Wortschleimabsondernd

„Bring ich mit, wenn wir uns treffen. Und dann gehen wir…“
„13 oder 14, ich weiß es nicht, auf jeden Fall ne Menge…“
„Immer dann, wenn du deine Tage hast! Immer dann…“

Da laufen sie und stehen sie und sprechen und schreien und quaken ganz laut und schrill und aufgebracht, so als ob es die wichtigste Sache der Welt sei; oder mal leise, mal zärtlich flüsternd, wispernd; streicheln diese… diese Dinger. Diese Plastikdinger. Oder ist das Metall? Aluminium? Die sind so klein und so handlich. Und leicht, scheinbar.

Es surrt, es fiept und piept und bimmelt und dann greifen sie in die Jackentasche oder Hosentasche oder in irgendeine andere Tasche ihrer wasserabweisenden Gore-Tex Multifunktionskleidung und zücken eines dieser… dieser… na eben eines dieser Dinger heraus.

Und manchmal klingelt es bei ihnen aber sie machen nichts, also, sie greifen in keine Tasche, sondern gehen auf dem Trottoir auf und ab und sprechen mit sich selbst, wie Schizophrene; oder sprechen in Knubbel auf langen weißen Kabeln, die aus ihren Ohren zu fließen scheinen. Und sie wirken so voll und beschäftigt, wenn sie dieses breite, junge Hipster-Gequatsche unter der Sonne der ersten Welt ausbreiten (die scheinen würde, wäre sie nicht von graugrimmigen Wolken verstellt). Und sie wirken glücklich und zufrieden mit ihren scheinbar so gewichtigen Eindrittelproblemen.

„Entschuldigung“, frage ich einen Menschen, der in seiner Hast- und Rastlosigkeit des Vorbeieilens mich doch einen Augenblick wahrnimmt. „Entschuldigung“, wiederhole ich mich und deute auf das, was sie „Handys“ nennen. „Steckt dort Wahrheit drin?“ Ein verdutzter Blick, die Kinnlade des Mannes würde wohl zu Boden fallen, hielt sein Mundwinkel nicht eine Zigarette fest.
„Was?“
„Ich meine, verstehen sie mich bitte nicht falsch aber: Ich bin neu hier und schreibe, also, soll etwas schreiben aber es klappt nicht und dafür kann ich nichts.“
„Was?“
„Ja-haa, schreiben! Ich bin Großillusionist in der Hokus-Pokus Krise. Und das Erkenntnisgeschäft läuft schlecht, sehr schlecht.“
„Was?“
„Also, diese Mobiltelefone, oder, wie sie sie auch immer nennen: Spricht da so etwas wie der Geist aus der Maschine? Kommen da Ideen raus? Poesie? Irgendwas?“

Der Mann sagt jetzt gar nichts mehr und betrachtet mich glubschäugig, wie ein frisch geficktes Eichhörnchen. Ich frage ihn, ob er mit einem dieser Dinger jemals ein Gedicht bekommen hat und er nimmt das Handy in die Hand und beide strahlen. Ja, habe er. Dies hier:

Ein Pferd hat vier Beiner,
an jeder Ecke einer.
Drei Beiner hätt:
umfallen tät.

Auch eine Wahrheit

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