Tag: affäre

Bleiben Sie bitte enttäuscht

“Komisches Wort: Enttäuschung. Eine Täuschung ist wortwörtlich weg, entzogen. Wir täuschen uns nicht mehr. Wir sollten uns eigentlich freuen, denkt sich der Nicht-Muttersprachler, wenn wir enttäuscht werden. Und vielleicht stimmt das ja auch.”

NSA-Affäre: Plötzlich ist Amerika am Apparat – Debatten – FAZ

 

Platinblut

“Ich betoniere mein Herz ein, danach schlafe ich mit ihm. Ich lasse ihn kommen in meinem Mund und empfinde keinen Schmerz mehr, nur Lust. Seine Lust? Meine Lust? Ich weiß es nicht. Ich verschwinde in dieser Liebe und spüre kein Bedauern. Wenn ich ihn küsse, fühle ich nur Kuss. Nicht: deine Lippen, meine Lippen, auch keine Zunge, keine Zähne, nur Kuss. Alles ist ganz klar, nichts verschwimmt. Ein Kuss ist ein Kuss, ein Fick ist ein Fick, Liebe ist Liebe und Schmerz ist Schmerz. Ich fühle alles, und er kennt mich nicht. Soweit der Wunsch, soweit die Angst. Wahrheit ist etwas anderes. In Wahrheit sind das alles Sätze, die nach mehr klingen, als sie sind. Gefühlshüllen, um irgendeine diffuse Nacktheit zu bedecken, irgendein Unglück oder Glück, für das mir die Worte fehlen. Ich denke nicht mehr, aber mein zubetoniertes Herz schlägt heftiger als zuvor.”

Nana legt den Stift beiseite.
“Was schreibst du?”, fragt David.
“Über dich”, antwortet sie.
“Darf ich lesen?”
“Lieber nicht.”
„Komm her“, verlangt er leise, und sie steht auf, kommt.
Er liegt auf dem Bett, streckt einen Arm aus, umfasst ihr nacktes Bein und zieht daran, bis sie fällt. Umarmung. Kuss. Vergessen. Glück. Gib mir deine Hand. Deine Hände.
Vielleicht hat er das gesagt. Kurz umschlingt er mit den Fingern ihre Gelenke, streicht mit dem Daumen über ihre Pulsadern, sie wird ganz weich unter seinem Gewicht. Durchs Fenster fallen ein paar Abendsonnenstrahlen, der Ring an seinem Finger blitzt. Platin, hat er ihr mal ungefragt erklärt. Der Ring ist immer kalt.
“Rutsch hoch.”
Handschellen. Gitterbett. Er verbindet ihr die Augen, zieht ihr den Slip aus und schiebt ihr T-shirt bis zum Hals, mehr trägt sie nicht. Sie spürt seine Blicke, sekundenlang, minutenlang, tausend Augen, bis sie das Warten kaum noch erträgt. Dann schiebt er etwas Kühles, Metallenes in sie hinein, und sie kommt augenblicklich, leise, heftig, obwohl sie nicht will. Sie wollte ihn und seine Wärme.
Später fickt er sie doch, aber es ist nicht dasselbe.

Nana mag seine Frau sogar, obwohl sie sie nicht gut kennt. Manchmal begegnet sie ihr auf Partys gemeinsamer Freunde. Sophie. Sie ist jünger, süßer, blonder, fast zu jung für eine Ehefrau. Es gibt Fotos von ihnen beiden, einige hat David gemacht, zwei strahlende Ladys mit Sektglas in der Hand. Keine Lüge in den Augen, alles wirkt rein.

„Mein Lachen ist echt, obwohl ich innerlich blute vor lauter Sehnsucht und Traurigkeit. Mir hilft mein Betonherz, über das ich bei solchen Gelegenheiten noch eine dicke Platinschicht gieße, damit ich auch von innen glänze und alle mich ganz bezaubernd finden, aufregend, inspirierend und schillernd.“

Nana flirtet mit jedem und will nur ihn. Als ein flüchtiger Bekannter, mit dem sie drei oder vier Mal geschlafen hat, ihre Hüfte umfasst, hält sie still. Sie will dass David es sieht, obwohl sie weiß, dass er das lächerliche Spiel durchschaut. Es geht nur um Ruhe. Ein wenig entspannt sie unter der fremden Hand. Sie findet sich wieder in einer Umarmung, die ihr gleichgültig ist, und sucht mit den Augen nach David und Sophie. Die Zärtlichkeit zwischen den beiden bringt sie fast um, aber sie lächelt. Eifersucht hat sie noch nie als Wut gekannt oder Hass. Vielleicht wäre das leichter. Vielleicht auch nicht. David legt den Arm um Sophie, und es sieht richtig aus. Jemand fotografiert.

