Wohin gehen wir?

Wie sieht unser städtisches Leben aus, wenn wir es raffen? Wenn wir die Zeit stauchen, Stunden zu Sekunden verdichten?

Klein und hektisch und schnell sieht es aus; nebensächliche Irrlichter auf ihren Bahnen, die sie immer ziehen. Tagein, tagaus. Wenn Leben akkumuliert wird von der Stadt – pulsierende Lichtquanten, der Vergleich mit Blutbahnen eines Organismus liegt nah - und sich selbst zu einem prozesshaften Muster dieser Stadt verändert; langsam überlagert, bis es irgendwan vollkommen Deckungsgleich und – erhöht man die Blickdistanz – kleinkariert wird.

Es liegt in diesem ständigen herumgeistern eine eigenartige Poesie. Sind es die beständigen Gebäudekomplexe, die wirken, als würden sie schon immer dort ruhen? Mit ihren monolithisch-gleichgültigen Glasfassaden, an denen sich nichts reibt, die nur wiederspiegeln können, was auf sie geworfen wird?

Die Sterne sind nicht dort oben, sind sind hier unten, in dieser Stadt, einer Lichtergalaxie, und sie drehen und schrauben sich: ein auf den Kopf gestelltes Bild. Wo unten oben ist und das Oben unser Unten wird, sollen wir zuhause sein? Das verdreht uns die Sinne. Und dennoch liegt in diesem Trubel und Gewusel eine Stille, die wir viel zu selten wahrnehmen können, weil wir zu sehr in der Zeit stecken.

Die Feuerstelle war dereinst das Zentrum unseres Universums. Heute ist es das fahle Leuchten der Plasmabildschirme, digitale Lagerfeuer der Neuzeit und die Leuchtreklamen an öffentlichen Plätzen.
Menschenströme verschwimmen in elektifizierten Röhren zu einer bunten organischen Masse.

Mit dem Einsetzen des ersten Streichers in diesem Video nehmen wir Abschied von der Stadt; wir sehen Menschen an einem Strand, in einer weniger von uns modifizierten Umgebung. Hier verliert er endgültig die Entwurfs- und Deutungshoheit über “seine” Gebilde, bis er im weiteren Verlauf ganz aus den Szenen verschwindet, nur noch Bergkämme und zuletzt ein Hochplateau und die Sterne zu sehen sind.

Das Video folgt einem ganz bestimmten Pfad: von der untersten Ebene, der technisierten Umgebung im Untergrund einer Metropole, hoch zu den obersten Ebenen der Welt, den Randbezirken, in denen der Mensch eigentlich nichts mehr verloren hat. Man kann das deuten, wie man möchte. Letztenendes sind es einfach nur wahnsinnig schöne Aufnahmen.

Wir sind also bis hierher gekommen, all den weiten Weg.
Aber: Wohin gehen wir?

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Tagesspiegel – Sarah Wiener: Der Herd als Symbol der Selbstfindung

“Der Verbraucher ist ein politisches Wesen. Denn seine Wahl reicht ins Allgemeine, sie befestigt oder verändert Produktionsformen.” Lesenswertes Interview!

Die Weihnachtsgeschichte ist eine Hoffnungsgeschichte. Das höchste Wesen ist kein Kaiser, sondern ein ohne Obdach geborener Mensch: Jahrhundertelang haben sich die Menschen in dieser Erzählung wiedergefunden. Nun immer weniger – nicht zuletzt, weil wir in unserer hochgetakteten Welt das Erzählen und Zuhören verlernt haben.

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“Ringsum liegt unsere riesige, heulende Mutter Natur, so schön und um ihre Kinder so besorgt wie eine Leopardin, und doch werden wir ihrer Brust so früh entwöhnt und wenden uns der Gesellschaft zu, jener Kultur, die ausschließlich aus der Interaktion zwischen Menschen besteht – es ist eine Art intensiver Inzucht, die bestenfalls einen englischen Adel hervorbringt, eine Zivilisation, die nur allzu bald an ihre Grenzen stoßen muß.
In der Gesellschaft und in den besten Institutionen der Menschen kann man leicht eine gewisse Frühreife ausmachen. Wir sind bereits kleine Männer, wenn wir doch noch im Wachstum begriffene Kinder sein sollten. Gebt mir eine Kultur, die viel Schlamm von den Sumpfwiesen holt und ihn in den Boden einarbeitet, anstatt sich allein auf erwärmten Mist, verbesserte Geräte und neue Kultivierungsmethoden zu verlassen!”
- aus “Vom Spazieren” - Henry David Thoreau, US amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, 1817 – 1862

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