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Ich bin der siebenmilliardenste Teil von allen, die den Wunsch haben, zufrieden leben zu können

Kennen Sie die Ermüdung, die einen mitunter überfällt, weil man in eine Spezies geboren wurde, die so wenig lernfähig ist? Jedermann hat den Wunsch gut zu leben – und doch gestehen die wenigsten auf dieser Erde dies auch ihren Mitmenschen zu.

Sibylle Berg über Toleranz – SPIEGEL ONLINE

Kurz gesagt, solange der Mensch lebendig ist, besteht immer die Gefahr, er könnte sterben, obgleich zugegeben werden muß, daß die Gefahr in dem Verhältnis geringer ist, je mehr er schon von vornherein eher tot als lebendig ist.

 

H. D. Thoreau, Walden

Ich habe immer versucht, in einem Elfenbeinturm zu leben, aber es brandet eine solche Flut von Scheiße gegen seine Mauern, dass er einzustürzen droht.

 

Gustave Flaubert an Ivan Turgenev, 13.11.1872

Gesellschaft, aber mit Maß

“Hunderte Freunde auf Facebook sind nicht mit echter Freundschaft zu vergleichen…” – für diese Erkenntnis bedarf es keines Focus-Lamentos, um die Diskussion wieder in’s Rollen zu bringen. Facebook schadet der realen Freundschaft. Wir verklumpen also tatsächlich langsam zu sozialen Halbcrétins, wenn es um reale Beziehungen geht. Mit Smartphones wursteln wir uns durch diese Welt, maximalzerstreut und blind für unsere Nächsten; permanent der Angst ausgesetzt, irgendwann im Laufe einen dieser 2012er-Tage allein zu sein. Und damit klarkommen zu müssen.

So wie Facebook die Beziehung zu Menschen ändert, ändert die SMS die Beziehung zum geschriebenen Wort. Anatol Stefanowitschs Sprachlog, eine der ersten Adressen für alle sprachwissenschaftlich interessierten Wort- und Satzfrikler, widmet dazu einen ganzen Beitrag. Stille Post verschlechtert die Grammatik. Scheinbar, denn so richtig überzeugt sind die Autoren der Studie letztenendes dann doch nicht.

Facebook hin, Smartphones her – die Kulturwissenschaftlerin Sherry Turkle gab im letzten SZ-Magazin ein sehr interessantes Interview zur Frage, wie mit all diesen neuen Kommunikationsverstärkern anscheinend eine basale Eigenschaft menschlicher Unterhaltung langsam flöten geht: das Gespräch.
Wir sind zusammen allein. Unserer Gesellschaft der Dauerbespaßung fehlt es zunehmend an der Fähigkeit zum Alleinsein.

Erst das Alleinsein ermöglicht, sich selber zu finden und mit anderen eine Bindung einzugehen. Können wir das nicht, wenden wir uns den anderen zu, um uns nicht zu ängstigen, ja um uns überhaupt erst lebendig zu fühlen. Die anderen werden zu einer Art Ersatzteillager für das, was uns fehlt. Einer Generation, die Alleinsein als Vereinsamung erfährt, mangelt es an Autonomie. Diese zu entwickeln ist für Heranwachsende aber lebenswichtig.

Zeitgleich zu diesen drei Artikeln (und letztlich ausschlaggebend für diesen Blogeintrag) stieß ich auf eine Passage in Henry David Thoreaus Walden. 1854 schon brachte er es treffend auf den Punkt.

“Gesellschaft ist gewöhnlich billig zu haben. Wir treffen uns nach zu kurzen Zwischenräumen, als daß wir Zeit genug gehabt hätten, neuen Wert füreinander zu erlangen. Wir kommen dreimal täglich bei den Mahlzeiten zusammen und lassen den andern immer wieder von dem schimmligen alten Käse kosten, der wir sind. [...] Gewiß würde weniger große Häufigkeit für jeden bedeutenden und herzlichen Verkehr genügen.”

Nachts am Schreibtisch, in einem vorgerückten Stadium geistigen Genusses, würde ich die Anwesenheit einer Frau störender empfinden als die Intervention eines Germanisten im Schlafzimmer.

 

Karl Kraus, aus: Aphorismen: Pro domo et mundo

Praktisch alles, was mit dem Buchstaben P anfängt, ist mehr oder minder korrupt Priester, Politiker, Polizisten. Deshalb nenne ich Huren auch nicht Prostituierte, weil sie noch einem ehrbaren Beruf nachgehen.

 

Dr. John im @rollingstoneDE, via @tpredaktion

“Utopia was here at last: its novelty had not yet been assailed by the supreme enemy of all Utopias – boredom.”

 

Arthur C. Clarke, “Childhood’s End”

Allmacht der Mode

Was die Kleidung anbelangt, um gleich zum praktischen Teil der Frage zu gelangen, so lassen wir uns vielleicht häufiger durch Neuerungssucht und die Rücksicht auf die Ansicht der Leute bestimmen, als durch die wahre Nützlichkeit. Wer zu arbeiten hat, der möge bedenken, daß der Zweck der Kleidung erstens der ist, die Lebenswärme zu bewahren – und zweitens in unerer Gesellschaftsordnung die Nacktheit zu verdecken; er wird dann ermessen, wieviel nötige oder wichtige Arbeit verrichtet werden kann, ohne daß er seine Garderobe bereichert. – Könige und Königinnen, die einen Anzug nur einmal tragen, können, obwohl dieser von königlichen Hoflieferanten hergestellt ist, nicht wissen, wie bequem ein Anzug ist, der sitzt. (…)
Der Mensch sollte sich so einfach kleiden, daß er sich im Dunkeln anziehen kann, und sollte in jeder Hinsicht so geschlossen und vorbereitet leben, daß er, wenn der Feind die Stadt einnimmt, ohne Sorge mit leeren Händen, wie jener alte Philosoph, zum Tore hinausgehen kann.

- H. D. Thoreau, “Walden”

Einer starken, kühnen, verwegenen Seele genießen; mit ruhigem Auge und festem Schritt durch das Leben gehen, immer zum Äußersten bereit wie zu einem Feste und voll des Verlangens nach unentdeckten Welten und Meeren, Menschen und Göttern; auf jede heitere Musik hinhorchen [...] und im tiefsten Genusse des Augenblicks überwältigt werden von Tränen und von der ganzen purpurnen Schwermut des Glücklichen: Wer möchte nicht, dass das alles gerade sein Besitz, sein Zustand wäre! Aber [...] mit diesem Glück Homers in der Seele ist man auch das leidensfähigste Geschöpf unter der Sonne! Und nur um diesen Preis kauft man die kostbarste Muschel, welche die Wellen des Daseins bisher ans Ufer gespült haben.
- Friedrich Nietzsche

Einsamkeit ist kein individuelles Versagen. Einsamkeit ist eine Auswirkung unseres Lebensstils.

 

Leben in Zeiten von Facebook - schöner Artikel von Malte Welding über das Lebensprinzip Einsamkeit.

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