Zwei Stunden später fängt David Nana ab, als sie gerade von der Toilette kommt. Er drängt sie in eine Ecke, umfasst ihre Brüste, küsst sie, dann schiebt er eine Hand unter ihr Kleid, zwischen ihre Beine.
“Spinnst du? Deine Frau ist hier!”
“Sie ist gerade draußen.” Er hört nicht auf. “Ich hab dich mit diesem Kerl gesehen.”
“Ich bin dir nichts schuldig.”
“Ich weiß.”
Der Fick auf der Toilette dauert eine Minute, vielleicht auch zwei. Ihre Hände zittern, ihre Haut brennt. Als sie ihr Make-up richten will, bemerkt sie eine kleine Wunde an der Lippe. David ist wieder bei den anderen. Und bei Sophie.

Zumindest denkt Nana das, aber als sie zur Party zurückkehrt, erfährt sie, dass er gegangen ist. “Ihm war nicht gut”, sagt Sophie, die sie an der Bar trifft.
“Warum bist du nicht mit ihm heim?”
“Ich bin nicht müde. Er meinte, es sei okay, wenn ich bleibe. Noch einen Sekt?”
“Gern. Danke.”
Hübsches Mädchen, denkt Nana nicht zum ersten Mal. Sophie hat das Haar zusammengebunden, eine einzelne Locke fällt ihr ins Gesicht. Ihre Augen haben eine unbestimmt helle Farbe und eine beinahe asiatische Form.
Sie reden eine Weile über Belangloses, doch Alkohol löst Zungen. Monatelang hat Nana immer die Kurve bekommen, war perfekt in ihrem Schweigen und ihrer Maskenhaftigkeit, aber jetzt bricht es aus ihr heraus, unvermittelt, ohne Vorwarnung: „Ich schlafe mit deinem Mann.“
Nach einer kurzen Pause blickt Sophie sie an. Fest und ruhig, ihre Augen sind feucht, aber keine der Tränen droht zu entwischen.
„Weiß ich doch”, sagt sie leise. “Oder hab es vermutet. Ich wollte warten, dass es vorbeigeht.“

“Der Schock kommt merkwürdig sanft. Wie selbstverständlich fügt er sich ein in die Verwirrung meiner Seele. Meine Zuneigung zu Sophie war noch nie so groß wie jetzt. Gleichzeitig zerbricht etwas in mir. Ganz plötzlich, ganz banal. David und mich gibt es nicht mehr.”

„Es ist vorbei”, flüstert Nana, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. “Zu sagen, es täte mir leid, wäre gelogen. Ich habe jede Sekunde mit ihm gewollt. Aber jetzt ist es vorbei.”
Sophie rührt sich kaum. “Danke”, sagt sie knapp. Sie legt ihre Hand auf Nanas und drückt sie leicht, bevor sie geht.

“Die Wochen danach sind hart. Ich gehe nicht mehr ans Telefon und kaum noch aus dem Haus. Weine mir die Augen blind, wenn ich ihn vor meiner Tür betteln höre, ihn hereinzulassen. Einmal gebe ich nach, und wir stürzen uns aufeinander wie Tiere. Als er geht, bin ich wie in Trance. Ich schlage mit dem Kopf gegen die Wand, um aufzuwachen, doch es gelingt mir erst Tage später. Schmerz ist Schmerz, und ich streue Salz in die Wunden, indem ich mir ein ums andere Mal Partyfotos ansehe von David und Sophie, die innigsten, liebevollsten, bis die Verletzung Teil meines Ichs wird und keine Macht mehr über mich hat. Ich schwöre, mich nie wieder zu verstecken und befreie mein Herz. Laufen lerne ich später. Und dann bis zum Horizont.”

Wortglauberei 22

Datenaffäre
Lidl machte es, die Deutsche Bahn machte es, Airbus auch: Daten ihrer Mitarbeiter und Geschäftspartner ausspionieren, zumeist an den Gesetzen vorbei, was die Sache erst zur Affäre macht.
Nur ich frage mich: können Daten untereinander Affären haben? Die kleine rothaarige “private Telefongespräche” Information mit der braungebräunten “Angabe zum Geschlecht”? Wer geht da mit wem? Und wer hüpft durch welche Betten? Da gehts bestimmt heißer her als bei der Verbotenen Liebe oder GZSZ oder dem Denver Clan.

© 2014 HIMMELENDE

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