It’s a cell phone, stupid!

Das iPhone 3G schlägt in Deutschland auf. Zeit für eine Betrachtung.

Das iPhone 3G schlägt in Deutschland auf. Zeit für eine Betrachtung.

Als Telekom Mitarbeiter hat man es dieser Tage wahrlich nicht leicht. Da steht eine Hundert-, ach was, eine Tausendschaft technophiler Handykäufer vor ihren Läden und alle wollen was. Der eine Teil ist maßlos echauffiert, weil er nicht das bekommt, was er so sehr begehrt. Und er andere Teil setzt einen betäubt traumseeligen Blick auf, wenn er mit einer weißen Telekom-Papiertüte und einer seltsamen Phrase stammelnd den Laden verlässt: „Eifon thri tschi!“
Gemeint ist Apples neues Mobiltelefon iPhone 3G, das an diesem Freitag über deutsche und internationale Verkaufstheken in weiteren 21 Ländern wanderte. Dabei ließen es die Holländer in Rotterdam richtig krachen. Punkt null Uhr startete dort der Verkauf der Geräte mit einem Event, das an die Rückkehr der Astronauten von ihrer ersten Mondlandung erinnert, der glückliche Erstkäufer (auf seiner Schachtel eine bezeichnende „1“) gefeiert wie ein Buzz Aldrin.
Die Spannweite der Reaktionen der Mitmenschen hier in München war ebenso breit: Von ehrlicher Begeisterung (Applaus, sobald ein neuer iPhone-Besitzer den Laden verließ), über vollkommene Unkenntnis („Warum ist denn da auf der schwarzen Fernbedienung hinten ein Apfel?“), bis hin zum absoluten Unverständnis („Was steht ihr hier an wie die Lemminge? Herrgott, es ist nur ein Telefon!“). Stimmt, es ist nur ein Telefon. Aber halt eben auch ein bisschen mehr.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

So waren die Schlangen, die sich zum Verkaufsstart in Übersee, wie auch Hierzulande bildeten recht lang. Manch einer erinnerte sich da an Zustände wie in der ehemaligen DDR. Die limitierte Ration der begehrten Handys, die Deutschland erreichte war im nu ausverkauft. „Nur ein Drittel der Menge, die wir geordert haben, wurde geliefert. Ich hab heute genau sechs schwarze iPhones bekommen, das ist ein Witz.“, konstatierte der Verkaufsleiter eines T-Punkts in München. Zum Glück wurden andere Läden in der Stadt mit einer ausreichenden Menge beliefert, so dass viele der Begeisterten an diesem Tag eines der begehrten Telefone bekommen haben müssten. Bedient wurden in der Regel nur Vorbesteller, sehr zum Unmut vieler Spontankäufer, die größtenteils leer ausgingen.

„Das iPhone, auf das sie gewartet haben“
… und jetzt noch ein bisschen länger warten müssen

Alles in allem dürften Steve Jobs und René Obermann mit dem Start und den ersten Verkaufszahlen zufrieden sein. 15.000 Geräte wurden in Deutschland, eine Million weltweit abgesetzt – und das am ersten Tag. Vom gewaltigen Rauschen im Blätterwald profitierten dabei beide Firmen enorm. Eine frische Lieferung mit Neugeräten wird erst in den nächsten zwei Wochen erwartet, was die Begehrlichkeiten sicher noch weiter anheizen wird.

iPocalypse

Das Ganze ging jedoch erst mal mit einer Panne los. Der Andrang war so enorm, dass im Zuge des Aktivierungsprozesses die Server der Telekom in Deutschland und O2 in England in die Knie gingen.
Im T-Punkt in der Münchner Neuhauserstraße ging in der ersten halben Stunde erstmal nichts. Eine Software, die mit Verzögerung erst jetzt auf das System aufgespielt werden konnte, legte die Kassen und Bestellcomputer lahm. Auch die ersten Versuche, den Ansagetext der Mailbox mit der neuen „Visual Voicemail“ Funktion des iPhones zu besprechen scheiterten. Ein Anruf bei der Hotline bestätigte: Momentan versuche jeder neue iPhone Besitzer in Deutschland seine Mailbox zu personalisieren. Das gab den Servern den Rest.

In the red corner weighing in at 0,25 pounds: iPhone

Es werden in den nächsten Tagen wohl noch eine Menge anderer Praxistests in den Medien auftauchen, darum möchte ich meine ersten persönlichen Erfahrungen mit dem iPhone kurz halten.

Ganz anderer Planet

Nach über einem halben Jahrzehnt als T68i Nutzer (ein Handy aus einer Zeit, als die Leute noch Discmans benutzten), ist diese Neuanschaffung für mich ein Quantensprung. Das iPhone bietet eine ausgefeilte Technik und Funktionsvielfalt mit Sachen, von denen ich noch nicht mal wusste, dass sie einem irgendwann mal nützlich sein könnten. Oder auch nicht.
Ich war nie ein Mobiltelefon-Hardcore-Nutzer, kam aber mit meinem T68i immer gut zurecht. Dass es nach fünf Jahren den Namen meiner Schwester immer noch nicht gelernt hat, sie bei jeder SMS Eingabe mit T9 zur „BäuerinB“ umtitelt, das nervt dann doch allmählich. Ausserdem geht die Taste „7“ nicht mehr. Und 7 ist eine schöne Zahl. Und ausserdem so wichtig. Zeit also für was neues.

