War is over

… if you wanted. Gewollt haben wir es alle. Und letzten endes kam er dann doch noch ganz schnell - der so genannte "Frieden".

… if you wanted. Gewollt haben wir es alle. Und letzten endes kam er dann doch noch ganz schnell – der so genannte „Frieden“.

Saddam HusseinEines muss man dem Präsidenten der Vereinigten Staaten lassen. Auch wenn ihm jeglicher Sinn für das weltliche Gefüge fehlt – einen Sinn für dramaturgisch perfekt inszenierte Auftritte hat er, der Herr Bush. Es war schon eine Schau, als er ganz wie die Jungs aus Top-Gun auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln einschwebte und den Verkünder froher Botschaften mimte. Eine exzellente Choreographie – eine von vielen. Und da stand er nun, der George und war ganz stolz. Stolz auf seine „God blessed Nation“, stolz auf seine starke Truppe. Aber allen voran war er stolz auf sich, hatte er doch recht wichtiges zu sagen. Es war ein Tag der großen Worte – große Worte für große Einträge in großen Geschichtsbüchern. Dass es ihm um Freiheit ginge und den Frieden auf der Welt, sagte er. Um Demokratie und um Gerechtigkeit. Und dass der Krieg gegen den Irak beendet sei. Halt, nein, das ist so nicht ganz richtig. Er verkündete das Ende der Kampfhandlungen, was so viel heißt wie, dass die dicken Böller verschossen sind, die Truppen aber dennoch im Lande blieben, um die irakische Bevölkerung vor ihrer eigenen Freude über die neu gewonnene Freiheit zu beschützen. Genau. Und je länger der Herr Präsident dort im Abendrot von Friede und Freiheit schwärmte, umso mehr wurde dem halbwegs mit Intelligenz beseelten Zuhörer bewusst: Der Krieg ist nicht vorbei, er hat gerade erst begonnen.

Nine-eleven oder “Mein Hochhaus, meine Ressourcen, mein Krieg.”

Dabei fing doch alles recht bescheiden an. Es brauchte lediglich zwei Flugzeuge, zwei Wolkenkratzer, einen Präsidenten und ein gemeinsames Feindbild, das verbündet: Den Terror. Das war auch schon alles, um nicht nur eine Legitimation zu schaffen, die Menschenrechte zu kastrieren und das Volk zu animieren, ihre Privatsphäre zugunsten des Heimatschutzes, des totalen Informationsbewusstseins und dem Akt der Patrioten zu opfern, sondern auch ganz nebenbei einen Krieg in Gang zu setzen, den eigentlich keiner wollte, außer den Falken im Pentagon mit ihren Sympathisanten. Einer möglichen Hinterfragung nach Sinn und Unsinn dieser Ermächtigungen oder gar einer öffentlich geführten Debatte über die zwangsläufige Entwicklung hin zu einem Überwachungsstaat wurde kaum Raum zur Argumentation gewährt – allein der Zweckt heiligt alle Mittel. Die Ereignisse des 11. Septembers veränderten drastisch die Verhältnismäßigkeiten auf unserem Planeten. Sie formten solch zweifelhafte geistige Blähungen wie die Bush-Doktrin und waren der letzte Paukenschlag zur Gründung eines neuen Roms. Die Regierungsform der vereinigten Staaten wandelte sich nun offensichtlich zur Diktatur, getarnt im Schafspelz der Demokratie. Der 11. September brachte dem neokonservativen Flügel darüber hinaus den praktischen Nebeneffekt, als Grund zum Anlass zu dienen der Welt zu beweisen, was der legislativen Gewalt in Amerika heimlich schon seit Ende des kalten Krieges vorschwebte: Die einzig existierende Supermacht zu sein, die sich diesen Status über die nächste Dekade hinweg ohne weiteres sichern kann. Nun war der Zeitpunkt gekommen, Amerikas exklusive Vormachtstellung zu beweisen und die Trümpfe der faktischen Hegemonie auszuspielen. Ein Kommentar, der aus der Zeit stammt, als die Symbole des globalen Kapitalismus, das World Trade Center, bereits in sich zusammengesackt waren, trifft den Nagel auf den Kopf:

»Oh heiliger Jesus, Du musst schon hirntot sein oder ein Komplize, um etwas anderes zu glauben, als dass dies der amerikanische Reichtagsbrand ist und seine Folgen die Tarnung, die von faschistischen Theokraten – dem militärisch- industriellen Komplex und rechtsgerichteten Ölbaronen – benutzt wird, um ein neues Amerika zu schaffen.«

Eine Zensur findet nicht statt.

