Der Jürgen, der vom Himmel fiel

Allmählich gehen der Anti-Semitismus Debatte hierzulande ihre Hauptdarsteller aus. Jürgen W. Möllemann ist tot. War es Suizid? Ein Anschlag? Oder göttlliche Vorsehung? Gute Fragen, keine Antworten. Ein Nachruf.

Allmählich gehen der Anti-Semitismus Debatte hierzulande ihre Hauptdarsteller aus. Jürgen W. Möllemann ist tot. War es Suizid? Ein Anschlag? Oder göttliche Vorsehung? Gute Fragen, keine Antworten. Ein Nachruf.

Also, mal ganz ehrlich: Politik ist nicht mehr mein größtes Faible. Früher, ja früher war das anders. Da verfolgte ich hitzige Bundestagsdebatten bis mir der Kopf nur so rauchte; da dachte ich, mit Politik sei noch etwas zu bewegen in der Welt. Zugegeben, da war ich auch noch jung und unbescholten.

Heute, ein paar leere Versprechungen und Korruptionsaffären später zählt für mich lediglich der Entertainment-Faktor der Politiker. Also Guidos Spaßguerilla, Angie und der Gerd zum Beispiel sind recht famose Zeitgenossen. Nulpen und geistige Blindgänger treten in Regierungskreisen jedoch des öfteren auf und sind beliebig reproduzierbar. Aber ein politisches Unikum fehlt mir schon heute – Jürgen W. Möllemann. Der ist nämlich tot. Schade eigentlich, gerade jetzt, wo es lustig mit ihm wurde. Doch wie lautet das Sprichwort? „Man soll immer dann aufhören, wenn es am Schönsten ist.“ Mister 18 Prozent, der mit diversen Affären in die negativen Schlagzeilen rutschte, wählte den Freitod mit einem ins Gegenteil gekehrtem Himmelfahrtskommando – einem Fallschirmsprung ohne abschirmen vor dem Fall. Ein dramatischer Suizid – wahrscheinlich. Oder doch nicht? Wie dem auch sei, in Anbetracht dieser Situation bekommt „der Fall Möllemann“ eine gänzlichst neue Bedeutung.

 

»Dort wo ich bin, ist oben. Und wenn ich einmal unten bin, dann ist unten eben oben.«
Jürgen W. Möllemann

Der Tod eines Kritikers kursierte durch alle Gazetten. Aus diesen war er spätestens seit Karsli & Co. nicht mehr wegzudenken. Auch sonst waren seine Diskurse mit den Anhängern der verschiedenen Fraktionen recht unterhaltsam und sorgten für den nötigen Pepp im Bundestag. Doch nachdem bei ihm vor ein paar Tagen die Staatsmacht mit einer breit angelegten Durchsungsaktion in der Türe stand, war der einstige Bundesminister erst mal baff und fiel förmlich aus allen Wolken.

Möllemann, der ehemalige Deutsch- und Sportlehrer aus Augsburg polarisierte wie kein zweiter die Massen und hatte einen langen, stellenweise recht zweifelhaften Werdergang hinter sich. Vom einstigen Stehaufmännchen wandelte er sich binnen kürzerster Zeit zum Buh-Mann der Nation – jetzt tun sich alle Schmarotzer gütlich am „bedauernswerten Verlust eines hoch angesehenen Kollegen“. Ja, ja, der Jürgen, der war ganz weit droben. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall und nach Mölle stürzt nun auch sein ehemaliges politisches Konterfeit – Michel Friedman. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Moderator einer Diskussionssendung soll angeblich „buiverln“ und treibts zuweilen recht bunt. Was lernen wir daraus? Jürgen druckte seine gemeinen Flyer und der Michel war ein koksender Freier. Das reimt sich und wie man sieht, ist nicht alles, was sich reimt auch gut. Und ob Mölle Mist aufs Papier druckt oder Friedman sich den Mist in die Nase zieht, spielt keine Rolle. Wichtig ist, was am Ende dabei rauskommt. Gell, Helmut.

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