Optik

Keine Frage, was da in schwarz (wahlweise auch in weiß) daherkommt, mutet nicht nur edel an. Es ist es auch. Die Verarbeitung ist hochwertig, die Glasfront sehr robust und kratzfest. Wie sich das neue Rückteil, das jetzt nicht mehr aus Aluminium, sondern aus Plastik in Hochglanzoptik besteht, gegenüber Schlüsselbund und Co. in der Hosentasche verhalten wird, zeigt allein die Zeit. Apropos Hochglanzoptik: Wem Fingerabdrücke auf seinen technischen Gadgets ein Gräuel sind, der wird beim iPhone einen Herzinfarkt erleiden. Das schöne ist: So schnell wie die Abdrücke drauf sind, so rückstandslos kann man sie mit dem T-Shirt wieder wegwischen.

Tastatur & Multitouch

Größter Kritikpunkt vieler, ist die fehlende mechanische Tastur. Apple ersetzt diese beim iPhone mit einer virtuellen, die jedoch nur begrenzt eine haptische Rückmeldung zulässt. Das Tippen ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, geht nach einer kurzen Eingewöhnungsphase jedoch überraschend schnell und flüssig „vom Finger“.
Die Multitouch-Funktion, also die Eingabe mit Fingergesten zu steuern ist, salopp gesagt, einfach nur noch geil. Kartenausschnitte zoomen, Bilder drehen, Listen scrollen – die Bedienung ist immer selbstverständlich und eingängig. Mit keinem anderen Gerät, das ich die letzten Jahre in Händen hielt, konnte man intuitiver umgehen. Und diese Art der Eingabe, das streichen über die Glasfront, über die Kontakte, hat fast schon etwas sinnliches. Die „Point and Click“ Metapher bekommt hier endlich ihre finale Bedeutung.

Ortsbezogene Dienste / GPS

Das ist schon fast wieder unheimlich. GPS im neuen iPhone ist sehr genau, sofern eine Verbindung zu den Satelliten besteht. Ist diese mal blockiert, trianguliert das Telefon über die nächststehenden Sendemasten die Position. Verknüpft mit Google Maps sind ortsbezogenen Dienste genial. Aber auch jede andere Applikation kann auf diese Dienste zugreifen und dann kommt richtig Feuer in die Kiste. Bei Twitter für das iPhone kann ich in Sekundenschnelle der Welt nicht nur meinen Status kundtun, ich kann ihr auch mit nur einem Klick sagen, wo ich mich gerade befinde. Bilder, die mit der eingebauten Kamera aufgenommen werden, bekommen ein Geotag verpasst, von dem Flickr und Panoramio Benutzer sicher profitieren werden.

Internet in der Hosentasche

Diese leidvoll überstrapazierte Phrase kennt man seit Wap-Kindertagen. Die ersten Gehversuche des Internets auf dem Handy waren ein Witz. Seitdem hat sich jedoch viel getan. Safari mobile, der Browser auf dem iPhone stellt die Seiten schnell dar und verhält sich im Allgemeinen so, wie jeder Desktop-Browser, mit ein paar speziellen Extras für das iPhone. Dreht man es, kippt auch der Browserinhalt um 90 Grad in die Horizontale. Doppeltes Berühren des Bildschirms vergrößert den Ausschnitt an exakt dieser Stelle. RSS, Lesezeichen, Verlauf – alles da.
Für mich stellte die langsame Verbindung der ersten Generation iPhones via EDGE ein Kaufhindernis dar. Die Daten kamen nur tröpfchenweise an, die Benutzung von Google Maps und Internet verkam zum Geduldsspiel. Die Verbindung via UMTS im neuen iPhone ist schnell. Schneller, als ich es erwartet habe. Die Seite www.zeit.de ist z.B. nach 8 Sekunden geladen, www.sueddeutsche.de (etwas grafiklastiger) nach 11. Google Maps und andere Internetdienste reagieren mit wenig Verzögerung, damit kann man arbeiten. Jetzt fangen wir allmählich an darüber zu reden, was es heißt, wirklich das Internet in seiner Hosentasche zu haben.

„Wow“-Faktor

Unbestreitbar: Mit dem neuen iPhone ist man mondo cool! Und war man es vorher nicht, so wird man es. Starbucks-Mitarbeiter singen deinen Namen, die Gesellschaft reserviert dir eine Ehrenloge, großbrüstige Frauen beten dich an. Dicke verpickelte Computernerds allerdings auch. Gabs bis jetzt nie einen Hype um deine Person, so gibt es ihn jetzt. Das Dumme: Keiner will dich anfassen, sondern nur dein Telefon.

Kritik

Bei all dem ersten Eifer und der Lobhudelei noch ein paar Punkte der Kritik.

Die UMTS Netzabdeckung ist nicht flächendeckend. Verlässt man die Ballungszentren, sieht es schnell mau aus mit 3G. EDGE funktioniert fast überall, ist jedoch, wie weiter oben schon beschrieben, langsam.

Die Vertragsbindung an die Telekom und deren exklusive Vermarktungsrechte für das iPhone schmecken vielen nicht.

Bei normaler Benutzung ist die Batterie relativ schnell leer, also nach maximal 2 Tagen ist bei mir Schicht im Schacht. Diese ganzen Dienste und Superfunktionen haben eben einen entscheidenden Nachteil: Sie brauchen Strom. Und das nicht zu knapp. So hängt das iPhone mindestens so oft am Ladekabel oder am Rechner, wie es in der Hosentasche steckt.

Synthese

Noch habe ich keine Langzeiterfahrung. Meine ersten Eindrücke sind aber bis jetzt nahezu durchweg positiv. Das Wenige, das ich abschließend sagen kann, klingt denn auch mäßig dämlich:
iPhone macht glücklich.

Selbst iPhone Besitzer? Glücklich oder frustriert? Spekulierst du mit einem Kauf und hast Fragen? Oder findest du den ganzen Hype lächerlich? Nicht zögern oder rumgranteln, sondern Kommentar ablassen. Gibt gute Karma-Punkte.

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