Weapons of Mass Deception

Die amerikanische Regierung stellt still & heimlich die Suche nach Saddams Massenvernichtungswaffen ein. Langweilig, wie wir meinen.

Sie lässt uns keine Ruhe, Georgies Spasstruppe im Oval Office. Und wenn einer so laut mit den Waffen der Massentäuschung poltert, kann man einfach nicht anders. Das ist uns dann doch eine kurze geistige Blähung wert.

Eine Meldung, die den Raum der täglichen Nachrichtenaufmerksamkeit wenig reflektiert passierte: Die amerikanische Regierung hat ihre Suche nach den im Irak vermuteten Massenvernichtungswaffen offiziell beendet. Damit wurde nun der Hauptbeweggrund der Bush-Administration für den Angriff des Iraks schlussendlich beerdigt.

Als im Februar 2003 der damals amtierende US-Aussenminister Colin Powell vor versammelter Weltgemeinschaft mit Verve sein gewagtes Amalgam aus Fakt und Fiktion vortrug, erforderte es kein sonderliches Maß an Spitzfindigkeit, um diese verwegene Mischung aus CIA-Mauschelei und computeranimierten Giftgas-Atombomben-Milzbrand-Geheimlabor-Planwägen als solche zu erkennen. Dass Colin Powells “Fakten” und “solide Erkenntnisse” letzten Endes dann doch nichts anderes als bloße Behauptungen waren, zeigt sich an den nach wie vor abtrünnigen Massenvernichtungswaffen.

Wirklich glauben wollte dem Mr. Powell diese Geschichte also eh keiner so richtig; die Meldung über den Suchstop kam insofern nicht überraschend. Warum all der Terz? Nun, wenn die Story mit Saddams „Weapons of Mass Destruction“ schon eine Farce war, dann hätte sich die Bush-Regierung wenigstens die Mühe für eine ordentliche abschließende Inszenierung machen sollen.

»Was wir Ihnen vorlegen, sind Fakten und Schlussfolgerungen, die auf soliden Erkenntnissen beruhen.«
Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat am 5. Februar 2003

Was also hätte sich das von Michael Jacksons Schauprozess aufgeweichte Konsumentenhirn der Medienrezipienten gewünscht? Vielleicht hübsch drapierte Pappmaché-Raketen, die uns ein Experte als alles vernichtend und absolut tödlich aufgeschwatzt hätte; flüchtig aus Schrott zusammengeleimte Geheimlabor-Planwägen, die möglicherweise auch Hans Blix kritischem Prüferblick stand gehalten hätten. Nein, wir sahen leider nichts dergleichen. Und schade, denn von den kreativen Köpfen der Washingtoner Think Tanks hätte man ein wenig mehr Esprit erwartet. In meinen Augen ist DAS der eigentliche Skandal, denn wenn wir schon beschissen werden, dann wollen wir wenigstens ordentlich beschissen werden.

So makaber es klingen mag: Zwischen Tsunami Naturkatastrophe, republikanischer 40 Millionen Dollar Vereidigungs-Party und Raumsonden-Spektakel nahe Saturn war dies der strategisch beste Zeitpunkt, die Meldung vom Suchstop nach Massenvernichtungswaffen auf das Parkett der Medienöffentlichkeit zu schubsen. Wenn das Scheinwerferlicht auf der Bühne des informellen Bewusstseins auf die gerade in sich zusammenstürzende Hintergrunddekoration gerichtet ist, sieht unsere kleine dreckige, verschämt dreinblickende Irakkrieg-Rechtfertigung vorne am Bühnenrand niemand mehr so richtig. Es hat natürlich seitens der Bush-Administration auch System, dass man diese kleine Lüge eingestehen kann, um von der großen Lüge erfolgreich abzulenken: den faktisch nicht vorhandenen Zusammenhang von Saddam Hussein mit den Anschlägen des 11. Septembers.

Auch wenn die amerikanische Regierung den Beweis für biologische, chemische, atomare oder wie auch immer geartete Massenvernichtungswaffen schuldig geblieben ist, so hat sie doch fabelhaft einen ganz anderen Beweis geliefert. Dem offiziellen Hauptgrund für den Irakkrieg 2003 still und heimlich auf diese Weise den finalen Kopfschuss zu verpassen und ihn gemeinsam mit tausend unnötig getöteter Zivilisten in den Gräbern zu verscharren, ist ein untrüglicher Beweis menschlicher Armseligkeit.

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