Bavarian Braukunst

Es ist so lustig. Die meisten Engländer, auf die kulinarischen Eigenwilligkeiten ihrer Landesküche angesprochen reagieren wie jemand, der seine Hand auf eine heisse Herdplatte legt: Mit einer Reflexhandlung, in diesem Fall mit einem Entschuldigungsreflex. Sie wedeln hektisch ab, ja, das stimme schon, das Essen sei alles ein wenig eigenartig aber man könne nichts dafür, weil deshalb und sowieso und bitte-entsprechenden-Grund-einfügen.

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit Steven, einem londoner Mitvierziger auf einem Campingplatz über die Dresdner Bombennacht, Triathlonvorbereitungen und baked beans with sausages, also diese süßen Bohnen mit Würstchen, ein typisch britisches Gericht und ich wollte mich dazu auch nicht äussern (ehrlich gesagt – aber das muss jetzt bitte unter uns bleiben – mir schmecken baked beans, wenn auch nicht auf Toast und die sausages sind, naja, unterirdisch). Aber als es um die „klassische britische Küche“ ging, wurde Steven nervös, rollte ein paar mal mit den Augen und hielt mir einen 20 minütigen Vortrag, der irgendwo bei King Richards Eroberungskriegen anfing und beim Terrorsicherheitskonzept von Blairs New Labour aufhörte. Und er holte dabei nur gefühlte zweimal Luft. Das war dann der Punkt, an dem ich mich ausklingte.

Es ist so lustig deshalb, weil mir neulich etwas ähnliches wiederum mit einem Neuseeländer passierte und zwar bezüglich neuseeländischer Bierbraukunst. Ich weiß seinen Namen nicht mehr, aber das spielt auch keine Rolle, es war ein freundlicher Typ, der mir auf einem anderen Campingplatz ein Bier anbot; eine Flasche des hier sehr beliebten TUI Bieres, geschmacklich irgendwo zwischen Becks und Heineken angesiedelt, so recht kenne ich mich da nicht aus, ich bin kein Spezialist. Es war jedoch entgegen meiner ersten Erwartung überraschend gut. Als ich im folgenden Gespräch auf meinen Heimatort zur Sprache kam und folglich Oktoberfest und Hofbräuhaus davon nicht weit entfernt lagen, klingelte beim Bierspender das pawlowsche Glöckchen. „Yes, the german braukunst, the best beer und überhaupt is our beer pure catpiss.“ Da holte ich zweimal Luft und wollte ihn mehrmals unterbrechen und ihm sagen, dass dieses Bier hier gar nicht mal so schlecht sei. Aber er ließ mich nicht zu Wort kommen. Besagter Kiwi wird wohl Zeit seines Lebens weiter in der Annahme dahinwurschteln, dass es irgendwo auf der anderen Seite dieser Erde ein glücksspendendes Biernirwana geben muss, mit einem Gerstensaft von göttlicher Qualität und Reinheit. Lassen wir ihn in diesem Glauben.

So ist das Einzige, das mich wirklich am neuseeländischen Bier stört, dass man davon auf Teufel komm raus nicht betrunken wird. Oder nur mühsam. Der Trick bei der Sache: Wenig essen und schnell trinken, dann knallt bereits das zweite TUI mittelprächtig.

Und jetzt die Pointe:
Da zieht man also aus, um die kulturellen Eigenheiten eines neuen Landes zu erforschen, in der zarten Hoffnung, endlich den angestaubten Vorrat an bekannten Traditionen aufzufrischen; karrt sich und seine zweieinhalb Pfund Verstand zwischen den Ohren also einmal um die halbe Welt und vor was steht man bei der erstbesten Ausfahrt vom Highway? Einem german beergarden. Inklusive german beerfest mit bratwursts for everyone over 18.
Yeah.

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