Nachdem George W. Bush seine Devise des simplen Gut-Böse Dualismus proklamierte, wurde man hellhörig in den Staaten. Kritik aus den eigenen Reihen war verpönt und wer sein Contra-Amerikanisches Gedankengut in die Öffentlichkeit trug, ward sogleich dixie-chicked. Harsche Kommentare gegen den Feldzug im Irak galten als unpatriotisch und jeder, der nicht gemeinsam mit den Bush-Kriegern gegen die Achse des Bösen kämpfte, war ein Verräter. Der Mann, der fast an einer „Pretzel“ erstickt wäre, erstickte nun mit der Gleichschaltung des Medien-Mainstreams die kritischen Kommentare bereits im Keim. Dabei ist der Präsident in Sachen Rednerkunst nicht die größte Leuchte. Überheblich, inkompetent und garantiert sinnfrei navigiert Bush durch die rethorischen Untiefen seiner Pressemitteilungen und läuft dabei zumeist auf Grund.

A verbis ad verbera – von Worten zu Schlägen.

Eine Intervention im Irak ließ nicht lange auf sich warten und die Inszenierung eines sauberen, präzisen und sterilen Medienkrieges funktionierte zum zweiten Mal unter dem Banner des Bush-Clans. Diesmal übernahm Junior die Federführung, der die Unpässlichkeiten des Vaters glattbügelte und versuchte, die Familienehre wieder herzuherstellen. Das übliche Prozedere lief wie geschmiert, denn mit kriegerischen Aktivitäten im Allgemeinen haben die vereinigten Staaten ja bereits Übung. Der Fahrplan jedenfalls war klar: Die Wahrheit am Montag, Krieg Donnerstags. Und dazwischen gibts ein wenig „Diplomatie“. Donald Rumsfeld erklärte, warum die weltweite Unordentlichkeit ein Ende haben muss und (Brain)Washington forcierte das, was es schon lange haben wollte. Hans Blix und Kofi Annan sahen zu, wie ihre Institution der Überflüssigkeit anheim viel, ihre Autorität ad acta gelegt wurde und PENG!!, schon war er da: Desert Storm Reloaded. Ein Aufschrei ging durch die Gesellschaft. Es gab Massendemos, symbolische Aktionen, menschliche Schilde – die Essenz des Ganzen und die Unbeirrbarkeit Einzelner ist im Allgemeinen bekannt.

George „Dabbelju“ Bush – The Man who sold the world.

Plumper Anti-Amerikanismus ist hier dennoch fehl am Platze, spielen doch voreilig aufkeimende Hasstiraden den Schubladendenkern beiderseits genau die Argumente zu, um des anderen Position einer falschen Welt- und Wertevorstellung zu bezichtigen. Außerdem sprechen die kurzsichtig getroffenen Entscheidungen aus Pentagon und CIA nur bedingt jedem Amerikaner aus der Seele. Mal ganz abgesehen vom immensen Handelsvolumen zwischen Europa und USA, auf den beide Seiten angewiesen sind – der Konflikt ist komplex und facettenreich. Also schön artig und leise sein auf den billigen Plätzen der seichten Polemik dort hinten. Jedoch darf der vordergründige Sinn des Krieges stark angezweifelt werden und bis jetzt fehlt das Hauptindiz für die Rechtfertigung der Bombenteppiche auf Baghdad: Saddams Massenvernichtungswaffen. Doch selbst das ist nur eine Frage des Glaubens. Apropos Glauben: Das Gesellige am Machtspiel der Großen ist die Tatsache, dass sich jede der kriegführenden Partei mit ihrem „einzig wahren“ Glaubensbekenntniss von ihrem „einzig wahren“ Gott befohlen sieht. Und wäre die geopolitische Konsequenz und die krasse Verzerrung der Realität, die Bushs Kreuzzug gegen den Terror bewirkt, zugunsten einer machtgeilen Oligarchie nicht so traurig – man könnte glatt darüber lachen.

Wie dem auch sei, jetzt ist er auf jeden Fall da, der Frieden. Gell? Trotzdem seltsam, denn so, wie der Frieden kommt, verschwinden diverse Dinge: Mo, Howie, Effe und natürlich Saddam. Nach einem kurzen Auftritt von George im TV war er schlussendlich aus der Welt geräumt, der kleine Diskurs. Und das, wo die zwei doch früher so gute Freunde waren. Was für ein Affentheater, das soll einer noch verstehen. Die Welt ist schon verrückt. Aber allen voran Amerika – das Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Oder doch der unmöglichen Begrenztheit?

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