Die Verloungung der Gesellschaft

Mäandere durch Straßenschluchten. Versuche die große Stadt zu überleben. Gelingt mir mal wieder hervorragend. An der Ecke Goethe- Schwanthalerstraße zum Stillstand gekommen. Daneben gleich die Schillerstraße. Belustigt darüber, das in den beiden Straßen Münchens, die die Namen der deutschesten aller deutschen Dichter tragen, selbst kaum ein Wort Deutsch gesprochen wird. Gut, in der De-La-Paz-Straße spricht ja auch niemand spanisch. Zumindest weiß ich nichts davon.
Konstatiere vor Metzgerei gesellschaftlichen Paradigmenwandel. Steht dort allen Ernstes: „Wurst-Lounge“. Überlege angestrengt, wie ich mir das vorzustellen habe, sich so mit Debreziner oder Krakauer mit Senf auf Papptellern, dröge wurstkauend auf hippen Alcantara-Sofas breitbeinig räkelnd, mit möglichst gelassener Starbucks-Coolness im Gesicht. Überlegung führt zu keinem schlüssigen Ergebnis. Schlendere konsterniert weiter, verliere jedoch nur mäßig die Fassung. Sind mit ihrem Lounge-Getue ja nicht die Einzigen. O2 Lounge, DB Lounge, LHM Lounge (die wirklich Guten garnieren ihren großen Chill-Out nämlich noch mit Akronymen), Alice Lounge, Cocktail Lounge, Tee Lounge undwasessonstnochgibt. Stelle an diesem Nachmittag fest: Der Trend geht ganz klar weg vom „Planet“ hin zur „Lounge“. Eine totale Verloungung der Gesellschaft scheint unabwendbar. Fühle mich dann doch etwas elend. Rette mich in ein nahes Café. Romantisch, alt. Die haben dort keine Lounge. Die haben dort noch nicht mal ein Sofa. Bleibe dennoch und bestelle Kaffee. Werde und werde aber nicht locker. Seltsam.
Vom Planet zur Lounge

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