Zweites Lehrgeld

Barfusslaufen. Eine Woche später, zweites Lehrgeld bezahlt. Gerade sind die letzten Blasen verheilt, schon gehts wieder raus in die Natur bzw. den Stadtdschungel. Diesmal war ich allerdings vernünftig (Betonung: „ver-nünf-tig“, merkt euch das, kommt nämlich nicht allzu oft vor) und betrachtete auf halber Strecke meine Fußsohle und drehte um, nicht weil ich wollte sondern wie gesagt: „vernünftig“. Saß dann ein paar Minuten im Westpark an einer Stelle, an der es leicht bergauf geht und betrachtete die Läufer, wie sie in ihren Schaumstoffschuhen an mir vorbei schnauften und ihre ganze Masse in die Ferse stiefelten. Was da alles kreucht und fleucht! Irre. Nur einer von zehn war dabei, dessen Laufstil nicht besorgnis- bis mittleidserregend aussah, sondern der über den Vorderfuss in ganz dünnen Adidas-Schuhen lief. Fasste dann kurzerhand den Entschluss, Laufberater zu werden und „Natural Running“ in Deutschland zu etablieren, einen wunderbaren Anglizismus haben wir ja schon. Ob die Menschen allerdings darauf einsteigen, wenn sie merken, dass man nix dafür braucht? Also gar nix, nur die blanken Füße, keine Ausrüstung, keine technischen Assistenten, keine Vereinsgebühren, Lifestylemagazine und kein Abo? Null Euro, quasi für lau, einfach rausgehen und laufen.
Wurde heute das erste mal während des Laufs kommentiert. Fahrradfahrer von hinten kommend: „Super Schritt!“ (bezogen auf das Vorhaben, barfuss zu laufen und nicht auf meinen Laufstil, hoffentlich). Fahrradfahrerin von vorne kommend: „Oh Gott!“ (so ein bedauerliches oh Gott, vielleicht dachte sie, ich könne mir keine ordentlichen Schuhe leisten). Jedenfalls hamma wieder was gelernt:

  1. Sonne + Asphalt = auch eher weniger gut. Eine aufgehitzte Teerdecke reizt die Fußunterseite fasst noch mehr, als feuchter Grund. Weiß eigentlich jeder, der im Sommer schon mal barfuss über die Straße schlendern wollte, hat der Kandidat hier allerdings großräumig ignoriert. Ergebnis: Blasen, Schwielenbildung und eine Haut, die „Tschö-mit-ö“ sagt, noch bevor die ersten 20 Minuten rum sind. Jedoch: gute Durchblutung garantiert. Hab heute den einzigen wirklichen Rechtfertigungsgrund für Laufschuhe verstanden, nämlich den, dass man eine Stunde über den Asphalt jagen kann ohne Auflösungserscheinungen am unteren Körperende festzustellen. Unsere Füße, so wie wir auf die Welt kommen, sind für diese Belastungen nicht gemacht, das braucht Zeit. Und bis dahin sieht das Ganze erstmal so aus.

4 Kommentar

  1. Du willst es aber auch wissen 🙂

    Mein Pflaster ist auch noch dran, nur die Steinchen und das Gras hab‘ ich schon entfernt. Ansonsten sind die Straßen bei Dir scheinbar sauber.

  2. laufberater? was da alles kreucht und fleucht? nur gut, dass ich im dunkeln durch den englischen garten jogge- mit schuhen selbstverständlich. 🙂
    schöner text!

  3. Dankeschön! Bin auch erst seit ein paar Monaten barfuss unterwegs, davor immer schön artig in Laufschuhen. Wie ist es Nachts im engl. Garten? Will da auch mal meine Runden drehen, liegt allerdings leider nicht gleich um die Ecke.

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