Der Trend geht hin

… zum Zweitweihnachtsbaum.

Zögernd steht das junge Pärchen auf dem Weihnachtsbaummarkt. Sie redet auf ihn ein, mit glänzenden, großen Augen, während er fachmännisch die symmetrisch korrekte Verteilung der Äste überprüft. Zwei Nordmanntannen hat er zum Vergleich nebeneinander gestellt, er wird sie beide kaufen, soviel ist sicher, das sieht man an seinem abschätzigen Gesichtsausdruck, den er jedem entgegen wirft wie ein hungriger Köter, der Angst hat, seine frisch erlegte Beute teilen zu müssen.
Dann aber geht alles auf einmal sehr schnell und noch während die Frau für einen Gewaltsprung zum Verkäufer Anlauf nimmt, schiebt er mit einer Hand die Beute durch den Netzbespanner, mit der anderen Hand kramt er nach dem Autoschlüssel und fuchtelt damit herum. In der Ferne fiept und blinkt ein Ford Kombi.
Das Angebot: zwei Weihnachtsbäume zum Preis von einem. Eine ganze Nordmanntannenlegion wartet artig auf Erbarmen, wartet auf einen Abholer, der sie in die warme Stube stellt und reichlich verziert. An Interessenten mangelt es nicht, der Andrang ist enorm. Die anderen Nordmänner, die verkrüppelten, die schief gewachsenen, die niemals Normmaß erreichten stehen weiter hinten. Sie warten nicht auf Abholung, sondern auf ein friedvolles, vertrocknetes Ende, nach dem sie ungeschmückt ins Nordmanntannennirwana übergehen können.
Eines sieht man, und das ist unbestreitbar: der Trend geht hin zum Zweitweihnachtsbaum.

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