsprozess auf psychischer – der Verzicht auf Freunde, Freundin, Familie – und physischer Ebene und das ist gut, denn es lenkt den Fokus wieder auf das Wesentliche. Erst durch den Verzicht auf etwas, sei es Objekt oder Seele lernt man dessen Wert angemessen schätzen zu wissen. Erst in Anbetracht eines bevorstehenden Verlustes wissen wir die Dinge ehrlich wertzuschätzen. Also Erkennen durch Verzicht, Bewusstwerdung durch Reduktion.
Was man in seinem Leben überhaupt braucht stellt man am ehesten fest, wenn man es nicht mehr hat. Denn die wichtigste Erkenntnis beim Leben in einen Rucksack packen ist: Was nicht reingeht, war nicht wichtig. Zumindest, was die Dinge betrifft.

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