Die Müdigkeit steckt Nora in allen Gliedern, bleischwer. Würde sie sich hinlegen, sie schliefe wohl augenblicklich ein. Aber sie sitzt ja, und so bleibt sie künstlich wattig-wach, mit diesem benebelten, betrunkenem Hirn und dem besoffenen Herzen, das überschwappt vor Liebe, wie immer in solchen Momenten. “Halt mich”, würde sie gern sagen, beißt sich aber auf die Lippen. Es würde die Sache verkomplizieren, sie sind jetzt drei Jahre getrennt und haben sich langsam daran gewöhnt.
“Keine andere Form des gewöhnlichen Scheiterns, weder Krankheit noch Ruin oder Versagen im Beruf, findet einen solch tiefen, grausamen Widerhall im Unterbewußten wie die Trennung. Sie rührt unmittelbar an den Ursprung aller Angst und weckt ihn auf. Sie greift mit einem Griff so tief, wie überhaupt Leben in uns reicht.”
- “Die Widmung. Eine Erzählung.”, Botho [...]
An dem Tag, als das Telefon starb
Cellphone’s death
So eine Veranstaltung. Die Menschen standen dicht gedrängt, die angemietete Halle unterdimensioniert für ihre Zahl und Masse. Ärmel von Sakkos und Säume langer Abendkleider rieben aneinander, Körper pressten aufeinander. Schweiß drängte sich durch die Poren feinster Seide und Molkelüle diffundierten in den Raum.
Der Raum selbst wurde zum Wesen.
Obwohl [...]
‘We’re All Gonna Die – 100 meters of existence’.
Abend, eins, einuhr. Zurück in der stillen Schwebe, die man Zuhause nennt. In meinem Fall eine Burg, wie Burroughs sie gebaut hatte, um den wahnwitzigen Abschaum und das Gekreisch auf den Straßen abzuschirmen. Wir stecken tief drin.
Den Vorhang auf und die Manege brennt, ein Flammenkorps stolziert über den Treibsand, bettelt, betet dem Publikum zu: Lasst [...]
“Schnell nach Hause… schnell umziehen… schnell duschen… kurz was essen… schnell drüberlesen… kurz anrufen… kurz hinlegen… schnell was ausmachen, abmachen, durchmachen.”
Die letzten 5 Wochen: hastig und rastlos. Eile – das Attribut klebte an jeder Tätigkeit, ölte sie ein, machte sie glitschig. Kaum zu fassen alles. Zur Ruhe kommen war nicht. Gar nicht dran zu denken. [...]
Wohlstandsverwarlosung
beschreibt die seelische Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen.
Erfolgreich den Kaufrausch der Vorweihnachtszeit ohne Kopfschmerzen überstanden und davon überzeugt, dass der Stresspegel der Leute direkt proportional zum Grad der Heiligkeit einer Jahreszeit ansteigt. Gut, Weihnachten ist rum. Abgehakt. Was jetzt kommt is the same procedure as every year. 2006 liegt in seinen letzten Zügen, das Jahr der falschen Propheten geht zu Ende. [...]
Mai 7th, 2009
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