Real beer eben

Der Regen hat mich in den letzten Tagen vom East Cape weit in die Hawkes Bay gespült. Diese Region war einmal für ihre Obstplantagen berühmt. Heutzutage stehen Weine an erster Stelle. Die Liste der Domänen ist scheinbar endlos und in dieser Gegend wollte ich auch neuseeländischen Wein probieren. Als ich allerdings heute durch Gisborne fuhr, fiel mir in meinem kleinen, unhandlichen Lonely Planet ein Vermerk auf: „Sunshine Brewing Company – Gisbornes eigene Naturbierbrauerei“. Gemäß dem Motto, aufgehoben ist nicht aufgeschoben, legte ich dort einen kleinen Zwischenstop ein.

Das ist Chris. Er und eine handvoll weiterer freundlicher Kerle schmeissen diese kleine, unscheinbare Privatbrauerei an der Disraeli St., die auf jeden Fall für alle nach Gisborne Gespülten einen Abstecher wert ist. Als ich mich dort als Botschafter bayerischer Biertradition vorstellte, der im Auftrag der hohen Hopfenkunde extra aus München angereist sei, spendierte Chris meiner Polterei nur ein müdes Lächeln und eine Flasche Gisborne Gold. Ich brauchte nur „Reinheitsgebot“ zu sagen und wir beide nickten uns verschwörerisch zu. Stolz holte er Fotos im Din A4 Format unter der Theke hervor, darauf zu sehen die gesamte Sunshine Brewing Company auf der diesjährigen Wiesn, allesamt in mehr oder minder vorzeigbarer Bierseligkeit. So fotogen man eben nach der dritten Maß in die Kamera schielblicken kann. Gisborne Gold war bis jetzt ohne Frage das beste Bier, das ich in Neuseeland probierte. 1 Liter für 6 Dollar ist auch nicht ohne. Einziger Frevel: Die Einzelflaschen sind aus Plastik, können bei Bedarf aber direkt vor Ort wieder nachgefüllt werden (was der Ansage „Ich gehe mal eben kurz zur Tanke“ eine etwas andere Bedeutung gibt). Der Brauerei werden die Flaschen so schnell wie sie produziert werden abverkauft und das liegt daran, dass die Sunshine Brewing Company das Prinzip „Reinheitsgebot“ verstanden hat. „We make real beer“, strahlte Chris mir entgegen und dann erklärte er.

In Neuseeland gibt es drei verschiedene Kategorieren von Bier.
„Budget beer“ – oder wie er es nannte „Mc Donalds beer“. Das ist farbiges Wasser mit Alkohol und einer Menge anderer Sachen, die da nicht reingehören. Zucker zum Beispiel und ätherische Öle, um dem Getränk überhaupt irgendeinen Geschmack zu verleihen. Mit Bier hat das nicht sehr viel zu tun. Das einzig besondere daran ist, dass dieses „Bier“ nicht fermentiert ist, denn das kostet normalerweise Zeit. Mit einem speziellen Verfahren (soweit hat dann mein Brauereitechnikenglisch dann nicht mehr gereicht) kann unter Hochdruck besonders viel minderwertige Plörre hergestellt werden. Absatz ist alles, was zählt. Dann gibt es „Premium beer“, ohne Zusatzstoffe, aber auch nicht fermentiert, soweit ich das verstanden habe. Und zu guter Letzt „Craft beer“, ohne Zusatzstoffe, mit Malz und fermentiert. Real beer eben. Vielen Dank, Chris für diesen kurzen Ausflug in die Welt der Braukunst. Nachdem ich zwei weitere Proben dankend ablehnte – mein Auto und der leere Magen dienten als passabler Vorwand –  verabschiedete ich mich und machte mich vom Acker.

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