Erlebnisblogeintrag

Warum muss denn heutzutage alles immer gleich ein Erlebnis sein? Geschmackserlebnis beim Käse; Wohlfühlerlebnis im Einkaufsparadies, Einkaufserlebnis im Wohlfühlparadies, Wellness-Erlebnis, Urlaubserlebnis und, mein Favorit, Abenteuererlebnis (nette Tautologie).
Ist unser durchindustrialisiertes Dasein in sehnsuchtsvoller Mittelmäßigkeit plötzlich so leb- weil ereignislos geworden, dass dieses sprachliche Glutamat, diese Aufwertung des Banalen zum Besonderen an jedes zweite Werbeversprechen drangehängt werden muss?

Diskutieren sie die Aufwertung des Banalen in der postmodernen Gesellschaft und erörtern sie anhand zweier aussagekräftiger Beispiele die Bedeutung des Begriffs „Verfall“ in der Literatur.

2 Kommentar

  1. Am Wort „Paradies“ störe ich mich mehr. „Erlebnis“ ist doch ein recht hübscher Begriff, und ich plädiere durchaus dafür, auch Banales zu er-„leben“, anstatt es nur „passieren“, sprich: vorbeistreifen zu lassen. Klar, das Bombastische, das dem „Erlebnis“ anhaftet, wirkt ein wenig befremdlich, und denkenden Menschen ist Werbung sowieso meist ein bisschen suspekt (muss ja). Aber: Dass das Banale und Grandiose im Leben sehr nah beieinander liegen, wenn nicht gar deckungsgleich sind, habe ich mittlerweile für mich akzeptiert. Mehr noch: Ich halte das ganze Leben für banal und grandios zugleich. Macht’s ja auch spannend, irgendwie. Und als sinnenfroher Mensch muss ich sagen: Geschmackserlebnis z.B. – ja, ja, ja, das gibt’s! Oje , bin ich jetzt postmodern oder „verfallen“? Egal.
    P.S.: Ach so – „Abenteuererlebnis“ ist natürlich ein Quatsch.

    • Geschmackserlebnisse, ihm wahrsten Sinne, gibt’s, aber hallo, das unterschreib ich sofort. Da bist du genau so viel Genussmensch, wie ich.
      Am Begriff „Erlebnis“ selbst störe ich mich eigentlich auch nicht, nur an dessen inflationärer Verwendung. (Mir fällt auf: Ich gebrauche das Wort „inflationär“ in letzter Zeit inflationär.)

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