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Bewusstes Filtern oder technischer Fehler? Facebook deaktivierte für ein paar Stunden systemweit die Möglichkeit, Informationen zu Lamebook weiterzugeben. Egal ob in öffentlichen Statusmeldungen oder persönlichen Nachrichten. Überall dort, wo der Begriff „Lamebook“ verwendet wurde, wurde geblockt. Diese Seite sammelt lustige und stumpfsinnige Statusmeldungen, die auf Facebook veröffentlicht wurden, was die Betreiber des sozialen Netzwerks wiederum als geschäftsschädigend erachteten und alle Informationen von und über Lamebook sperrten. Und diese Informationsblockade verursacht jetzt natürlich großes Bohei. Sie lief zwar nur für eine kurze Zeit, aber lange genug, um die Diskussion über Zensur und Rechteverwaltung im Internet erneut anzufachen. Das Szenario: Über was und wen wir uns in Zukunft austauschen können wird uns diktiert von einem Kommunikationsmonopol, das sich zu willkürlicher Zensur entschließt. ZeitTagesspiegel und das Blog netzwertig.com berichteten darüber.

Gerade war Facebook, über das mittlerweile mehr als eine halbe Milliarde Menschen ihre Kommunikation mit Freunden und Bekannten verwaltet, ein wenig aus der Negativpresse gekommen, da tritt die Firma aus Kalifornien wieder ins Fettnäpfchen, was in Anbetracht dieses sensiblen Themas besonders unverständlich ist. Laut einer öffentlichen Pressemitteilung des Dienstleisters handelte es sich bloß um ein Versehen; es zeigt aber, dass technisch bereits alle Systeme installiert und funktionsfähig sind, um nicht nur politisch unkorrekte Wörter filtern zu können. Und das ist ein Problem. Noch reicht es, sich dafür einfach zu entschuldigen. Noch lüftet Facebook eine Datenburka durch Protest der User. Aber das kann sich in Zukunft ändern.

Apple, Facebook, Google: All diese Konzerne bauen ein Internet-Disneyland auf, sogenannte walled gardens, also betreute und moderierte Bereiche, bunt und weitläufig, die einem das Gefühl von Freiheit vermitteln sollen, die aber trotzdem ummauert und abgeschlossen sind. Die alles unter einem Dach zusammenführen sollen, von der Kommunikation mit Freunden, der Verwaltung digitaler Identitäten, Nachrichten-, Handels- und Entertainmentplattform, alles in einem. Und diese Gärten solle man am besten überhaupt nicht mehr verlassen müssen.

Das Störende: All diese Dienste bauen auf den offenen Standards und der Infrastruktur des Internets auf, die diesen Firmen überhaupt erst ermöglichte zu solch einer Größe anzuwachsen. Facebook im speziellen hat jetzt eine kritische Masse erreicht und saugt immer mehr Informationen in sich auf, ohne diese Informationen wieder herauszugeben. Das aber ist das Grundprinzip eines offenen Internets. Zugriff auf diese Daten hat nur, wer sich wiederum bei Facebook registriert und selbst Daten in ein hermetisches System, das nach Aussen hin abgeschottet ist einspeist.

Kontrollierende Marktmacht und verschreckende Dystopie hin oder her: Es geht den großen Konzernen längst nicht mehr um die Verkörperung einer Idee, sondern um die Vermittlung einer Ideologie. Nicht mehr: Denkt anders. Sondern: Denkt wie wir!

Nachtrag:
Wer Facebooks Zensurpolitik live und in Farbe ausprobieren möchte – youropenbook.org ist immer noch gesperrt.
(via Netzwertig)

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