Die Werbehölle: Das ist die russische U-Bahn.

Werbehoelle in Russland 03Neonreklamen überziehen die Stadtzentren von Tokyo, New York, Mexico City oder sonstwo in der globalisierten Welt. Die großen Kathedralen des Konsums, die Glaubenshäuser des Fortschritts sind in der westlichen Hemisphäre verortet. Kauf und Verkauf werden hier wie eine säkularisierte Religion zelebriert, nahezu jeder freie Quadratzentimeter Betonfassade ist mit aufmerksamkeitsheischender Werbung beklebt; eine lähmende und, sollte das ausbleiben zumindest sinnraubende Penetranz. Ein Mottokanon, der langsam durch unser Bewusstsein rieselt und das Tier Mensch zum Konsum verführen soll. So malen es sich die Macher der Werbeindustrie in ihren feuchten Träumen aus. „Kauf mich! Du brauchst mich zwar nicht, aber du willst mich, weil du mir glaubst: Ich bin wichtig und ohne mich kannst du nicht sein.“ Manipulation lebt von Platzhaltern, von Bildern und Signalen, die etwas Eigentliches, Ursprüngliches verdecken und es mit neuen Signalen ersetzen.

Werbehoelle in Russland 02Nun gibt es einen Ort auf Erden, von dem man am allerwenigsten erwartet hätte, dass er eines Tages zum Vorhof der Werbehölle gerät: die russische U-Bahn. Zu Sowjet-Zeiten wurden ihre Stationen von der Gesellschaft Russlands als Meisterwerke der Kunst gelobt. Und während im Moskauer Untergrund die „Paläste für das Volk“ in ihrer ursprünglichen Form konserviert und restauriert werden, um den Glanz vergangener Zeiten zu bewahren, hat man ein paar hundert Kilometer weiter Richtung Europa in Kiew den Kampf gegen den westlichen Kulturimperialismus aufgegeben. Dort hat man in der euphorischen Hoffnungsstimmung eines baldigen EU-Beitritts schon mal angefangen, vorsorglich alle Stationen und U-Bahnen mit den Symbolen der westlichen Konsumgesellschaft zu tapezieren, frei nach dem Motto: „Viel hilft viel!“ Warum also Marmor, wenn man auch eine 360° Snickers-Werbetafel haben kann? Go West, Ukraine! Willkommen in der schönen, neuen Welt.

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