Seele baumeln lassen in Coromandel

Die letzten fünf Tage mit Ines und Pete (ihrem Auto) raus aus Hamilton Richtung Norden, rund um die Coromandel Halbinsel. In den Sommermonaten ist das hier das Mekka für alle Kiwiurlauber. Jetzt in dieser Jahreszeit sind die Strände und Dörfer allerdings menschenleer. Zeit für eine Volldosis Natur.

Und die ist in diesem Teil der Nordinsel wirklich sagenhaft abwechslungsreich. Alle Landschaftsstile sind hier irgendwie vertreten. Sieht man eben noch auf die Strände der Cotê d’Azur, beginnt gleich dahinter ein Regenwald mit dichtem Dschungel, Farnen und Schlingpflanzen, der ein paar Kilometer weiter von nordeuropäischen Nadelwäldern und Wiesen des Voralpenlandes abgelöst wird, nur um wenig später in grünen irischen Steilküsten zum Meer hin abzufallen. Und nicht nur die Vielfältigkeit der Vegetation ist unglaublich. Gleiches gilt auch für die Tierwelt. Bei unserer ersten Wanderung durch den Cormandel Forest Park war ein Vogelgezwitscher in einer Vielfalt zu hören, wie ich es noch nicht erlebt habe.
Es gab so viel neues zu sehen, dass mir an jedem Abend die Augen schwer wurden. Um mich nicht tausendmal mit Adjektiven wie „wunderschön“ und „einzigartig“ wiederholen zu müssen, schaut euch einfach diese Fotos der Rundreise an. Ausserdem hat Ines in ihrem Blog unseren Ausflug schön zusammengefasst, da bin ich jetzt mal ganz faul und lehne mich entspannt zurück.

Allen Neuseelandreisenden folgende Tips für Coromandel Peninsula:
Die Halbinsel ist in der Nebensaison das Paradies! Besonders die Westküste hoch nach Port Jackson belohnt mit Bilderbuchaussichten auf das Meer. Und alles was nach Opito Bay Richtung Süden an den Ostküste entlang kam, glich einem Rausschmiss aus dem Paradies. In den Sommerferien (Dezember bis Februar) ist hier die Hölle los. Startet also zur rechten Zeit los.

Paeroa ist ein kleines Kaff und laut Lonely Planet ein neuseeländischer Witz mit Ansage. Hier ist der Geburtsort von Lemon & Paeroa (L&P), einer Ikone unter Neuseeländischen Kulturgütern. Dass die Limonade mittlerweile von CocaCola gekauft und in Auckland hergestellt wird, stört nicht. In dem Zeug ist so viel Zucker, dass alles bunt und gut wird. (Wetter scheisse? Trinkt L&P. Instant Karies at it’s best.)
Und noch etwas: Solltet ihr in Paeroa die TUI Coffee Lounge finden, macht einen großen Bogen drumherum. Es sei denn, ihr habt ein Faible für höchst zweifelhafte Spelunken mit chinesischen Mutantenbedienungen, versifften Teppichen (und im Klo! Ich meine: Teppiche im Klo?!), die olfaktorisch irgendwo zwischen altem Frittierfett, Katzenfutter und Pennerpissgeruch an einem Hauptbahnhofsklo eurer Wahl rangieren. Kurzum: Ihr verpasst nichts, wenn ihr dort nicht anhaltet. Und wenn ihr kurz vor Paeroa zweimal lang blinzelt, seid ihr auch schon durch. Das Einzige, was euch spätestens kurz vor Paeroa klar sein sollte ist, dass sich hier die Straße teilt und ihr euch entscheiden müsst, ob ihr links- oder rechtsherum um die Halbinsel fahren wollt.

Fahrt ihr nach links, kommt ihr zunächst nach Thames („nett“), entlang der Küste mit einer wunderbaren Aussicht und später dann nach Coromandel Town in eine alte Hippiestadt, die auf jeden Fall einen Abstecher wert ist. Die Menschen sind supergemütlich, die geräucherten Muscheln superlecker (in der Coromandel Smoking Company kaufen) und das Driving Creek Café superabgefahren. Also in einem Wort: super. Weiter Richtung Norden findet ihr kurz vor Colville eine kleine buddhistische Enklave, das Mahamudra Centre. Nett, nicht unbedingt die Welt, aber einen kleinen Abstecher wert. Die Straßen an der Küste entlang sind hier besonders schön, allerdings teilweise sehr kurvig und unwegsam. Der Campingplatz in Port Jackson ist der Hammer! Und auf der anderen Seite der Opito Bay… pssst! Geheimtip. Seid ihr erstmal dort, glaubt mir: Ihr wollt nie mehr weg! Den Hot Water Beach und Cathedral Cove bei Hahei muss man gesehen haben. Wird euch hier jeder sagen. Meiner Meinung nach stirbt man allerdings kein Stückchen ärmer, wenn man diese Plätze auslässt. Gibt schönere Ecken mit definitiv weniger Touristen (was Ines schön geschildert hat). Weiter unten ist Waihi Beach eine kultige kleine Surferstadt und solltet ihr auf dem Weg dorthin zuvor in Whangamata Craig’s Traditional Fish & Chips verpasst haben, dreht noch mal um und holt euch dort eine Portion. Ausgemergelte Backpacker können sich dort für ein paar Dollar leckere Kohlenhydrate für drei Tage anfuttern. Kauris und andere Bäume kucken könnt ihr immer irgendwo, am schönsten ist es jedoch direkt im Coromandel Forest Park, in dem es große Wanderrouten gibt, die je nach Beschaffenheit mehr oder minder anstrengend sind. Der Dschungel dort (die Kiwis nennen ihn „Bush“) ist auf jeden Fall die Mühe wert. Kurzum: die Natur in Coromandel hat mich sehr beeindruckt. Und die menschenleere Stille tat für ein paar Tage unglaublich gut.

Danke Ines, dass du mich dieses Stück mitgenommen hast. Und danke auch an Pete, dass du – wenn auch manchmal murrend, uns brav über alle Steigungen und überschwemmten Furten gebracht hat.

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